Nofretete im neuen Licht

Von 30. März 2005 Aktualisiert: 30. März 2005 8:44
Alte Meister bekommen Besuch

Die staatlichen Museen zu Berlin werden ihr 175jähriges Jubiläum feiern

Die Berliner ziehen gerne um, auch als ihre Stadt eingemauert war, gab es genügend Möglichkeiten, die Bezirke zu wechseln. Seit der Wiedervereinigung von Ost und West, hat auch die Museumsleute die Lust am Umziehen gepackt, denn all die alten und neuen Museen, die Renovierungen und Zusammenlegungen wollen auch genutzt sein. Und nun auch Nofretete, die Büste aus Kalk und Gips zeigt ihren wahrhaft königlichen Kopf nach 37 Jahren im Charlottenburger Marstall jetzt in Sonderräumen der Gemäldegalerie am Kulturforum zwischen Philharmonie und Matthäikirchplatz. Das ist nur eine Station der Durchreise auf ihrem Weg zum Alten Museum, wo am 3. August 2005 das 175. Gründungsjubiläum der Staatlichen Museen zu Berlin gefeiert werden soll.

Die Gemäldegalerie hat hinter einer ansteigenden Piazza, die im Sommer ohne Baum und Strauch viel zu heiß ist, und die im Winter durch ihre Steinplattenschräge leicht zur Rutschbahn wird, einen gut verborgenen Eingang. Man spricht inzwischen über einen längst fälligen Abriss der Piazza, um den Eingangsbereich publikumsfreundlicher zu öffnen. Die Unsichtbarkeit versucht man für Nofretete zu überwinden mit einem schwarzen Querschild über dem Eingang, auf dem in groben weißen Lettern steht: Nofretete. Wahrlich nicht schön, nicht angemessen, keine Spur von Hieroglyphen, obwohl doch die Ausstellung heißt: Hieroglyphen um Nofretete.

Das Lächeln ist menschlich geworden

Hat man sie aber schließlich gefunden, die Königin der 18. Dynastie der Amarna-Zeit, in den Sonderräumen der Gemäldegalerie, dann entdeckt man sie neu, in neuem Licht. Und das kann man wörtlich nehmen. Durch einen neuen Lichteinfall erscheint sie nun wie dünnhäutig. Es ist nicht mehr die bunt bemalte glatte Büste einer jungen Schönheit, sondern alle Farben erscheinen sanft gedämpft und die Haut wie lebendig. Der Ausdruck der Augen ist der einer Frau, die auch die Traurigkeit kennt, das Lächeln ist menschlich geworden, die schön geschwungenen Lippen verraten Klugheit und Geschmack. Der Umzug in die andere Umgebung lassen Bewunderer und ihre Majestät zu einer neuen Begegnung zusammenfinden, die allein den Besuch schon lohnt.

Mit einer Vielfalt neu arrangierter Fundstücke der Ägyptologie aus dem Berliner und dem Münchner Ägyptischen Museum wird man in zwei Ausstellungsräumen didaktisch in die Welt der Hieroglyphen eingeführt und ihrer Ausstrahlung und Entdeckung durch die Jahrhunderte bis zu Paul Klee und A.R. Penck. Für Kinder ab fünf Jahren gibt es eine spezielle Audioführung, die auch für Familien oder Schulklassen geeignet ist. Erwachsene wissen diese Führungen auch zu schätzen, vertiefen sie doch das Verständnis und schärfen den blick für die geheimnisvolle Welt hinter den heiligen Zeichen, den Hieroglyphen.

Ausstellungsräume als Gesamterlebnis

Hat man dann noch Lust in die antike Mythologie und biblischen Geschichten einzutauchen, oder möchte man auch noch betrachten, was die alten europäischen Meister der Malerei unter Kunst verstanden, dann besucht man im selben Haus die Gemäldegalerie mit einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen des 13. bis 18. Jahrhunderts. Die Sammlung wurde seit dem Gründungsjahr 1830 systematisch aufgebaut und vervollständigt.

Es gibt nur wenige Museen, in denen gerade die Präsentation der mittelalterlichen Malerei in den ersten Räumen so gelungen ist, dass auch die kleineren Bilder eine Leuchtkraft entwickeln, die so selten zu sehen ist. Der farbige Hintergrund der Samtbespannung, das Tageslicht von der Decke, die großzügige Hängung machen diese Ausstellungsräume und ihre Schätze zu einem Gesamterlebnis. Sammlungsschwerpunkt ist die deutsche und italienische Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts und die niederländische Malerei des 15. bis 16. Jahrhunderts. Nicht zu vergessen der ursprünglich freie Mittelraum, der den Augen und dem Geist Erholung bieten sollte in Anlehnung an eine griechische Agora.

Museumsinsel als Zwischenquartier.

Von dort aus taucht man wieder ein in die Bilderwelten der van Eyck, Bruegel, Dürer, Raffael, Tizian, Caravaggio, Rubens, Rembrandt und Vermeer. Mit 16 Werken Rembrandts zählt die Sammlung zu den größten und qualitätvollsten der Welt.

Man findet einen großen Schatz der altdeutschen Malerei der Spätgotik und Renaissance, die durch Künstler wie Konrad Witz, Albrecht Dürer, Baldung Grien, Cranach und Holbein vertreten sind, wieder. In sechs Räumen wird die italienische, französische, deutsche und englische Malerei des 18. Jahrhunderts präsentiert. Die reiche Bildersammlung enthält Werke von Canaletto, Watteau, Pesne und Gainsborough.

Und wenn man die etwa 1000 Meisterwerke der Hauptgalerie auch nur halbwegs bewältigt hat, dann öffnet der Weg in die Studiengalerie im Sockelgeschoss mit etwa 400 Bildern noch einmal alle Sinne der Bewunderung.

Die Maßstäbe der alten Meister

Es wird einem deutlich, dass in den alten Zeiten die Menschen ganz andere Werte als heute mit Kunst verbanden. Für die alten Meister wie z.B. Raffael, Rubens, Tizian etc., lag der Maßstab für ein gutes Bild eher in der Präzision, sei es nun in den Proportionen, der Farbwahl, dem Licht und Schattenspiel. So war man bestrebt eine so feine Technik umzusetzen, die keinen Pinselstrich verriet und dies nicht zuletzt, weil die Motive der damaligen Gemälde ausschließlich, außer Portraits der Königshäuser, antike Mythologie und biblische Geschichten bildeten. Vergessen wir nicht, dass es keine Reizüberflutung durch Bilder gab.

So war die Kunst wie sie damals auftrat eher ein wichtiger Faktor um dem Betrachter einen Wert von Moral und Schönheit zu vermitteln, von Glauben und Verdammnis, von gut und böse. Die Technik wurde als unterstützendes Mittel dazu betrachtet um diese Geschichten und Inhalte so edel und echt wie möglich darzustellen. Dabei wurde Wert auf Genauigkeit und Konzentration und Glauben gelegt und wohl nur so konnten solche Bilder, wie wir sie heute von den alten Meistern noch erleben können, erschaffen werden.

Die Gemäldegalerie

Der Neubau für die Gemäldegalerie beim Kulturforum galt als umstritten. Aber jeder der sie heute besucht wird die Anlage des Architekturbüros Hilmer & Sattler mit ihren rund 7.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und einem fast 2 km langem Rundgang mit 72 Sälen und Kabinetten, die durch die einzelnen Kunstlandschaften und Epochen führen und besonders die guten Lichtverhältnisse darin schätzen und genießen. 1830 wurde die Gemäldegalerie im „Königlichen Museum“ am Lustgarten, dem heutigen Alten Museum eröffnet. Den Grundstein für die Sammlung bildeten die Schätze des Großen Kurfürsten (1620 – 1688) und Friedrich dem Großen (1712 – 1786).

Den internationalen Ruf verdankt die Sammlung Wilhelm von Bode, der Direktor der Galerie von 1890 bis 1929 war. Eine fast vollständige Übersicht über die europäische Malerei konnte durch seine Kennerschaft und sein großes Engagement und bedeutenden Erwerbungen erreicht werden. Nach dem 2. Weltkrieg, der über 400 großformatigen Werken verschlang, gab es durch die Spaltung der Stadt zwei Ausstellunksorte. Durch die neue Gemäldegalerie am Kulturforum, die 1998 eröffnet wurde, konnte die Sammlung wieder in ihrer ursprünglichen Zusammenstellung gezeigt werden, bis, ja bis neue Umzugspläne und neue Zusammenstellungen den Blick wieder schärfen und neue Begegnungen provozieren werden.

 

Alle Ausstellungen und Sonderausstellungen am Kulturforum kann man mit nur einem Ticket besuchen.

 

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