Nord Stream 2: Kiew warnt Berlin vor Abhängigkeit von Russland

Epoch Times28. Dezember 2019 Aktualisiert: 28. Dezember 2019 6:52
"Ihr Deutschen baut jetzt die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, um eure bisher durch die Ukraine verlaufende Gasversorgung unabhängiger zu gestalten. Aber denkt daran: Die Quelle des Gases bleibt Russland", meinte der ukrainische Außenminister.

Die Ukraine hat Deutschland und Frankreich im Streit um den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 vor einer Abhängigkeit von Russland gewarnt.

„Ihr Deutschen baut jetzt die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, um eure bisher durch die Ukraine verlaufende Gasversorgung unabhängiger zu gestalten. Aber denkt daran: Die Quelle des Gases bleibt Russland“, sagte der ukrainische Außenminister Wadim Prystaiko den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND – Samstagsausgaben).

Sollten die Russen mal kein Gas mehr liefern wollen, wären die Ostsee-Leitungen sofort leer“, erklärte Prystaiko.

„Wir in der Ukraine hätten dann immerhin noch volle Gasspeicher. Und wir garantieren Gaslieferungen über unsere Pipelines“, fügte er hinzu.

Prystaiko: Macrons neuer Ansatz zu Russland ist „ein bisschen naiv“

Zur Ankündigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Europas strategisches Verhältnis zu Russland „überdenken“ zu wollen, sagte Prystaiko: „Macrons Ansatz ist ein bisschen naiv. Sollten die Franzosen unseren Rat erbeten, sagen wir ihnen: Das funktioniert nicht.“

Auch sei es von Macron „nicht hilfreich“ gewesen, die NATO für hirntot zu erklären – „jedenfalls nicht, solange die Franzosen keine Alternative vorzeigen können“, sagte Prystaiko.

Fertigstellung der Pipeline verzögert sich

Russlands Energieminister Alexander Nowak sagte am Freitag die Fertigstellung der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2 bis Ende 2020 zu. Ursprünglich war die Fertigstellung für Anfang 2020 geplant, die Inbetriebnahme sollte wenige Monate später erfolgen.

Wegen der US-Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump vergangene Woche in Kraft gesetzt hatte, werden jedoch Verzögerungen erwartet.

US-Sanktionen haben Befürworter und Kritiker

Die Pipeline sorgt schon seit geraumer Zeit für Zwist zwischen Washington und Berlin. Die Bundesregierung kritisierte die US-Sanktionen als „schweren Eingriff“ in innere Angelegenheiten. Washington argumentiert dagegen, das vom Gazprom-Konzern angeführte Projekt vergrößere den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Einfluss Russlands in Europa.

Das Projekt stößt aber auch in Teilen Europas auf Kritik. Befürchtet wird vor allem eine Schwächung alternativer Pipelines und traditioneller Transitländer, etwa der Ukraine.

Befürworter der Pipeline argumentieren hingegen, diese erhöhe die Energiesicherheit und sorge für günstige Energiepreise – auch im Vergleich zum teureren Flüssiggas aus den USA. (afp/dts)

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