Nach Brand: Notre-Dame bleibt noch für Jahre geschlossen

Epoch Times14. Oktober 2019 Aktualisiert: 14. Oktober 2019 10:14

Sechs Monate nach dem Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame vom 15. April sind noch viele Fragen rund um den Wiederaufbau offen. Weder ist die Stabilität der gotischen Kirche vollständig gesichert, noch ist klar, in welcher Form sie restauriert werden soll. Klar ist nur: Für Besucher wird das mehr als 850 Jahre alte Gotteshaus noch jahrelang geschlossen bleiben.

Sicherungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen

Die Arbeiten zur Absicherung der Kathedrale sind noch im vollen Gang. Zwar konnte die Feuerwehr die Grundmauern und die mächtigen Glockentürme retten, aber die Hauptgefahr ist noch immer nicht gebannt: Das Gewölbe der Kathedrale könnte nach Angaben von Chefarchitekt Philippe Villeneuve nachgeben.

Auf dem Gewölbe lastet ein 500 Tonnen schweres Baugerüst, das durch das Feuer teilweise eingeschmolzen ist. Das Eisengerüst auf dem Dach von Notre-Dame war für Arbeiten an dem Spitzturm angebracht – der Turm stürzte bei dem Brand jedoch ebenso ein wie große Teile des Bleidachs, dadurch haben sich u. a. die Sicherungsarbeiten verzögert.

Sie dürften erst im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen sein. Anschließend ziehen die Architekten Bilanz. Mit dem eigentlichen Wiederaufbau ist nicht vor 2021 zu rechnen.

Aussehen des wiederaufzubauenden Turms noch unklar

In welcher Form genau Notre-Dame wieder aufgebaut werden soll ist auch noch unklar. Zwei Lager stehen sich gegenüber: Traditionalisten gegen Modernisierer. Chefarchitekt Villeneuve schlägt vor, den eingestürzten Spitzturm identisch wieder aufzubauen – nach dem Vorbild des mehr als 90 Meter hohen Turms, den der Architekt Eugène Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert auf die Kathedrale setzte.

Präsident Emmanuel Macron wünscht sich einen „kreativen Wiederaufbau“. Von internationalen Architektenbüros gibt es bereits zahlreiche Vorschläge. Der durch die Berliner Reichstagskuppel bekannte britische Architekt Norman Foster schlägt einen Glasturm vor.

Andere Ideen reichen von einer Konstruktion aus feuerfestem Metall bis hin zu einem Turm in Form einer „ständigen Flamme“ als Erinnerung an den Brand. Eine Mehrheit der Franzosen lehnt einen Wiederaufbau in moderner Form laut einer Umfrage allerdings ab.

Spendensumme von 617 Millionen Euro steht zur Verfügung

Die drei vom Staat eingesetzten Stiftungen haben nach eigenen Angaben Spendenzusagen in Höhe von rund 617 Millionen Euro erhalten. Die größten stammen von den französischen Millionärsfamilien Arnault und Pinault. Sie haben Zahlungsvereinbarungen in Höhe von 200 und 100 Millionen Euro unterzeichnet. Aber auch zahlreiche Privatleute in mehr als 150 Ländern haben gespendet.

Zu den Kosten des Wiederaufbaus gibt es noch keine verlässlichen Schätzungen. Das Ausmaß der Arbeiten dürfte frühestens im kommenden Jahr feststehen. Allein die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen haben sich mit rund 85 Millionen Euro gegenüber der ersten Schätzung nahezu verdreifacht. Dies liegt vor allem an den Reinigungsarbeiten im Umkreis der Kathedrale, wo infolge des Brandes eine hohe Bleibelastung festgestellt wurde.

 

Bei dem Brand schmolzen hunderte Tonnen hochgiftiges Blei vor allem aus dem Dach der Kathedrale. Eine hohe Bleibelastung wurde unter anderem an Schulen und Kinderkrippen festgestellt, einige Einrichtungen blieben vorübergehend geschlossen. Nach Blutuntersuchungen bei 750 Kindern gaben die Behörden inzwischen vorläufige Entwarnung. Umweltverbände bleiben skeptisch.

Präsident Macron hat eine Wiedereröffnung bis zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 versprochen. Viele Experten halten dies aber für unrealistisch. (afp)

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