Ö-Wahl: „Sehr fragwürdige Dinge passieren“ – FPÖ-Chef Strache wittert ORF-Manipulation

Epoch Times23. Mai 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 1:37
Warum verwendet der ORF nicht die offiziellen Zahlen des Bundesinnenministeriums zur Stimmenauszählung bei der Präsidentenwahl? Wieder ist es der österreichische Staatssender ORF, dem eine Manipulation des Wählers im Zuge der extrem engen Bundespräsidentenwahl im Land vorgeworfen wird. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wunderte sich über unterschiedliche Zahlen von ORF und dem BMI.

Nachdem FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl am Samstag zur Wachsamkeit aufrief, immer wieder auftretende "Ungereimtheiten" bei der Briefwahl dafür nannte und den die extrem angestiegene und ungewöhnlich hohe Anforderung von Briefwahlkarten beunruhigte, hat sich nun auch FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache zu möglichen Manipulationsversuchen gemeldet.

Strache warf dem öffentlich-rechtlichem Sender vor, die offiziellen Zahlen des Bundesinnenministeriums zur Stimmenauszählung nicht berücksichtigt zu haben.

"Was schon interessant ist: Ich kenne die offiziellen Zahlen des Innenministeriums, und die sehen völlig anders aus, als der ORF sie präsentiert. Dort liegen wir bei 53,1 Prozent", zitiert der "Spiegel" den Bundesvorsitzenden der Freiheitlichen.

FPÖ-Chef Strache nach der ersten Hochrechnung am Sonntag gegen 17 Uhr

"Nur" unterschiedliche Methodik der Stimmenauszählung?

Den Zahlen des ORF zufolge stehe es mittlerweile 50/50, so "Spiegel Online". Hingegen zeigen die Zahlen des Innenministeriums einen fast 4-Prozent-Vorsprung Hofers (51,9 Prozent) gegenüber seinem Gegenkandidaten Van der Bellen (48,1 Prozent).

Während das Ministerium sich beim "vorläufigen Endergebnis" auf seiner Webseite an die tatsächlich ausgezählten Stimmen hält und jegliche Spekulationen über die Verteilung der ohnehin noch nicht ausgezählten Briefwahlstimmen unterlässt, bediente sich der ORF in den TV-Hochrechnungen der Wahlforschungsinstitute SORA und ISA.

Dabei wies der Sender zwar auf die Fehlertoleranz solcher Hochrechnungen hin, rechnete aber schon vorab die noch nicht ausgezählten Briefwahlstimmen in der ORF-Hochrechnung dazu. Der Sender bestätigte auch die Verwendung der SORA-Prognose, die als Berechnungsmodell die Daten des ersten Wahlgangs benutzte. 

Derzeit liegt Hofer mit 144.006 Stimmen vorn und die Auszählung der rund 700.000 Briefwahlstimmen am heutigen Montag wird die letztendliche Entscheidung bringen, die laut "ORF", von "ein paar hundert Stimmen" abhängen könnte.

Und genau diese spekulativen "Einschätzungen" führten zum Ungleichgewicht zwischen den ORF- und den BMI-Zahlen und letztendlich zu den Manipulationsvorwürfen.

"So ergibt sich die letzte Hochrechnung der ORF-Zahlen aus den tatsächlich ausgezählten Stimmen sowie aus einer Prognose der wichtigen Briefwählerstimmen. Die bis zu 800.000 Briefwählerkuverts werden noch ausgezählt. Eine Schätzung wird in der ORF-Hochrechnung aber bereits berücksichtigt", erklärt das Magazin die Vorgehensweise des ORF im Detail.

Wunschdenken, Meinungsmache, Manipulation?

Vorläufiges Endergebnis ohne BriefwahlstimmenVorläufiges Endergebnis ohne BriefwahlstimmenFoto: Screenshot/Bundesministerium für Inneres

Für den "Spiegel" kein Problem und schon gar nicht Manipulation. Demnach käme der Unterschied also lediglich durch die Verwendung unterschiedlicher Methoden bei der Stimmenhochrechnung zustande und "auch die Zahlen des Innenministeriums, die Kandidat Hofer im Gegensatz zu den ORF-Daten immer leicht vorne sahen, waren für jedermann im Internet abrufbar."

Hierbei könnte man sich allerdings fragen, ob die Webseite des Innenministeriums die gleiche öffentliche Wahrnehmung erfährt, wie der ORF 2 mit seiner Reportage zum Wahlabend von 16.45 Uhr bis 22.45 Uhr. 

Allerdings hatte dies keinen Einfluss mehr auf die eigentliche Stimmabgabe in den Wahllokalen, die zwischen 7 und 9 Uhr öffneten und spätestens um 16 Uhr schlossen. In manchen Regionen waren die Urnen sogar nur für zwei Stunden, von 8 bis 10 Uhr geöffnet.

Fazit: Beide verwendete Auszählungsverfahren (BMI und ORF) sind rechtlich korrekt. Allerdings: Während das Innenministerium sich an die Tatsachen der ausgezählten Stimmen hält und keinerlei Spekulationen bei seinen Zahlen verwendet, nutzt der staatliche Gebührensender ORF den (legitimen) Weg der zusätzlichen Verwendung spekulativer Werte.

Deshalb kam der ORF in seiner "Letzten Hochrechnung inkl. Briefwahlprognose" zu einem Fifty-Fifty-Ergebnis bei einer "Schwankungsbreite von +/- 0,7 %" und einem "Auszählungsgrad von 100 %". Die Frage nach dem "Warum" bleibt das Geheimnis der Entscheider beim Sender, vielleicht, und das ist auch genauso spekulativ, wie eben auch die Prognose der Briefwahlstimmen, handelt es sich um reines Wunschdenken oder aber um die Verwendung der "spannendsten" Zahl

FPÖ-Chef Strache jedenfalls war dennoch vom Wahl-Ergebnis begeistert und sprach von einem Tag der großen Dankbarkeit und Freude. "Für mich persönlich ist es der bewegendste, ergreifendste und schönste Moment, den ich bis dato in meiner politischen Laufbahn erleben durfte", zitiert der ORF den Bundesparteiobmann, der im hohen Stimmanteil für Hofer einen "Sieg für die Demokratie" sieht, der das "verkrustete System" in Österreich aufgebrochen habe, berichtet der "Spiegel". (sm)

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