Österreichs ältester Holocaust-Überlebender Marko Feingold 106-jährig gestorben

Epoch Times20. September 2019 Aktualisiert: 20. September 2019 18:05
Österreichs ältester Holocaust-Überleber Marko Feingold ist im Alter von 106 Jahren gestorben. Er hatte vier NS-Konzentrationslager überlebt und bis zuletzt als Zeitzeuge von den Gräueln der Nazis berichtet.

Marko Feingold überstand vier NS-Konzentrationslager und sah es auch mit 106 Jahren als seine Aufgabe an, den jüngeren Generationen von den Nazi-Gräueln zu berichten: Nun ist Österreichs ältester Holocaust-Überlebender gestorben, wie die Israelitische Kultusgemeinde in Wien am Freitag mitteilte. Laut einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA erlag er am Donnerstag in Salzburg einer Lungenentzündung.

Ungeachtet seines hohen Alters trat Feingold bis zuletzt auf Konferenzen und in Schulen als Zeitzeuge der Judenvernichtung auf. „Ich muss insgesamt vor rund einer halben Million Menschen gesprochen haben“, sagte er im vergangenen Jahr der Nachrichtenagentur AFP.

Feingold wurde im Mai 1913 in der heutigen Slowakei geboren und wuchs in Wien auf. Nach Beginn der Judenverfolgung wurde er in Prag festgenommen und 1940 nach Auschwitz gebracht. „Sie sagten mir, dass ich nur noch drei Monate zu leben habe“, berichtete er AFP. Tatsächlich sei er nach zweieinhalb Monaten zu Tode erschöpft gewesen. Gerettet habe ihn damals seine Überstellung in das Hamburger KZ Neuengamme.

Feingold war der einzige Überlebende seiner Familie

Noch in Auschwitz habe er sich geschworen, am Leben zu bleiben und eines Tages seine Geschichte zu erzählen, sagte Feingold. Nach Neuengamme kam er in das KZ Dachau bei München und dann nach Buchenwald bei Weimar. Dank seiner Maurer-Kenntnisse überlebte er bis zur Befreiung Buchenwalds durch US-Truppen – als einziger seiner Familie.

Auf dem Rückweg nach Wien wurden er und weitere KZ-Überlebende in der sowjetischen Besatzungszone aufgehalten. Ein Soldat habe ihnen damals mitgeteilt, dass der neue Kanzler Karl Renner keine Juden zurücknehmen wolle, berichtete Feingold. Schließlich habe er sich in Salzburg in der US-Besatzungszone niedergelassen, wo er ein Netzwerk gründete, das die Emigration von 100.000 Juden über Italien nach Palästina ermöglichte.

„Wer aus den Lagern kam, musste ein Krimineller gewesen sein“

Trotz des nach wie vor grassierenden Antisemitismus‘ in seiner Heimat wollte Feingold selbst nicht auswandern. Doch war es für ihn zunächst unmöglich, Arbeit zu finden. „Wer aus den Lagern kam, musste ein Krimineller gewesen sein“, beschrieb er die damalige Auffassung seiner Landsleute. Daraufhin gründete er ein eigenes Bekleidungsgeschäft.

Lange Zeit stellte sich Österreich als Opfer des Dritten Reichs dar und weigerte sich, über seine Verwicklung in die NS-Verbrechen zu reflektieren. Erst in den 90er Jahren änderte sich die Haltung. Seitdem wurde Feingold nach eigenen Worten „mit Ehrungen überhäuft“. Unter anderem wurde er im vergangenen Jahr vom damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz und dessen damaligen Stellvertreter Heinz-Christian Strache von der FPÖ empfangen. (afp/so)

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