Offener Brief von türkischer Gemeinde: “Dutzende Familien wollen Österreich verlassen”

Epoch Times24. August 2016 Aktualisiert: 24. August 2016 11:26
In Vorarlberg hat sich ein Teil der türkischen Gemeinde in einem offenen Brief kritisch zur Integrations- und Außenminister Sebastian Kurz geäußert. Im Schreiben an den ÖVP-Landeshauptmann prangert die türkisch-dominierte Arbeiterkammerfraktion "Neue Bewegung für die Zukunft" (NBZ) ein zunehmend feindliches Klima in Österreich an.

„Dutzende Arbeiter wären bereit, Österreich mitsamt ihren Familien zu verlassen“ – allerdings nicht ohne finanziellen Zuschuss …, heißt es im Offenen Brief an ÖVP-Landeshauptmann Markus Wallner, berichtet die „Krone-Zeitung“. Das Vertrauen und das Zugehörigkeitsgefühl von Menschen, die seit einer geraumen Zeit in Österreich lebten, aber immer noch im ursprünglichen Heimatland […] verwurzelt seien, habe rapide abgenommen. Nicht nur wird fehlende Empathie beklagt – vielmehr seien die Aussagen von Kurz „an Feindseligkeit der Türkei und ihrer Demokratie (gegenüber, Anm.) […] kaum zu übertreffen“, heißt es in dem auf Facebook veröffentlichten Brief.

Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass würden angefacht, „Menschen, die ihren Lebtag in Österreich arbeiteten, würden verbal wie auch tätlich angegriffen und erniedrigt“, so die NBZ. Dutzende Arbeiter seien deswegen dazu bereit, mitsamt ihren Familien Österreich zu verlassen. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, ihnen “die bisher einbezahlten Sozialleistungen wie auch die Beiträge in die Pensionskasse” auszuhändigen.

Brief spiegelt Meinung von Hunderten wieder

Wie der Obmann des NBZ Adnan Dincer gegenüber der APA erklärte, sei der Brief auf einstimmigen Beschluss des Vorstands verfasst und publiziert worden. Zuvor hätten sich Hunderte türkischstämmige Migranten aus ganz Österreich an die NBZ größtenteils per E-Mail gewandt. Aktuell verfügt die NBZ über vier Sitze in der Vollversammlung der Arbeiterkammer Vorarlberg.

FPÖ fordert sofortige Verhandlungen

Landeshauptmann Wallner (ÖVP) und Außenminister Kurz (ÖVP) seien aufgefordert, das Angebot der türkischen Community ernst zu nehmen, so FPÖ-Landesparteiobmann Reinhard Bösch. Man solle unverzüglich in Verhandlungen treten, so Bösch in einer Pressemitteilung. Die Verleihung von Staatsbürgerschaften sei in Zukunft restriktiver zu handhaben, so Bösch. Jene, die trotz Staatsbürgerschaftswechsel „unseren Staat und unsere Gesellschaft offensichtlich ablehnen“, sei die Staatsbürgerschaft wieder zu entziehen.

Grünen-Klubobmann Adi Gross, der im Schreiben eine unbedingte Gefolgschaftstreue gegenüber Präsident Recep Tayyip Erdogan ausmacht, ist davon überzeugt, “dass ein großer Teil unserer türkischstämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger keineswegs diese Haltung vertritt.”

Sowohl die türkische als auch die österreichische Regierung würden auf nationalistische Ressentiments setzen, so Gross. Dies sei destruktiv und schaukele sich hoch. Er rufe beide Seiten zu einer Abrüstung der Worte auf. Gross möchte eine Rückkehr zu zivilisierten zwischenstaatlichen Gepflogenheiten. (dk)

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