Polnischer Brummi-Fahrer zu neuen EU-Regeln: „Gut kalkulierte Strategien, um Unternehmen zu ersticken“

Epoch Times10. Juli 2020 Aktualisiert: 10. Juli 2020 11:41
Das EU-Parlament hat am Mittwoch (8.7.) trotz massiven Widerstands aus Osteuropa härtere Regeln für Lkw-Fahrer durchgesetzt. Auch Fernfahrer sehen die neuen Regeln skeptisch.

Insbesondere Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten haben auf eine Änderung der Regeln für Fernfahrer gedrängt, berichtet „Auto-Motor-Sport“. Man wolle damit Lohndumping osteuropäischer Speditionen einen Riegel vorschieben.

Harsche Kritik kam aus Polen, Bulgarien, Rumänien und weiteren osteuropäischen Ländern. Sie werfen den westlichen Ländern Protektionismus vor. Änderungsanträge fanden jedoch nicht die erforderliche Mehrheit.

Der rumänische Verband der Spediteure beklagte, die Regeln würden ihre Industrie „begraben“. Kombiniert mit den Folgen der Corona-Krise sei damit zu rechnen, dass ein Drittel der Unternehmen der Branche pleite gehen werde.

Fernfahrer erkennt kalkulierte Strategie

Auch Fernfahrer sehen diese Änderungen skeptisch, vor allem Fahrer aus osteuropäischen Ländern. Sie sehen darin eine Strategie, kleinere Unternehmen zu Fall zu bringen.

„Diejenigen, die diese Veränderungen herbeiführen und Entscheidungen treffen, sollten keine Politiker sein, die nichts über das Leben von Fernfahrern wissen, insbesondere in osteuropäischen Ländern“, erklärt der polnische Fernfahrer Roman K. gegenüber Epoch Times.

Für polnische Fahrer seien diese europäischen Langstreckenfahrten die besten Jobs und auch das Einkommen sei besser als die Arbeit vor Ort. „Wir lassen uns so oft von geschickten politischen Entscheidungen täuschen, während sie in Wirklichkeit gut kalkulierte Strategien sind, um kleine Unternehmen zu schwächen und zu ersticken, so wie wir es in den letzten Monaten gesehen haben“, erklärt der Fernfahrer.

Fahrtenschreiber auch für 2,5-Tonnen-Lkw

Außerdem sehen die neuen Vorschriften vor, dass Lastwagen alle acht Wochen zum Betriebszentrum des Unternehmens zurückkehren müssen. Unter die EU-Vorschriften für Verkehrsunternehmen fällt laut „Auto-Motor-Sport“ künftig auch der Einsatz von leichten Nutzfahrzeugen über 2,5 t, die dann ebenfalls mit einem Fahrtenschreiber ausgestattet sein müssen.

Das neue Gesetz soll in wenigen Wochen nach Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft treten. Die Entsende-Vorschriften haben eine Übergangszeit von 18 Monaten, ebenso die Rückkehr-Vorschrift der Lkw. Die Rückkehr der Fahrer ist erstmals 20 Tage nach Inkrafttreten des Gesetzes notwendig.

Allerdings befürchtet die Branche auch, dass es durch vermehrte Leerfahrten zu höheren Umweltbelastungen kommt. Das will die EU-Kommission noch prüfen und das Gesetz möglicherweise anpassen. (nmc)

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