Polnischer Politologe: Deutsche liegen „in wichtigen politischen Fragen immer noch sehr falsch“

Von 29. Oktober 2019 Aktualisiert: 29. Oktober 2019 18:33
Der an der Universität Regensburg lehrende Politikwissenschaftler Jerzy Maćkow hat in einem Interview mit der polnischen Presseagentur PAP erklärt, deutsche Journalisten schrieben über Polen mit viel Meinung, aber wenig tatsächlicher Ahnung.

Der an der Universität Regensburg lehrende Politikwissenschaftler Jerzy Maćkow hat in einem Interview mit der polnischen Presseagentur PAP die Berichterstattung deutscher Medien über Vorgänge im östlichen Nachbarland kritisiert. Dies berichtet der deutschsprachige Dienst des staatlichen polnischen Auslandsrundfunks „Polskie Radio“.

In Deutschland sei ein genereller Mangel an grundlegenden Kenntnissen über Polen zu verzeichnen, diagnostizierte Maćkow – und ganz besonders zeige sich dies, wenn man die Berichterstattung der Medien verfolge. Die Kommentare zu den Parlamentswahlen, die jüngst in Polen stattgefunden hatten, illustrierten dies ganz deutlich. Maćkow zufolge ließen diese erkennen, dass gerade formal gebildete Deutsche ein veraltetes und mit den Realitäten nicht konformgehendes Bild vom östlichen Nachbarn hätten.

Vorurteile deutscher Medien nicht auf Polen beschränkt

So werde Polen in Deutschland oftmals als ein „rückständiges und unbedeutendes Land in Europa“ betrachtet. Viele seiner deutschen Studenten wüssten beispielsweise nicht einmal, dass Polen die siebtgrößte Volkswirtschaft der EU ist. Dazu kämen historisch geprägte Stereotypen und Fehleinschätzungen über das Nachbarland. Allerdings sei Polen nicht das einzige Land, auf welches dies zutreffe – Vorurteile deutscher Medien seien nicht nur auf Polen beschränkt, sondern bezögen sich auf ganz Mittel- und Osteuropa.

Vor allem gäbe es, so Maćkow, in Deutschland keine guten Journalisten, die über Polen schreiben, weil diese ihre Beiträge zu stark politisierten, anstatt zu verstehen, was in Polen wirklich passiere. Offenbar gehe es ihnen eher darum, die deutsche öffentliche Meinung nach ihren politischen Vorstellungen zu lenken, als deutschsprachigen Lesern tatsächlich die Möglichkeit zu geben, sich anhand von Fakten eine eigene Meinung zu bilden.

Beispiele für verzerrte Berichterstattung deutscher Medien über Vorgänge in Polen lassen sich auch in jüngerer Zeit zu Hauf finden. So behaupteten Portale wie „Spiegel online“ kürzlich im Zusammenhang mit einem Gesetzesentwurf der regierenden PiS gegen Pädophilie, Polens Regierung wolle Lehrer für das Erteilen schulischer Sexualkunde für mehrere Jahre ins Gefängnis sperren. Tatsächlich soll nur jedermann untersagt werden, Kinder unter 15 Jahren dazu zu ermuntern, den Geschlechtsverkehr oder andere sexuelle Aktivitäten auszuüben.

Versäumnisse der 1990er Jahre

Auch im Zusammenhang mit der geplanten Justizreform wird regelmäßig in einseitiger Weise der Narrativ gepflegt, die regierende konservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) wolle „unbequeme Staatsanwälte und Richter entlassen“. Das eigentliche Anliegen der Reform, alte Seilschaften aus der kommunistischen Ära im Staatsapparat in die Schranken zu weisen, die vor allem in der Zeit der Linksregierungen unter Aleksander Kwaśniewski unbehelligt weiterwirken konnten und den demokratischen Staat unterminierten, bleibt regelmäßig unerwähnt.

Vor knapp einem Jahr konfrontierte ein Journalist des „Tagesspiegel“ in einer Pressekonferenz am Rande des 19. Deutsch-Polnischen Forums in Berlin den polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Gegenwart des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit einer nachweislichen Falschdarstellung über eine aktuelle Frage zur Berichterstattung staatlicher Medien in Polen. Duda antwortete darauf mit einem Verweis auf Defizite der Medienberichterstattung in Deutschland und äußerte dabei: „Wenn in Polen Frauen vergewaltigt werden, informieren unsere Medien sofort darüber.“

Jerzy Maćkow erklärte, es habe zu den größten Fehlern der polnischen Politik gegenüber Deutschland nach 1989 gehört, dass Warschau kein ehrliches Gespräch mit Berlin über die Politik des einstigen West-Deutschlands gegenüber der Streikbewegung „Solidarność“ oder Polen zur Zeit des Kommunismus geführt habe.

Ein solches Gespräch in den frühen neunziger Jahren, so das Fazit des Professors an der Universität in Regensburg, hätte es Deutschland ermöglicht, zu verstehen, dass „die Deutschen in wichtigen politischen Fragen immer noch sehr falsch liegen“.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN