Schweiz: Schulleitung streicht aus „Rücksichtnahme“ drei Weihnachtslieder für Adventsfeier

Von 26. November 2019 Aktualisiert: 26. November 2019 17:47
Damit sich „alle Kulturen angesprochen fühlen können“, streicht die Leitung einer Schule in Wil drei Weihnachtslieder aus dem Repertoire für die Adventsfeier. Islamverbände kritisieren die Entscheidung – aus dem Lehrerverband heißt es lediglich: „Die Zeiten ändern sich.“

Aus „Rücksicht gegenüber anderen Kulturen und Religionen“ sollen drei Weihnachtslieder, die bislang zum Repertoire der alljährlichen Adventsfeier im Schulhaus Matt der Gemeinde Wil, Kanton St. Gallen, gehört hatten, ab sofort nicht mehr gesungen werden. Diese Anordnung ist, wie „20min.ch“ berichtet, einer E-Mail zu entnehmen, die an alle Lehrer des Schulhauses erging.

In der Schule, die seit August 2018 unter der Leitung von Tobias Mattes steht, soll am 20. Dezember die Feier stattfinden. Dann allerdings ohne den aus dem 19. Jahrhundert stammenden, bekannten Kanon „Fröhliche Weihnacht überall“, das ebenfalls in das 19. Jahrhundert zurückreichende afro-amerikanische Spiritual „Go Tell It on the Mountain“ und das modernere Dialekt-Kinderlied „S grööschte Gschänk“. In allen drei Liedern wird die Geburt Jesu erwähnt.

„Stille Nacht“ bleibt noch erhalten

„Auch weitere Beiträge für die Weihnachtsfeier müssen so gestaltet sein, dass sich alle Kulturen angesprochen fühlen können“, wird zudem in dem Rundschreiben gemahnt.

Einem Insider zufolge, mit dem das Portal sprach, soll in den vergangenen beiden Jahren jeweils ein Vater Anstoß an der Liederauswahl genommen haben – in einem Fall sei darauf hingewiesen worden, dass sich mehr Muslime als Christen im Raum befänden, im Vorjahr hatte ein nichtmuslimischer Vater die Lieder beanstandet. Die Schulleitung habe die nunmehrige Anordnung ohne Rücksprache mit dem Lehrerkollegium getroffen. Offenbar wollte „der neue Schulleiter sich mit dem Liederkanon für die Feier nicht noch einmal aufs Glatteis begeben“, so der Insider.

Der Leiter der Abteilung „Bildung“ der Stadt Wil soll hingegen mit einbezogen worden sein. Schulleiter Mattes erklärte gegenüber 20min.ch, die Feier werde „im Team geplant“. Man habe darauf geachtet, „traditionelle wie auch neue Lieder für die Kinder auszuwählen“. Immerhin sei „Stille Nacht“ weiterhin im Repertoire.

Präsident des Dachverbands islamischer Organisationen geht auf Distanz

Der Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, Farhad Afshar, distanziert sich von der Maßnahme, die angeblich vor allem aus Rücksicht auf Muslime getroffen worden sein soll:

Aus unserer Sicht ist es sehr bedauerlich, wenn in einem christlichen Land keine christlichen Lieder mehr gesungen werden.“

Muslime hätten gegen die Pflege christlicher Bräuche auch an Schulen nichts einzuwenden, betont Afshar. Wo dies in Einzelfällen der Fall sei, könne man von salafistischen Einflüssen ausgehen. Der Entscheid der Schulleitung, so Afshar, zeuge von Unkenntnis über den Islam. Vielerorts in der islamischen Welt würden die Muslime mit den Christen feiern und etwa ihre Geschäfte schmücken.

Es wäre nicht das erste Mal im deutschen Sprachraum, dass vermeintliche „interkulturelle Rücksichtnahme“, insbesondere auf Muslime, zum Vorwand genommen würde, um christliches Brauchtum aus dem öffentlichen Raum zu verbannen.

Muslime von linken Ideologen instrumentalisiert?

Ähnliche Debatten waren vielerorts auch schon im Zusammenhang mit dem Martinsfest oder Ostern aufgekommen. In den meisten Fällen hatte es keine tatsächlichen Beschwerden von Muslimen gegeben, sondern die Initiative gegen das christliche Brauchtum war von autochthonen Kräften ausgegangen, die der radikalen Linken zuzurechnen sind. Muslimische Verbände erklärten daraufhin, sich instrumentalisiert und bevormundet zu fühlen. 

Zuspruch für die Maßnahme in Wil kommt unter anderem von der Präsidentin des Schweizer Lehrerverbandes LCH, Dagmar Rösler – die sich auch schon in bewundernder Weise über die „Klimastreiks“ und deren Initiatorin Greta Thunberg geäußert hatte. 

Sie erklärt gegenüber 20min.ch, sie könne „die Reaktion nachvollziehen – die Zeiten ändern sich“. Allerdings schränkt sie ein, dass man „wegen einer negativen Rückmeldung eines Vaters allein […] aber auch nicht alles infrage stellen“ sollte. Auch ihrer Erfahrung nach kämen kaum Beschwerden muslimischer Eltern über das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern:

Reklamationen kommen nach meiner Erfahrung eher noch von Angehörigen der Zeugen Jehovas oder der Mormonen.“

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