„Seenotrettung“: Blog wirft ARD Scripted Reality vor – „Panorama“ weist Vorwürfe zurück

Von 16. Juli 2019 Aktualisiert: 16. Juli 2019 15:56
Während der „Odyssee“ der „Sea Watch“ und ihrer Kapitänin Carola Rackete im Mittelmeer bis zur unautorisierten Einfahrt in den Hafen von Lampedusa war die gesamte Zeit über ein Reporterteam des NDR mit an Bord. Dies nährt Argwohn und Spekulationen über eine mögliche abgekartete Aktion. Die ARD bestreitet eine solche.

Wie viel vom modernen Heldenepos der „Sea Watch“ und ihrer Kapitänin Carola Rackete ist authentisch – und wie viel trägt Züge von Scripted Reality? Seit einigen Tagen wird diese Frage in traditionellen wie sozialen Medien kontrovers diskutiert, und mittlerweile gewinnt der Fall auch an politischer Brisanz.

Der Grund: Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen hat auf Twitter einen Artikel des rechtsgerichteten Kommentarblogs „Journalistenwatch“ (Jouwatch) geteilt. Darin führt das Blog mehrere Anhaltspunkte in einem „Panorama“-Beitrag des NDR über die jüngste „Seenotrettungs“-Aktion der NGO auf, die aus seiner Sicht dafür sprechen, dass sowohl die „Rettung“ als auch die anschließende Konfrontation mit italienischen Behörden inszeniert gewesen wären.

Anfängliche Rückendeckung durch Maaßen

Maaßen hielt die Darstellung von Jouwatch offenbar zumindest anfänglich für ausreichend plausibel, um auf seiner Pinnwand darauf aufmerksam zu machen – verbunden mit der Bemerkung:

Sollte dieser Bericht zutreffen, ist Panorama jedenfalls kein Westfernsehen.“

Damit spielte der frühere Verfassungsschutzchef auf eine jüngst von ihm getroffene Aussage an, in welcher er die Schweizer „NZZ“ als „das neue Westfernsehen“ bezeichnet und auf ob des DDR-Vergleiches erboste deutsche Politiker und Journalisten mit den Worten reagiert hatte: „Es gibt zu viele Relotiusse.“

Mittlerweile ist der Tweet von Maaßen nicht mehr verfügbar. In der „Panorama“-Ausgabe vom Freitag (12.7.) auf ARD wurde erwähnt, dass das Reporterteam aus Nadia Kailouli und Jonas Scheijäg die „Sea Watch“ über die gesamte Zeit ihrer medial intensiv begleiteten „Odyssee“ begleitet hatte. Die ARD selbst erklärt:

Am 9. Juni 2019 ist die ‚Sea-Watch 3‘ vom Hafen in Licata (Sizilien) in See gestochen. Unsere Reporter waren von Beginn an dabei und haben das Geschehen auf dem Schiff seitdem jeden Tag bis zur Festnahme von Kapitänin Carola Rackete am frühen Morgen des 29. Juni beobachtet und dokumentiert.“

Embedded Journalism im Mittelmeer?

Jouwatch argwöhnte nun, dies deute auf eine Inszenierung der gesamten Rettungsaktion hin, bis hin zum Anlegen in Lampedusa unter Verletzung italienischer Gesetze und Gefährdung eines Bootes der italienischen Finanzpolizei am Morgen des 29. Juni.

Demnach habe die ARD ihr Reporterteam als „Embedded-Reporter“ geschickt, die ähnlich wie Kriegsberichterstatter, die kämpfende Einheiten begleiten, schon infolge der normativen Kraft des Faktischen – nämlich der Abhängigkeit vom Schutz durch die jeweilige Konfliktpartei – gezwungen sind, für diese Partei zu ergreifen.

Dafür sprächen auch Faktoren wie die „Popstar-mäßige“ Inszenierung Rackete, der skurrile Auftritt eines Afrikaners, der seine vermeintliche Sorge zum Auftritt brachte, in Europa „auf Grund seiner Hautfarbe eingesperrt“ zu werden oder die aus Sicht von Jouwatch „einstudiert“ anmutenden Foltergeschichten aus diversen Lagern – obwohl die Männer jung, gesund und absolut nicht traumatisiert gewirkt hätten. Von einer „medizinischen Notlage“, wie Rackete sie unter anderem als Begründung für ihre unautorisierte Einfahrt in Lampedusa angeführt hatte, sei nichts zu bemerken gewesen.

Der für die „Sea-Watch“-Reportage verantwortliche NDR weist die Vorwürfe, die gegen ihn im Zusammenhang mit deren Inhalt gemacht wurden, zurück und spricht von „Falschmeldungen und wilde[n] Spekulationen“. Auch andere Behauptungen, wie sie in sozialen Medien verbreitet werden, seien unzutreffend.

Reporterteam: „Haben Einsatz nicht vorausgesehen“

Das Reporterteam habe einer Rettungsaktion beigewohnt, die auf Grund einer Funk-Information des Suchflugzeugs „Colibri“ eingeleitet worden sei. Dieses habe auch die Daten zum Standort des in Seenot befindlichen Schlauchboots durchgegeben. Dass eine solche Rettungsaktion notwendig werden würde, habe weder das „Sea Watch“-Team noch das Reporterduo voraussehen können.

Dass Webseiten wie „Vesselfinder“ den libyschen Standort Bouri für das „Sea Watch“-Boot ausgewiesen hätten, sei Konsequenz einer Funkwellenerfassung. Es handele sich – anders als vielfach dargestellt werde – dabei nicht um einen Hafen, in dem man gelandet sei, sondern um eine Bohrinsel im Mittelmeer, die man passiert habe. Diese sei nicht angelaufen worden und die Migranten seien auch dort nicht an Bord gegangen. Nicht erörtert wird, ob ein Anlaufen der Bohrinsel die „Seenot“ beenden hätte können – immerhin hätten die Aufgegriffenen von dort aus in sicheren Booten auf das 120 Kilometer entfernte Festland transportiert werden können.

Auch sei es schon länger bekannt gewesen, dass sich ein deutsches Kamerateam an Bord der „Sea Watch“ befunden hätte. Immerhin habe dieses auch bereits für Sendungen von ARD und NDR aus dem Mittelmeer berichtet. Die ARD zeigte sich höchst ungehalten darüber, dass auch Maaßen sich an den „Spekulationen“ beteilige und entsprechende Links geteilt habe.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN