2011 erhielt Boualem Sansal den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2015 landete er mit seinem bedrückend aktuellen Zukunftsroman "2084. Das Ende der Welt" einen Bestseller, der bisher allein in Frankreich 300.000 verkauft wurde. Angelehnt an Orwells "1984", geht es in Sansals Roman um eine islamische Diktatur. Für das Buch erhielt er von der Académie française den Grand Prix du Roman verliehen.Foto: Screenshot/Youtube

„Sie wollen die Gesellschaft spalten!“ – Bestsellerautor warnt vor Islamisten-Strategie

Epoch Times31. Mai 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 1:22
Boualem Sansal, selbst in einem islamischen Land aufgewachsen, mag den Islam nicht, glaubt auch nicht an ihn. Der Schriftsteller hält ihn für eine große Gefahr für Europa. Ziel der Islamisten sei es, Europas Gesellschaft zu spalten, damit sie sich selbst zerstöre. Sein Roman "2084. Das Ende der Welt" berichtet in düsteren Farben von einer muslimischen Glaubensdiktatur.

Noch nie sei er wegen eines Buches so lange unterwegs gewesen, er schaffe es kaum noch nach Hause. "2084. Das Ende der Welt" wurde von George Orwells sozialistischer Diktatur in "1984" inspiriert und spielt vor dem Hintergrund einer islamischen Glaubensdiktatur. Der radikale Islam hat die Macht übernommen und alle Erinnerungen an die Zeit davor ausgelöscht.

"Frankreich ist dabei sich zu islamisieren", weiß der algerische Schriftsteller Boualem Sansal und er weiß auch, dass man den Dingen ins Gesicht sehen muss, "ohne sich was vorzumachen."

Doch die Islamisierung sei kein lokales Phänomen und betreffe ganz Europa. "Wir haben alle Angst – auch wenn es nicht alle zugeben wollen", so der wohl bekannteste frankophonische Schriftsteller Afrikas. Doch die Attentate von Paris und Brüssel seien nur der Anfang gewesen, eine Art Weckruf.

Die Angst der Muslime vor den Islamisten

Sansal, der selbst Muslim ist – wenn auch nicht gläubig, so doch in einem muslimischen Land aufgewachsen – erklärte im Interview, dass sich die Menschen im Westen täuschen würden, wenn sie glaubten, dass die Muslime alle Islamisten wären. "Sie haben mehr Angst vor dem Islamismus als die Menschen im Westen."

Auch wenn viele Muslime nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag für die Terroristen noch ein gewisses Verständnis aufbringen konnten: "Die hatten ja schließlich Gotteslästerung betrieben. Sie sagten, es sei nicht rechtens zu töten, aber schaut, was die gemacht haben…", erklärt Boualem Sansal diese Logik, aufgrund derer die Attentate vom Januar 2015 die Menschen nicht wach gerüttelt hätten.

Doch dann kam Paris. 

Islamistische Strategie der Spaltung der Gesellschaft

"Sie haben keine Kaserne attackiert, sondern ein Konzerthaus, weil sie keine klassische Machtübernahme wollen, sondern einen Kampf der Kulturen führen".

Das Bataclan, "das war ein Ort für junge Leute, wie die Bars, das Stadion, Orte, die den Westen ausmachen". 

Die Islamisten wüssten, dass sie den Westen militärisch nicht besiegen können. "Sie können nicht mal die schwachen arabischen Staaten besiegen", erläutert Sansal das Prinzip hinter den Anschlägen. "Also müssen sie den Westen dazu bringen, sich selbst zu zerstören. Sie wollen die Gesellschaft spalten, und sie wissen: Wenn ihnen das gelingt, fällt sie ganz von allein in sich zusammen."

Politisch Korrekte und andere

Deutschland sei hinsichtlich der Aufnahme von einer Million muslimischen Flüchtlingen komplett naiv gewesen und langfristig sei es das Land, das am meisten bedroht sei. Man habe sich in Deutschland lange Zeit eingebildet, von den Problemen nicht betroffen zu sein. "Der Islam, der war in Frankreich, in Großbritannien, aber bei uns doch nicht!"

Der algerische Schriftsteller sagte, dass er den Islam nicht möge, nicht an ihn glaube. Doch er bleibt, auch unter Lebensgefahr, in seiner Heimat: "Ich leiste Widerstand." Sein Buch bekommt man inzwischen auch im Land, anfangs noch unter dem Tisch weitergereicht, inzwischen in den wenigen Buchläden, die es noch gibt.

"Nach der Unabhängigkeit gab es 150 Kinos und 250 Buchläden in Algerien. Heute gibt es kein einziges Kino mehr und vielleicht vier, fünf Buchläden in Algier. Dafür hat sich die Zahl der Moscheen vertausendfacht", erinnert sich der Autor.

Er weiß, dass der Islam eine enorme Gefahr ist, welche "unsere Gesellschaft aufsprengen wird". Doch das dürfe man nicht sagen. Man lade ihn in Europa zwar noch ein, weil man das Bedürfnis habe, auch andere Meinungen zu hören, die "nicht politisch korrekt sind", aber gleichzeitig habe man Angst, dass er Ärger mache. Alles, was den Islam kritisiere, mache Probleme.

"Für das Wort ‚Freiheit‘ wären wir früher ans andere Ende der Welt gegangen." Doch das sei nicht dasselbe wie die spontanen Gefühlsreaktionen nach "Charlie Hebdo". Damals waren Millionen für die Meinungsfreiheit auf die Straße gegangen. Laut Boualem Sansal hätte dies aber keinen Wert außer dem, die Staatschefs in Szene zu setzen.

Erdogans europäisches Kalifat

Und was den türkischen Präsidenten betrifft: "Erdogan benimmt sich wie ein Kalif, die Türken verhalten sich wie Untertanen, und einen Palast hat er auch schon gebaut." Das Osmanische Reich sei das gewalttätigste Kalifat der islamischen Welt gewesen. Sansal glaubt, dass wir derzeit eine Rückkehr dieser Gewalt erleben.

Dieses Kalifat wolle Erdogan wieder aufbauen, doch dies würden die Araber niemals akzeptieren. "Vielleicht stellt er sich vor, sein Reich nach Europa auszudehnen." Aus diesem Grund sei Deutschland am meisten bedroht.

Gibt es noch Hoffnung?

Eine hoffnungslose Lage, wie es scheint. "Wissen Sie, manchmal reicht eine Kleinigkeit, eine Idee, ein Satz, und die Dinge nehmen eine andere Wendung."

In Algerien seien es die Worte des Schriftstellers Tahar Djaout, die wie ein "fantastisches Lauffeuer durchs Land gingen. Den Menschen fiel es wie Schuppen von den Augen." Seine Worte hätten Mut gemacht. Er sagte: "Wenn du redest, stirbst du. Wenn du nicht redest, stirbst du auch. Also sprich und stirb."

Wie "Wikipedia" zusammenfasst, ist der Islam weiterhin Staatsreligion in Algerien und beeinflusst die Menschen in starkem Maße in ihrem täglichen Leben. An allen Schulen wird der Koran unterrichtet und die Scharia gilt als Grundlage des Rechtssystems. Das seit 1984 in Kraft getretene Familienrecht schreibt immer noch die Benachteiligung der Frauen fest.

Für Tahar Djaout gab es keine gute Lösung. Eine Woche nach seinen mutigen Worten wurde er von den Islamisten ermordet. Und Algerien? Das "fantastische Lauffeuer" von 1993 war zu schwach. "Sprich und stirb" brachten auch keine "andere Wendung".

Die Lösung für Europa, für Deutschland, muss eine andere sein, nicht der Tod, sondern das Leben, mit Hoffnung und mit Zukunft. (Quelle: "Die Welt")(sm) 

3sat-"Kulturzeit" über "2084. Das Ende der Welt" [0:00-7:50]

[Leseprobe: "2084. Das Ende der Welt"]

"In Abistan, Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Individuelles Denken ist abgeschafft: eine allgegenwärtige Elite unter Führung von Abi dem Entsandten steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln. Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben." (Merlin-Verlag)


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