Skandal-Lager Traiskirchen: Spendenmüll, Obdachlose & Sanitärkatastrophe südlich von Wien

Epoch Times2. Oktober 2015 Aktualisiert: 2. Oktober 2015 9:04
Viel wird derzeit über Auseinandersetzungen in Flüchtlingsheimen, Undankbarkeit und lautstarken Forderungen von Asyl-Bewerbern berichtet. Durch politische Fehlentscheidungen und starre Bürokratie, aber auch wegen Überforderung der Hilfssysteme kommt es an vielen Orten zu humanitären Katastrophen. Hinzu kommt die organisierte Kriminalität in den Lagern. Viele können die Zustände einfach nicht mehr aushalten...

Die Sachspenden von Privatpersonen für die zahllosen Flüchtlinge und Wirtschaftsmigranten türmen sich ins Unermessliche. Viele der Flüchtlinge, die alles im Krieg verloren haben oder ihr Hab und Gut für die Bezahlung der Schlepper verwendet haben, sind dankbar und froh über jede Kleinigkeit, die ihnen und ihren Familien hilft, gegen Kälte und Hunger anzukommen. Doch auch hier sind die Stärkeren und Organisierten oft zuerst am Zug und picken sich die Rosinen aus dem Kuchen. Für ihre Mitflüchtlinge bleibt der Rest. Wo auf der einen Seite zuviel an Sachspenden ist, fehlt es an anderer Seite manchmal an einfachsten Dingen, denn Flüchtlingshilfe heißt nicht, einfach mal seinen Dachboden zu entrümpeln…

30 Tonnen Spendenmüll allein für Traiskirchen

Das Ausmaß ist größer und erschreckender, als man es sich vorstellen mag. Als Beispiel sei hier das österreichische Flüchtlingslager Traiskirchen, südlich von Wien genannt. Das Lager ist wegen seiner katastrophalen Lage seit Monaten im Gerede und für 1.800 Personen ausgelegt. Anfang August wohnten hier 4.500 Menschen, doch nur 2.300 hatten wirklich ein eigenes Bett. Die Zahl der Obdachlosen auf dem Gelände lag zu dem Zeitpunkt bei mindestens 1.500 Menschen. Sie schliefen auf dem Gelände, in Parks, Gärten, in Bussen oder im Bahnhof…

Hier in Traiskirchen wurden in den letzten Wochen geschätzte 30 Tonnen an Hilfsgütern entsorgt, in den Müll geschmissen. Bundesrat Werner Herbert (FPÖ) ist Bereichssprecher für den Öffentlichen Dienst. Er formulierte es so: "Essenvorräte, Schuhe, Kleider und andere Güter wurden offenbar entweder einfach nicht angenommen oder waren für den Gebrauch oder Verzehr nicht geeignet." Gleichzeitig ist er Bundesobmann der freiheitlichen Polizeigewerkschaft AUF. Er startete eine parlamentarische Anfrage und fordert Aufklärung von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) über die Gesamtlage an weggeworfenen Hilfsgütern in Österreich und die tatsächlichen Kosten für deren Entsorgung, meldete "unzensuriert.at".

Innenministerium erhält Intransparenz-Preis und Amtsgeheimnis Award 2015

Die österreichische Sektion der international tätigen Journalistenvereinigung gegen Zensur und für Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen Österreich" kürte am Montag das österreichische Innenministerium zum "Sieger" für den Intransparenz-Preis 2015. Der Preis trägt den bezeichnenden Namen "Mauer des Schweigens". Das Forum für Informationsfreiheit verlieh am selben Tag seinen gleichnamigen Preis, der den Beinamen Amtsgeheimnis Award 2015 trägt, für "besondere Verdienste um die Verweigerung amtlicher Antworten". Der "Gewinner" ist, Sie werden es vielleicht schon erraten haben, wieder das Innenministerium unter Johanna Mikl-Leitner. Die Preise wurden anlässlich des Internationalen Right to Know Day 2015 am 28. September vergeben.

U.a. hieß es in der Begründung, dass "Flüchtlinge in Erstaufnahmestellen dem Handeln der dort agierenden Behörden und Firmen ausgeliefert sind – dies allein ist schon ein Grund für ein erhöhtes öffentliches Interesse am Zugang zu Informationen über diese Lager. Die (schon durch ihre Position im Lager eingeschränkte) Privatsphäre von Flüchtlingen gegen das Informationsinteresse von JournalistInnen – die ja den Staat kontrollieren sollten – auszuspielen, ist eine transparente Ausrede, um Intransparenz zu ermöglichen.

Kein lustiges Lager-Leben

Als Amnesty International das Lager im August besuchte, war die Leiterin des Teams betroffen, denn trotz der vielen Freiflächen und der großen Zahl an Obdachlosen, wurden keine weiteren Zelte aufgestellt. Viele Frauen verzichteten auf einen Platz in den Häusern, weil sie dadurch von ihren Ehemännern und Kindern getrennt worden wären. Minderjährige Jugendliche sind oft am Ende der Essensschlange zu finden, manchmal geht das Essen schon vorher aus, dann gibt es eben nichts. Doch immerhin, es wurde berichtet, dass das Essen zur Zeit des Amnestybesuchs viel besser war als sonst.

mindestens 1.500 Obdachlose im Lagermindestens 1.500 Obdachlose im LagerFoto: JOE KLAMAR/AFP/Getty Image

Für die für die Menschen notwendigen Identitätskarten musste manchmal stunden-, sogar tagelang angestanden werden, weil es nur einen Drucker gab. Dadurch konnte man leicht die Essensausgabe verpassen. Unfassbar, da werden Tonnen an Sachspenden weggeworfen und hier würden ein paar Drucker ein riesen Problem lösen. Das medizinische Problem im Lager war gewaltig. Für tausende Flüchtlinge mit teils traumatischen Erlebnissen standen nur vier Ärzte und drei Psychologen zur Verfügung und nur für wenige Stunden pro Tag.

Die offenen Duschen von TraiskirchenDie offenen Duschen von TraiskirchenFoto: Screenshot AI

Auch die Sanitärsituation des fast dreifach überbelegten Lagers war einfach menschenunwürdig. Allgemein waren die Anlagen in einem schlechten Zustand, es gab verstopfte Toiletten, kaum Klopapier, die Böden waren benässt. Die Waschräume sind offiziell nach Männern und Frauen getrennt, was aber in der Praxis überhaupt nicht funktioniert. Zwar seien die Duschnischen voneinander getrennt, hätten aber keinen Vorhang und wären zudem zu den Fenstern ausgerichtet. Die Frauen verzichteten oft auf Duschen oder brauchten jemanden zum Wache stehen, berichtete "news.at" weiter.

Traiskirchen Undercover-Video, im Sommer 2015

Inoffizielles Strafpunktesystem und keine Freizeitangebote

Im Amnesty-Bericht wird erwähnt, dass mehrfach Asylbewerber bestätigten, dass es ein inoffizielles Strafpunktesystem gebe. Demnach gebe es Punkte für Streitereien, aber auch für Beschwerden. Ab drei Strafpunkten müsse der Betroffene ein paar Nächte außerhalb der Betreuungsstelle verbringen. Doch die Leitung, von Amnesty darauf angesprochen, wußte von nichts…

Alleinreisende Kinder und Jugendliche seien sich selbst überlassen, was laut Amnesty eine Verletzung der UN-Kinderrechtskonvention darstelle. Diese jungen Migranten hätten kaum Informationen über Ansprechpartner. Es gibt keine Freizeitangebote. Das Schlimmste sei aber die Ungewissheit, wie es weitergehe… (sm)

Hier der Amnesty-Bericht zu Traiskirchen im DOWNLOAD

Foto: JOE KLAMAR/AFP/Getty Images

Doch nicht nur für die Bewohner des Lagers Traiskirchen ist die Situation unerträglich. Auch die Einwohner der 18.000er Stadt, die in unmittelbarer Nähe zum Lager leben, stehen unter enormem Druck: Lärmbelästigung, Sicherheitssorgen, Unverständnis bei den Behörden und politischer Maulkorb…

"Schweigeminute Traiskirchen"

Der Wiener Künstler Raoul Haspel landete mit seiner Single "Schweigeminute Traiskirchen" auf Platz Eins der österreichischen Itunes-Charts und Amazon. Alle Einnahmen gehen direkt an die Flüchtlinge in Traiskirchen. Haspel zahlt sogar den Teil, den die Vertriebsplattformen Amazon und Itunes abzwacken, aus eigener Tasche. Es ist ein stiller "Aufschrei", ein schweigsamer Protest in einer lauten Welt… [siehe Amazon]

https://youtube.com/watch?v=PnReK7Cde3w

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