Skandal um sexistische „LOL-Liga“ erschüttert Frankreich – Opfer gehen an die Öffentlichkeit #leaguedulol

Epoch Times12. Februar 2019 Aktualisiert: 12. Februar 2019 18:13
Die Täter: Journalisten, Blogger und Kommunikationsexperten. Die Opfer: mehrheitlich Frauen. In französischen Medien wie der linken Zeitung "Libération" und der französischen Ausgabe der US-Onlinezeitung "Huffington Post" rollen die Köpfe.

Sticheleien, Mobbing bis hin zu offenen Morddrohungen: Ein Skandal um eine sexistische Facebook-Gruppe namens „LOL-Liga“ erschüttert Frankreich. Die Täter: Journalisten, Blogger und Kommunikationsexperten. Die Opfer: mehrheitlich Frauen. Bei namhaften französischen Medien rollen deshalb Köpfe – unter anderem bei der bekannten linken Zeitung „Libération“ und der französischen Ausgabe der US-Onlinezeitung „Huffington Post“.

In der Facebook-Gruppe namens „Ligue du LOL“ (LOL-Liga) verbreiteten die rund 30 männlichen Mitglieder seit 2009 das, was sie für witzig hielten – nach der Netzsprachen-Abkürzung LOL für „laughing out loud“, also laut lachen. Doch was das Blatt „Libération“ durch interne Recherchen ans Licht brachte, ist alles andere als lustig.

Die „LOL-Liga“ soll demnach rund zehn Jahre lang auf Facebook, Twitter und in anderen sozialen Netzwerken gezielt Kolleginnen und Kollegen der Lächerlichkeit preisgegeben und massiv beleidigt haben. Eine Fernsehjournalistin verdiene es, „von einem Pferd vergewaltigt und von Mike Tyson verprügelt zu werden“, schrieb einer der Täter 2009 auf Twitter.

Opfer gehen an die Öffentlichkeit: #leaguedulol

Unter den Opfern: Feministinnen, Beauty-Bloggerinnen, aber auch männliche Autoren und YouTuber. Unter dem Hashtag #leaguedulol gehen immer mehr Betroffene an die Öffentlichkeit. „Ich kam mir jahrelang so vor, als würde ich vor einem Scharfschützen davonlaufen“, oder den „virtuellen Kugeln einer verrückt gewordenen Armee entkommen“ – so beschreibt die Feministin Daria Marx die Internet-Attacken.

Die Magazinjournalistin und Beauty-Bloggerin Capucine Piot klagte als eine der ersten an: Die „LOL-Liga“ habe Schmähungen, Fotomontagen und manipulierte Videos von ihr verbreitet, um ihr zu schaden. Stets sei es darum gegangen, dass sie „nicht schön genug“ sei, um über Schönheit zu schreiben. „Ich war 21 Jahre alt, ich hatte nicht viel Selbstbewusstsein“, schreibt sie heute. „Irgendwann kam ich an den Punkt, wo ich mich hasste.“ Piot musste sich in psychologische Behandlung begeben.

Andere Opfer berichten von anonymen Morddrohungen sowie von Pornobildern, auf die ihre Köpfe montiert worden seien. Wieder andere wandten sich an Bekannte in der Gruppe und baten sie, mäßigend auf ihre Freunde einzuwirken. „Alle haben mir gesagt: Tut uns leid – versuch‘ einfach, es zu ignorieren“, berichtet der Schriftsteller Matthias Jambon-Puillet, der das Mobbing als einer von wenigen Männern publik machte.

In Frankreich ist Internet-Mobbing eine Straftat, es droht ein Jahr Haft

Bei „Libération“ wurden nach einem Bericht der Anti-Falschmeldungs-Einheit „Checknews“ vom Freitag zwei Journalisten freigestellt: Der verantwortliche Internetredakteur Alexandre Hervaud und der freie Mitarbeiter Vincent Glad, der die Facebook-Gruppe „League du LOL“ gegründet hatte.

Glad erklärte daraufhin: „Ich entschuldige mich bei all jenen, die sich bedrängt fühlten.“ Er sei aber nicht „für jede Dummheit verantwortlich, die Leute damals im Internet angestellt“ hätten. Andere Mitglieder der „LOL-Liga“ entschuldigten sich damit, vor zehn Jahren habe es auf Twitter oder Facebook noch zum „guten Ton“ gehört, „schwarzen Humor und plumpe Witze“ zu verbreiten.

Auch der leitende Internetredakteur der beliebten Rockkultur-Zeitschrift „Les Inrockuptibles“, David Doucet, wurde suspendiert – ebenso wie eine Reihe anderer Journalisten. Auch drei Mitarbeiter der „Huffington Post“ mussten wegen „unangemessener Äußerungen“ gehen, wie die Zeitungsgruppe „Le Monde“ mitteilte.

Den Tätern droht womöglich mehr als nur der Rauswurf: In Frankreich ist Internet-Mobbing eine Straftat, auf die bis zu ein Jahr Haft und 15.000 Euro Geldbuße stehen. Viele der Taten sind zwar verjährt. Die Staatssekretärin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, machte den Opfern aber Hoffnung: Die Verjährungsfrist von sechs Jahren könne womöglich ausgeweitet werden. (afp)

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