Steve Bannon errichtet in Italien eine konservative Kaderschmiede für Europas künftige Gegenelite

Von 23. Januar 2019 Aktualisiert: 6. Mai 2019 7:08
Das Institut Dignitatis Humanae hat im Vorjahr mit der italienischen Regierung einen Vertrag über die künftige Nutzung und Instandhaltung der Kartause von Trisulti geschlossen. Ex-Trump-Berater Steve Bannon und Think-Tank-Chef Benjamin Harnwell wollen dort konservative Grundlagenseminare abhalten.

Vor knapp einem Jahr, am 15. Februar 2018, verkündete der konservative katholische Think-Tank „Institut Dignitatis Humanae“ die Unterzeichnung eines Vorvertrages mit dem italienischen Kulturministerium, das die Vereinigung künftig zur Pächterin der altehrwürdigen Kartause von Trisulti in der Provinz Frosinone (Region Latium) machen sollte.

Der Think-Tank soll das Anwesen für einen Pachtzins von 100 000 Euro im Jahr nutzen können, abzüglich Investitionen in Erhaltung und Sanierung. Das ursprüngliche Kloster, dessen Ruinen nahe dem Anwesen zu finden sind, wurde im Jahr 996 erbaut. Im Jahr 1204 gab Papst Innozenz III. den Bau in seiner derzeitigen Form in Auftrag, nachdem einem Eremiten in der darunterliegenden Grotte die Jungfrau Maria erschienen war. Mit dieser Erscheinung habe sich auch eine Quelle aufgetan, die bis heute Wasser führe. Auf dem Anwesen befindet sich auch die Bibliothek von Innozenz III. mit etwa 38 000 Bänden.

Dignitatis Humanae will das Gut jedoch nicht nur erhalten, touristisch erschließen oder für die Agri- und Hortikultur nutzen, sondern auch für einen Seminar- und Studienbetrieb in eigener Sache. Dies jedoch erregt jetzt das Missfallen fortschrittlicher Kräfte in der Region selbst und in Europa insgesamt.

Die Protagonisten, die in Kürze mit ihren Blockkursen für bis zu 350 Interessierte in Philosophie, Wirtschaft, Geschichte und Theologie starten möchten, sind nicht beliebige Angehörige irgendeiner geistlichen Gemeinschaft, die dort ihre Mitglieder weiterbildet, sondern bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Bannons neue Aufgabe in Europa

Präsident des Kuratoriums für das Institut ist der in Italien lebende Brite Benjamin Harnwell, der über die künftige Funktion der Kartause erklärt:

„Trisulti wird zum Zuhause für eine Reihe von Projekten, welche die Tatsache unterstreichen, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist und dass die Anerkennung dieser imago dei der Grundbaustein der jüdisch-christlichen Basis westlicher Zivilisation ist. Wir beten für den Schutz und Schirm der Gesegneten Jungfrau Maria über dieses neue Kapitel unserer Mission, auf der wir voranschreiten.“

Noch bekannter ist der aus den USA stammende enge Freund Harnwells, der seit eineinhalb Jahren selbst im Kloster lebt und dieses nur verlässt, um seiner Mission der Vernetzung aller souveränistischen Kräfte Europas nachzugehen: Es ist der ehemalige Breitbart-News-Chefredakteur und Trump-Chefberater Steve Bannon.

Beim US-Präsidenten war „Sloppy Steve“, wie er ihn am Ende bezeichnete, im Spätsommer 2017 in Ungnade gefallen, nachdem er einem Boulevardjournalisten interne Informationen aus dem Weißen Haus zugespielt haben soll, die dieser anschließend in einem Buch verarbeitete.

Da auch Breitbart News daraufhin eine Rückkehr Bannons ausschloss, ging dieser nach Europa und widmete sich dort der Aufgabe, die national orientierten Kräfte zu bündeln, um im künftigen EU-Parlament eine möglichst schlagkräftige Fraktion bilden zu können.

Mehrfrontenkrieg zur Rettung Europas

Gemeinsam mit Harnwell will Bannon nun die Kartause Trisulti zu einer Kaderschmiede für eine künftige konservative Gegenelite umwandeln, die dem Kurs, den die EU eingeschlagen hat, und den kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen im Europa der Moderne entgegenwirken will.

In der „Neuen Zürcher Zeitung“ erklärt Harnwell:

„Wir befinden uns in einem kulturellen Krieg. Auf der einen Seite steht der christlich-jüdische Grundsatz, dass der Mensch nach dem Vorbild Gottes geschaffen worden ist. Auf der anderen Darwins monströse Evolutionstheorie.“

Harnwell sieht Europa einem gefährlichen Angriff von mehreren Seiten ausgesetzt. Dieser werde vonseiten radikaler Säkularisten und Atheisten ebenso geführt wie vonseiten des radikalen Islam und globalistischer Eliten. Masseneinwanderung gefährde ebenso die eigene europäische Identität wie der Hang zur kulturellen Selbstaufgabe.

Im Umfeld des Institut Dignitatis Humanae wirken auch innerkirchliche Gegner des derzeitigen Papstes Franziskus wie der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Benedikt sei Franziskus nach Überzeugung Harnwells bezüglich einer Verteidigung der westlichen Zivilisation indifferent.

„Am meisten zombifizierte Generation aller Zeiten“

Die konservativ-katholische US-Newsplattform „Remnant Newspaper“ bestätigt, dass Steve Bannon sich im Sommer des Vorjahres mit Kardinal Burke und dem italienischen Innenminister Matteo Salvini getroffen habe, um die Entstehung einer populistischen katholischen Vereinigung zu erörtern, die eine neue Generation politischer Führer hervorbringen soll „mit dem Feuer und der Entschlossenheit, unsere Kirche und die westliche Zivilisation zu verteidigen“.

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Remnant schreibt Bannon nicht nur eine bedeutende Rolle beim Wahlsieg Donald Trumps zu, sondern auch einen Einfluss auf konservative Wahlerfolge in Brasilien oder Ungarn. In einer Rede vor Führungskadern des Front National erklärte Bannon im Vorjahr, Katholiken im Westen, die ihre Kultur, Tradition und Identität bewahren wollten, sollten auf Vorwürfe wie „Rassismus“ oder „Fremdenhass“ unbeeindruckt reagieren und diese gar als „Ehrenmedaille“ tragen.

Im momentanen Zeitalter der Hysterie und Irrationalität hätten Jahrzehnte kulturmarxistischer Erziehung und sozialer Konditionierung unter den Millennials ihren Höhepunkt erreicht – der „am meisten durch Gaslighting fehlgesteuerten und zombifizierten Generation aller Zeiten – und deshalb werde jeder, der sein Land liebt und aufrechter Patriot sei, von jenen als „Rassist“ bezeichnet, die auch noch den Rest dessen zerstören wollen, was vom christlichen Westen geblieben sei.

Während Bannons politische Organisation, „Die Bewegung“, kurzfristig national orientierte Parteien vor Wahlen stärken und vereinen soll, verfolgt die Akademie in der Kartause Trisulti ein langfristiges Ziel: Hier sollen Persönlichkeiten herangezogen werden, die künftig auf strategisch wichtigen Feldern wirken und in entscheidende Positionen einrücken sollen. Ziel ist demnach nicht nur eine Eroberung der Parlamente, sondern auch ein Marsch durch die Institutionen.