Ukraine: Korruption laut Studie schlimmer als 2015 – Regierung und Justiz am stärksten betroffen

Von 27. September 2018 Aktualisiert: 27. September 2018 11:56
Mehr als 90 Prozent der ukrainischen Bürger schätzen die Korruption in ihrem Land als sehr ernstes oder ziemlich ernstes Problem ein. Dies ergab eine Studie des Instituts KIIS. Die Korruption werde demnach noch stärker wahrgenommen als 2015. Selbst an Universitäten und medizinischen Einrichtungen wird die Hand aufgehalten.

Die Nachrichtenagentur „Interfax Ukraine“ hat die Ergebnisse einer Studie des Internationalen Soziologischen Instituts Kiew (KIIS) präsentiert, die am Dienstag auf der Webseite der Einrichtung veröffentlicht wurden. Die Untersuchung befasste sich mit dem „Zustand der Korruption in der Ukraine“ und beruhte auf Daten, die in der Zeit zwischen Mai und September 2018 gesammelt worden waren.

Die befragten Ukrainer bezeichneten die Korruption als eines der größten Probleme des Landes – neben den hohen Lebenshaltungskosten, den niedrigen Löhnen und dem Krieg im Donbass. Von den 10 169 Teilnehmern aus 476 Wohngegenden aller unter Kontrolle der Regierung stehenden Regionen der Ukraine und Kiews erklärten 75,7 Prozent, die Korruption wäre ein sehr ernstes Problem. Weitere 18 Prozent stuften sie als „ziemlich ernst“ ein.

Werchowna Rada am stärksten betroffen

Die meiste Korruption sei den Angaben der Teilnehmer zufolge in den Regierungsinstitutionen und in der Justiz anzutreffen.

Die Werchowna Rada, das Parlament des Landes, bezeichneten 73,2 Prozent der Befragten als die am stärksten von Korruption betroffene Institution des Landes, den zweiten Platz nahm das Ministerkabinett ein mit 67,6 Prozent, mit 66,1 Prozent aller Nennungen landeten der Präsident und seine Verwaltung knapp dahinter.

Die Gerichte des Landes betrachteten 62,2 Prozent als bestechlich, 55 Prozent meinten, Gleiches träfe auf die medizinischen Dienste zu, für 54,3 Prozent ist die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine korrupt und 51,6 Prozent nannten den Zoll als betroffene Institution.

Mehr als 40 Prozent der Befragten im letzten Jahr selbst mit Korruption konfrontiert

Von allen Befragten gaben etwa 41,5 Prozent an, sie selbst oder ihre Familie wären im Laufe der letzten 12 Monate mit dem Problem in Berührung gekommen.

Dabei erklärten 52,1 Prozent derjenigen, die Universitäten oder sonstige Einrichtungen der höheren Bildung kontaktiert hätten, sie wären aus diesen Institutionen mit Schmiergeldforderungen konfrontiert gewesen. Darauf folgten Justizeinrichtungen, über die 46,8 Prozent derjenigen, die sich an sie gewandt hatten, berichteten, um illegale Gefälligkeiten gebeten worden zu sein. In Genehmigungsbehörden sei dies bei 44,6 Prozent der Befragten der Fall gewesen. Auch im Bereich der nationalen Polizei (43,5 Prozent), Servicezentren des Innenministeriums (42,3 Prozent), staatlichen Medizineinrichtungen (40,6 Prozent) oder allgemeinbildenden Schulen (36,8 Prozent) sei den Befragten gegenüber die Hand aufgehalten worden.

Der „Kyiv Post“ zufolge seien die Werte bezüglich der Wahrnehmung von Korruption damit noch höher als 2015. Die Fehlertoleranz liegt, so die Urheber der Studie, bei etwa 1,5 Prozent.

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