Ukraine: Langjähriger Putin-Erzfeind Kolomojskyj plädiert für eine Wiederannäherung an Russland

Von 14. November 2019 Aktualisiert: 14. November 2019 21:05
Der Westen führe „Krieg gegen Russland bis zum letzten Ukrainer“. Moskau würde der Ukraine hingegen „noch heute bereitwillig 100 Milliarden geben“: Der ukrainische Oligarch Ihor Kolomojskyj vollzieht in einem „Times“-Interview eine überraschende Kehrtwende.

Der ukrainische Oligarch Ihor Kolomojskyj ist eine der schillerndsten, aber auch einflussreichsten Figuren in Teilen des kriegsgeschüttelten Landes. Er ist mehrheitlich am Fernsehsender 1 + 1 beteiligt, ist Präsident des Fußballvereins Dnipro Dnipropetrowsk und Vizechef des ukrainischen Fußballverbandes.

Staatsfeind Nummer eins im Kreml

Für den Kreml war er bislang ein rotes Tuch. Im Jahr 2014 investierte Kolomojskyj mehrere Millionen US-Dollar aus eigener Tasche, um Freiwilligenbataillone auszustatten und zu trainieren, die im Osten des Landes gegen prorussische Separatisten kämpfen sollten. Dass sich auch radikale Nationalisten zum Dienst in den Bataillonen meldeten, war für russische Staatsmedien ein willkommener Anlass, den eigenen Narrativ vom „Nazi-Putsch“ zu untermauern, der nach ihrem Verständnis auf dem Maidan stattgefunden hatte. In Russland leitete man mehrere Strafverfahren gegen den Oligarchen ein.

Den Einheiten gelang es, die Separatisten entlang der sich abzeichnenden Demarkationslinie im Osten des Landes so lange am Vormarsch zu hindern, bis die reguläre ukrainische Armee an die Front rücken konnte. Der Krieg im Osten der Ukraine hat bislang etwa 13 000 Menschenleben gefordert.

Kolomojskyj erklärte sich auch bereit, als Gouverneur seiner Heimatregion Dnipropetrowsk politische Verantwortung zu tragen – bis ihn der damalige Präsident Petro Poroschenko 2015 nach einem eskalierten Konflikt um Kolomojskyjs Einfluss in großen ukrainischen Öl- und Gasförderunternehmen zum Rücktritt zwang.

Geld könne die Wunden heilen

Nun hat Kolomojskyj, wie die „New York Times“ unter anderem unter Berufung auf ein „Times“-Interview berichtet, den westlichen Ländern vorgeworfen, die Ukraine für eigene geopolitische Ziele zu verheizen. Den USA, der Europäischen Union und der NATO wirft der Oligarch vor, „Krieg gegen Russland bis zum letzten Ukrainer“ führen zu wollen. Und dafür gäbe man der Ukraine nicht einmal Geld.

„Ihr werdet uns alle nicht als Mitglied aufnehmen“, erklärte Kolomojskyj vom Konferenzraum eines seiner Büros in Kyjiw aus an die Adresse der EU und der NATO.

Es macht keinen Sinn, weiter Zeit für leeres Geschwätz zu verschwenden. Russland würde uns dagegen liebend gern in einen neuen Warschauer Pakt bringen.“

Die Beziehungen zum Nachbarn im Osten wiederherzustellen, sei eine Notwendigkeit für die Gesundung der ukrainischen Wirtschaft. Die Kriegstraumata würden heilen, meint Kolomojskyj – „zehn Jahre und das Blutvergießen wird vergessen sein“.

Der Oligarch erklärte, die Ukraine solle 100 Milliarden US-Dollar von den Russen nehmen. Er denke, diese würden das Geld den Ukrainern bereitwillig bezahlen. „Was ist der schnellste Weg, um Probleme zu lösen und die Beziehungen wiederherzustellen? Nur Geld.“

„Westen ist der Ukraine nicht gerecht geworden“

Die Kehrtwende und der Unmut über den Westen könnten im Fall Kolomojskyjs allerdings auch persönliche Gründe haben, mutmaßt die New York Times. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und hohe Beamte der USA – pikanterweise insbesondere George Kent und Botschafter William Taylor, die am Mittwoch (13.11.) in der ersten Impeachment-Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss im Kongress in Washington gegen Präsident Donald Trump ausgesagt hatten – fordern die Regierung Selenski dazu auf, mit größerer Vehemenz gegen den Oligarchen zu ermitteln.

Dieser übe einen zu großen Einfluss auf die Regierung aus. Selenski selbst solle sich von „jemandem mit einem so schlechten Ruf distanzieren“. Der im Frühjahr mit deutlicher Mehrheit gewählte Präsident musste sich schon im Wahlkampf Vorwürfe gefallen lassen, dem Oligarchen gegenüber in der Pflicht zu stehen. Tatsächlich lief die Fernsehshow, durch die Selenski bekannt wurde, auf einem der Sender der Kolomojskyj-Mediengruppe.

Kolomojskyj sieht auch den IWF als verantwortlich dafür, dass die 2016 unter Vorwürfen der Untreue beschlagnahmte Privatbank, die mit 5,6 Milliarden US-Dollar aus dem Staatsbudget gerettet werden musste, noch nicht wieder an ihn rückausgefolgt wurde. Auch das FBI soll gegen ihn ermitteln.

Ein Russlandfreund sei er weiterhin nicht, betonte Kolomojskyj gegenüber der „Times“, wobei er den Holodomor der 1930er Jahre erwähnte, der die Ukraine getroffen habe, weil sie sich mit Moskau arrangierte. Der Westen sei der Ukraine aber nicht gerecht geworden, weder habe er das Land mit den erforderlichen Mitteln versorgt noch seine Märkte geöffnet.

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