Van der Bellen: Ein selbst ernannter Kämpfer für die „Vereinigten Staaten von Europa“ im höchsten Staatsamt

Epoch Times25. Januar 2017 Aktualisiert: 25. Januar 2017 15:56
Alexander Van der Bellen trat für das Präsidentenamt als unabhängiger Kandidat an, auch wenn er noch immer aktives Grünen-Mitglied ist. Der selbst ernannte Kämpfer für die "Vereinigten Staaten von Europa" wertete seinen Wahlsieg selbst als Votum für einen "proeuropäischen Kurs" seines Landes.

Lange musste Alexander Van der Bellen bangen, am Donnerstag tritt der 73-Jährige endlich das Amt als neuer österreichischer Bundespräsident an. Erst im zweiten Anlauf und nach einer Wahlwiederholung war der ehemalige Grünen-Chef Anfang Dezember gewählt worden und hatte dabei seinen Rivalen Norbert Hofer von der FPÖ unerwartet klar besiegt.

Die EU-Befürworter atmeten nach dem Sieg Van der Bellens auf: Nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hatten viele Beobachter einen Sieg des FPÖ-Kandidaten Hofer für möglich gehalten. Doch Van der Bellen holte knapp 54 Prozent der Stimmen.

Selbstverständlich war Van der Bellens Sieg nicht. Viele konservative Wähler warfen ihm vor, zu links zu sein.

Der selbst ernannte Kämpfer für die „Vereinigten Staaten von Europa“ wertete seinen Wahlsieg selbst als Votum für einen „proeuropäischen Kurs“ seines Landes.

Er habe „von Anfang an für ein proeuropäisches Österreich gestritten und argumentiert“, sagte Van der Bellen. Dabei gehe es ihm auch um „alte Werte“ wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität, sagte der Wirtschaftswissenschaftler, der sich auch für gleichgeschlechtliche Eheschließungen einsetzt.

Zum Thema Flüchtlinge verweist der 1944 in Wien geborene Van der Bellen gerne darauf, dass er selbst ein „Flüchtlingskind“ sei. Seine Eltern, ein russischer Aristokrat und eine Estin, waren vor dem Stalinismus geflohen. Vor der Ankunft der Roten Armee in Wien im Frühjahr 1945 floh die Familie in das südliche Bundesland Tirol, wo Van der Bellen – Spitzname Sascha – nach eigenen Angaben eine „idyllische Kindheit“ verbrachte.

Er studierte Ökonomie an der Universität Innsbruck und erlangte 1970 den Doktortitel. Zwei Jahrzehnte später krönte Van der Bellen seine akademische Karriere mit dem Posten des Dekans der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Wiener Universität.

In den 80er Jahren war Van der Bellen Mitglied der sozialdemokratischen SPÖ. Anfang der 90er Jahre schloss er sich den Grünen an. Elf Jahre lang, bis 2008, war er ihr Vorsitzender und etablierte sie als viertstärkste Kraft des Landes – hinter der konservativen ÖVP, der sozialdemokratischen SPÖ und der FPÖ.

Van der Bellen trat für das Präsidentenamt als unabhängiger Kandidat an, auch wenn er noch immer aktives Grünen-Mitglied ist. Zu der Möglichkeit, dass die FPÖ die Parlamentswahl 2018 gewinnen könnte, hatte sich Van der Bellen im Wahlkampf positioniert: Er werde als Präsident den FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nicht als Bundeskanzler vereidigen, versicherte er – und wurde deshalb von seinem Konkurrenten Hofer als „grüner Diktator“ bezeichnet. Daraufhin ruderte Van der Bellen zurück.

Im vergangenen Mai gewann Van der Bellen zunächst mit hauchdünnem Vorsprung gegenüber seinem Kontrahenten die Stichwahl um das Präsidentenamt, diese wurde jedoch wegen Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung annulliert und – nach einer Verschiebung wegen nicht richtig klebender Briefwahlumschläge – im Dezember wiederholt. Diesmal siegte er souverän.

Eine Schwäche teilt Van der Bellen allerdings mit FPÖ-Chef Strache: Beide sind leidenschaftliche Raucher. Vor seiner Wahl ins höchste Staatsamt vertraute der Grüne den Medien an, dass er und Strache schon mal voneinander Zigaretten schnorren – wenn einem von beiden die Rauchware ausgeht. Sorgen um seine Gesundheit wies Van der Bellen zurück: Sein Arzt habe ihm „wundervolle Lungen“ bescheinigt. (afp)

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