„Völkerwanderung“: Paukenschlag gegen irrationale Politiker und Eliten von Vaclav Klaus

Von 9. Juni 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 1:30
Vaclav Klaus war immer einer der herausragenden Staatsmänner Europas. Er braucht für seine Beurteilung der Migrationskrise in Europa, die er „Völkerwanderung“ nennt, nicht mehr als 100 Seiten eines schmalen Bändchens. Die haben es allerdings in sich.

In „Völkerwanderung“ stellen Vaclav Klaus und Jiri Weigl fest, wie irrationale EU-Politiker die Migrationskrise verursacht haben. Eine schonungslose und entlarvende Analyse legt der langjährige ehemalige Präsident von Tschechien vor, jenseits von beschönigender political correctnes. 

Er erwähnt, gerichtet an die EU-Politiker, den geschichtlichen Hintergrund der mittel- und osteuropäischen Staaten. Diese Bürger hätten in der Zeit der sowjetischen Besatzung „mit einer von außen aufgezwungenen Quasi-Solidarität und mit unfreiwilligen Opfern im Namen eines zukünftigen Gemeinwohls jahrzehntelange unglückliche Erfahrungen gemacht“. Und er beklagt, dass Brüssel den protestierenden ost- und mitteleuropäischen Staaten schon mit Sanktionen droht.

In einer Rede zum 30. Jahrestag der Gründung der Jungen Freiheit am 4. Juni stellte Klaus die deutsche Ausgabe seines Buches vor mit den Worten: „Wir bemühen uns, die Irrationalität des Benehmens der europäischen Eliten, d.h. der europäischen Spitzenpolitiker, der EU Nomenklatura und ihren Verbündeten in den Medien und in der akademischen und kulturellen Sphäre zu enthüllen. Diese Menschen, nicht die Migranten, haben die heutige Migrationskrise verursacht. Sie sind verantwortlich. Sie haben die Migranten entweder explizit oder implizit eingeladen.

Und wir bemühen uns auch, die Folgen des massiven Stromes von Hunderttausenden oder sogar Millionen Menschen einer fremden Kultur, Sprache und Zivilisationsgewohnheiten für die Kohärenz, Stabilität und Funktionieren der europäischen Gesellschaft, für das Erhalten unseres über Jahrhunderte hinweg gebildeten Sozialkapitals, für das Erhalten unserer bisherigen Lebensqualität und für das Erhalten unseres – heute noch positiven – Lebensgefühls zu analysieren.“

Im zweiten Kapitel differenziert Klaus Schritt für Schritt die individuelle Migration von der Massenmigration und die Bleibeperspektive von Migranten im Gegensatz zu der von  Asylanten. Sehr lesenswerte Betrachtungen, die in ihrer Kürze und Prägnanz so manchem „Entscheider“ ins Gesangbuch geschrieben werden sollten, um die massenhaften dürftigen Pauschalrezepte für Lösungen in Pressemitteilungen oder Interviews zu vermeiden.

Wolfgang Schäuble: „Abschottung ließe uns in Inzucht degenerieren"

Schritt für Schritt knöpft er sich die gängigen Ausflüchte, warum die Situation auch eine Bereicherung mit sich bringen könnte, vor und entlarvt sie als Floskeln. Leider gab es am Samstag noch nicht die gestern kolportierte Feststellung von Wolfgang Schäuble, Abschottung ließe uns in „Inzucht degenerieren", die schon im Netz Empörungswellen hervorruft und des Hohnes von Vaclav Klaus sicher gewesen wäre.

Klaus hält die demographische Entwicklung für viel zu schwankend und kompliziert, „man kann sie einfach nicht derart naiv mit Hilfe einer Massenmigration abwenden. […] Angesichts der unterschiedlichen Charakteristika der jeweiligen Völker und Ethnien droht dieses Spiel mit dem Feuer die heutige Struktur der europäischen Bevölkerung total zu zersetzen. Sollte auch nur einer der Verantwortlichen es wagen, so etwas anzustreben?“   

Und er will auch nicht glauben, „dass die Migranten von unserer demographischen Krise hörten und freiwillig herbeieilen wollten, um sie zu beheben – dass Europa doch nicht ausstürbe.“

Glauben kann er jedoch, dass die EU-Politiker jede Krise geschickt ausnutzen, um eigene Interessen durchzusetzen, das erwähnt Klaus fast am Rande, aber deutlich: „Es geht ihnen um nichts anderes als um die Intensivierung der laufenden Zentralisierungs- und Einigungsprozesse. Die angestrebten ‚Nebeneffekte‘ sind bei der Migrationskrise sogar noch deutlicher zu erkennen als beispielsweise bei der griechischen Schulden- oder bei der Euro-Krise.“

Im Schlusswort heißt es: „Wir betonen, dass der europäische Sozialstaat, der die Migranten anzieht, langfristig nicht zu halten sein wird. Wir warnen vor der verderblichen Praxis des heuchlerischen Wohlfahrtsgetues und der politischen Korrektheit, die jede rationale Politik und sinnvolle öffentliche Diskussion liquidiert, sowie vor den abwegigen Plänen, den ganzen Kontinent in einen EU-Superstaat zu verwandeln.“

Und weiter: „Die Mainstream-Medien lassen sich natürlich nicht beirren und vergießen heiße Tränen der Barmherzigkeit, Solidarität und Opferbereitschaft, um uns zu erweichen. Zugleich beleidigen und stigmatisieren sie diejenigen als ‚fremdenfeindlich‘ und ‚rassistisch‘, die es wagen, Zweifel anzumelden die sich nicht fürchten, an die Vernunft ihrer Mitbürger zu appellieren, und die sich bemühen, die unproduktive Kakophonie der Humanitätsduselei wenigstens mit einem kleinen Kontrast zu versehen, indem sie die aktuelle Lage hinsichtlich ihrer Ursachen und Folgen rational analysieren und Auswege skizzieren. Das war auch das Motiv für die Entstehung dieses Buches.“

Nachdenklich, anregend, sehr  lesenswert, auch wenn man nicht immer übereinstimmt.

Foto: Cover Edition Sonderwege Manuscriptum Verlag

Vaclav Klaus und Jiri Weigl

Völkerwanderung

Klappenbroschur 96 Seiten

Edition Sonderwege im Manuscriptum Verlag

ISBN: 978-3-944872-30-8

Euro 12,80

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