Wiener Lehrerin: „Kulturkampf im Klassenzimmer“ – Wie der Islam die Schulen verändert

Epoch Times11. September 2018 Aktualisiert: 12. September 2018 14:17
Schüler: "Wer den Propheten beleidigt, hat den Tod verdient". Susanne Wiesinger hat lange geschwiegen zu den Problemen an ihrer Schule mit muslimischen Kindern. In ihrem jetzt veröffentlichten Buch erzählt die Österreicherin von ihrem Weg aus dem Schweigen heraus.

Susanne Wiesinger, Lehrerin an einer Mittelschule in Wien-Favoriten, erzählt vom Alltag in ihrer Brennpunktschule: von Konflikten mit muslimischen Kindern, vom Schweigen ihrer Vorgesetzten und der Politik. Seit gestern ist ihr Buch – (QVV-Verlag) im Buchhandel erhältlich.

Für die Lehrerin Susanne Wiesinger waren die Reaktionen ihrer Schüler auf den terroristischen Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris, bei dem elf Menschen getötet wurden, ein Schlüsselerlebnis. Während weltweit der Anschlag verurteilt wurde, feierten viele der Schüler von Wiesinger die Attentäter wie Helden. Die Opfer spielten für sie keine Rolle.

In dem Buch heißt es dazu: „An diesem Tag wurde mir bewusst, wie stark der konservative bis fundamentalistische Islam unsere Schüler beeinflusst, wie sehr diese Religion die Gedanken der Kinder beherrscht. Ich erkannte, wie weit die Mehrheit in der Schule von den Werten, die wir Lehrer ihnen zu vermitteln versuchten, entfernt war.“

Schüler: „Wer den Propheten beleidigt, hat den Tod verdient“

Damals waren Aussagen von den Schülern zu hören wie: „Wer den Propheten beleidigt, hat den Tod verdient. Wir Muslime müssen uns gegen den Westen verteidigen. Niemand darf unseren Propheten lächerlich machen. Wir sind dadurch alle beleidigt und müssen die Ehre unseres Propheten verteidigen“, berichtet Wiesinger.

Muslimische Mädchen in ihrer Klasse wiederum hätten geweint, da sie Angst hatten, dass sie jetzt nicht mehr von Wiesinger gemocht würden, weil sie Muslime sind, berichtet die Lehrerin in ihrem Buch.

An ihrer Schule begannen Wiesinger und Lehrerkollegen mit den Jugendlichen zu diskutieren und sie versuchten, auf sie einzuwirken. Tatsächlich stellten sie dadurch ihre islamistischen Sympathien und Theorien immer mehr infrage. „Zumindest für den Moment“, stellt Wiesinger fest und erzählt weiter: „Am Ende blieb meist die Vorstellung: ‚Das waren keine Muslime wie wir. Denn wir tun so etwas nicht.‘“

Aufgrund dieses Erlebnisses begann Wiesinger zu hinterfragen, woher die ablehnende und aggressive Haltung dieser Jugendlichen gegenüber unserer Gesellschaft herrührt. Die Kinder wirkten innerlich zerrissen, „denn eigentlich wollten diese Kinder ja zu uns gehören und die Freiheiten unseres westlichen Lebensstils genießen“, so die Wienerin. „Aber es war zu spüren, dass sie dies nicht können. Es gibt eine Kraft, die sie zurückhält, die stärker ist als alles andere: ihr muslimischer Glaube. Er kontrolliert und lenkt sie“, führt Wiesinger im Buch aus.

Bis heute würden sich viele Lehrer scheuen, Kritik am Islam zu üben. Der Grund des Schweigens läge in einer Verwechslung von Akzeptanz und Toleranz sowie der Sorge, als überfordert und islamophob diffamiert zu werden, erklärt Wisinger.

Dabei wären die Hinweise auf diesen religiösen Wandel nicht zu übersehen, denn viele Schüler würden zunehmend den Lehrern in die Welt des Glaubens entgleiten, schreibt Wiesinger. „Wir konnten sie dorthin nicht begleiten. Zurückhalten konnten wir sie auch nicht. Die Gräben zwischen uns wurden größer, und wir kamen immer weniger zu ihnen durch.“

Lehrerin: Schüler haben Verständnis für die Gräueltaten – aber kein Mitleid mit den Opfern

Jeder weitere islamistische Terroranschlag erhärtete dabei den Verdacht, dass immer mehr muslimische Schüler Verständnis für die Gräueltaten hätten. Die Sympathien für die Attentäter wären stärker als das Mitleid mit den Opfern, so Wiesinger in ihrem Buch.

Als Sozialdemokratin war die Lehrerin jahrelang davon überzeugt gewesen, dass Integration in jedem Fall gelingen müsste. Hierfür wären nur genügend Ressourcen und die Akzeptanz der österreichischen Mehrheitsgesellschaft notwendig. „Diese Einschätzung teile ich heute nicht mehr“, erklärt die Wienerin.

Bei ihrem Dienstgeber und der Lehrergewerkschaft stieß die Lehrerin mit dem Thema „Politischer Islam“ jahrelang auf Unverständnis und Desinteresse. Oft auch auf Kritik und Ablehnung.

Später gab es Vorträge für Lehrer zum Islam, bei denen sie oft den Eindruck hatte, dass das Problem nicht verstanden wurde. Stattdessen hieß es: „Ändert euch und akzeptiert die Welt, in der eure Schüler leben, wie sie ist. Dann wird Integration gelingen“, so Wiesinger. Es entstand der Eindruck es würde immer an den Lehrern liegen, wenn Integration scheitert: „Lehrer müssen mehr Selbstreflexion betreiben. Die Türken sind ein stolzes Volk“, so hieß es laut Wiesinger von Referenten.

Wiesinger: Freunde wollten nicht glauben, dass muslimische Schüler in den Moscheen radikalisiert werden

Doch die Österreicherin wollte nicht zusehen, wie muslimischen Schülern das österreichische kulturelle Leben vorenthalten wird, weil es in den Augen ihrer Eltern „haram“ (religiös verboten) ist.

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Doch auch ihre Freunde zeigten wenig Interesse an diesen Entwicklungen. Sie wollten nicht glauben, was ich ihnen erzählte. Sie versuchte trotzdem auch mit ihren Freunden und Bekannten, allesamt bürgerliche Linke, über die Entwicklung zu sprechen und versuchte zu erklären, dass muslimische Schüler nicht nur im Internet, sondern sehr wohl auch in ihren konservativen Moscheen und Verbänden in Österreich radikalisiert werden.

Diese Gespräche führten dann meist zu Vergleichen mit der katholischen Kirche oder zu positiven Berichten über Reisen durch muslimische Länder, in der Jugendzeit, erklärt Wiesinger. „Der beste Beweis für gelungene Integration war dann letztendlich der Brunnenmarkt in Wien, ein türkischer Straßenmarkt, wo man so schön Kaffee trinken und billig einkaufen kann“, erzählt die Lehrerin in ihrem Buch. Angesichts dieser Ignoranz zog sie sich auch im privaten Umfeld immer weiter zurück.

Auch jetzt ist für sie unverständlich, warum Linke den konservativen Islam verteidigen. „Jahrelang haben dieselben Linken die katholische Kirche – zu Recht – kritisiert und ihre Anhänger abfällig als ‚Kerzlschlucker‘ bezeichnet“, schreibt die Lehrerin.

Aufgrund ihrer Sorge, in die Nähe von rechtskonservativen Parteien gerückt zu werden, sprach sie lange Zeit, wie ihr Dienstgeber es vorgab, nicht öffentlich über die Probleme an den Wiener Schulen. Sie sah die Gefahr, dass dies zu einer zusätzlichen Isolation im beruflichen wie im privaten Leben führen könnte. „Das wollte ich unbedingt vermeiden. Also schwieg auch ich lange Zeit“, erklärt Wiesinger.

Demonstrantinnen riefen: „Wir werden Kopftuch tragen!“

Anfang Januar 2018 hatte sie dann erneut ein Schlüsselerlebnis. Sie ging zur Abschlusskundgebung der großen Demonstration gegen die neue national-konservative Regierung auf dem Heldenplatz in Wien. Als Sozialdemokratin kritisierte sie den geplanten Abbau im Sozialsystem, das war ihre Hauptmotivation, hinzugehen, schreibt die Wienerin in ihrem Buch.

„Ich lauschte einer Rednerin, die uns Demonstranten aufforderte, unsere Körper schützend vor alle Moscheen zu werfen. Tosender Applaus um mich herum! Frauen mit netten Transparenten riefen spontan: ‚Wir werden Kopftuch tragen!‘ Ich war in diesem Moment wie erstarrt und fühlte mich wirklich einsam. Ich musste die Demo fluchtartig verlassen“, berichtet Wiesinger.

Für sie ist es selbstverständlich, dass ein Mensch nicht aufgrund seiner Religionszugehörigkeit diskriminiert wird. In diesem Zusammenhang fragte sie sich allerdings, ob diese jubelnden Demonstrantinnen ihre Körper auch vor Moscheen werfen, mit deren Hilfe ihren Schülerinnen ein Ehemann vermittelt wird?

Würden diese Demonstrantinnen ihren Körper auch vor jene Moscheen werfen, die den Koran über unsere Verfassung stellen, die unsere Jugendlichen daran hindern, sich in die österreichische Gesellschaft zu integrieren, hinterfragt Wiesinger in ihrem Buch. „Wirft eigentlich irgendjemand von diesen aufgeklärten und toleranten Linken seinen Körper vor ein Mädchen, dem mit Mord gedroht wird, wenn es aus starren patriarchalen Familienverhältnissen ausbrechen will?“, fragt die Lehrerin weiter.

Ursache für die Ignoranz ihrer Bekannten sind romantische Vorstellungen

Wiesinger hat festgestellt, dass die Ignoranz gegenüber diesem Thema in ihrem Umfeld von romantischen Vorstellungen geprägt ist: Links ist gut, rechts ist böse. „Und wir Linken sind die Retter der Unterdrückten“, so Wiesinger. Hinterfragen sei oft schon zu mühsam. Das Leben sollte doch einfach und schön sein. „Für mich gehören sie zu uns, und darum muss sich eine Mehrheitsgesellschaft ihrer Probleme annehmen“, schreibt die Österreicherin.

„Ich bin heute davon überzeugt: Was den betroffenen Kindern und Jugendlichen am meisten schadet, sind falsche Toleranz und Stillschweigetaktik gegenüber dem radikal-konservativen Islam“, so Wiesinger. (er)

Susanne Wiesinger

Kulturkampf im Klassenzimmer: Wie der Islam die Schulen verändert. Bericht einer Lehrerin

Gebundene Ausgabe: 214 Seiten
Verlag: Edition QVV; Auflage: 1 (10. September 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3200058757
ISBN-13: 978-3200058750

EUR 24,90

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