Warum Chinas politische Kämpfe Alibaba zerstören könnten

Von und 30. Januar 2015 Aktualisiert: 30. Januar 2015 18:49

Bei Alibaba gibt es erstmals Probleme. Im September hatte der chinesische Ecommerce-Gigant in New York noch den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt. Nun brach die Alibaba-Aktie innerhalb von nur zwei Tagen um 10 Prozent ein. 30 Milliarden US-Dollar Unternehmenswert lösten sich in Luft auf.

Das war bitter.

Zufall? Schicksal? Nein, es war leider absehbar.

Zwei schlechte Nachrichten auf einmal führten zu dem Einbruch: Erstens waren Gewinne magerer als erwartet ausgefallen. Doch zweitens und noch viel wichtiger: Es gab Kritik aus China. Die Pekinger „Staatliche Kommission für Industrie und Handel (SAIC) hatte am 28. Januar einen Bericht veröffentlicht, wonach Alibaba nicht genug gegen gefälschte Produkte oder "illegale Geschäfte" auf seinen Handelsplattformen unternehme. Streit und Dementi folgten postwendend.

Behörden-Rüge aus China hat größeren Kontext

Die Art, wie Alibaba Geschäfte macht (und wie illegal diese sein mögen) ist Nebensache. Viel entscheidender ist die große chinesische Politik dahinter – und die ist den meisten Analysten und Anlegern unbekannt. Alibaba IST in China ein Zankapfel der Mächtigen. Und langfristig dürften die Alibaba-Leute die schlechteren Karten haben, denn ihr Gegner ist niemand geringeres als der Staatschef Xi Jinping. Und dieser nimmt es billigend in Kauf, wenn eine Regierungsbehörde dem Konzern an Image und Börsenwert kratzt.

Alibaba ist ein begehrter Zankapfel

Das Problem bei Alibaba ist nicht Konzern-Gründer Jack Ma, der einstige Englischlehrer, der durch das Unternehmen zu märchenhaftem Reichtum gelangte … Das eigentliche Problem sind die 27 "Senior-Directors", eine Gruppe aus 27 "dem Unternehmen nahestehenden Personen". Einige dieser ominösen Teilhaber sind bekannt, viele andere nicht. Bei den Bekannten handelt es sich um alten Kommunisten-Adel oder Leute, die engstens mit diesem verflochten sind. Und hier liegt das Problem, denn in Chinas Kommunistischer Partei tobt gerade ein erbitterter Machtkampf auf Leben und Tod.

Es gibt ein Lager aus alten Hardlinern, die den langfristigen Plan verfolgen, den amtierenden Staatschef Xi Jinping zu stürzen. Es handelt sich dabei um das Netzwerk seines 88-jährigen Vorvorgängers im Amt, Ex-Staatschef Jiang Zemin. Zwar strebt der greise Jiang nicht mehr selbst den Präsidentensessel an, aber er hat Leute, die das für ihn erledigen und die auf verschiedenen Ebenen des Staatsapparates nichts ununternommen lassen, damit es in China weiterhin nach seinen Wünschen läuft. Schließlich profitieren sie alle von den bestehenden Machtstrukturen.

Genau diesen Klüngel, von den Chinesen auch die „Jiang-Bande“ genannt, will Xi Jinping beseitigen. Er tut dies seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren mit Hilfe der sogenannten „Anti-Korruptionskampagne“. (Dieser Name ist neutral und macht beim Volk beliebt. Gegen Korruption ist schließlich jeder brave Bürger. Und der Name lenkt auch die Außenwelt ab: Es wäre ja peinlich und geschäftsschädigend, wenn international bekannt wäre, wie zerrissen und instabil die Kommunistische Partei Chinas derzeit ist und dass im Reich der Mitte momentan alles möglich ist. Politischer Putsch inbegriffen.)

Es kann nur einer gewinnen

Xis Kampagne zielt also auf die Zerschlagung seiner politischen Gegner von der Jiang-Bande ab. Um Chinas Einparteien-Herrschaft zu retten, muss die gesamte Jiang Zemin-Gefolgschaft wirksam ausgeschaltet werden. Dazu bringt Xi Personen aus Politik, Militär und Wirtschaft ins Gefängnis, lässt ihre Vermögen vom Staat beschlagnahmen, lässt Firmen von seinen Korruptionsjägern auseinandernehmen, ihre Manager austauschen etcetera pp.

Und auch vor einem Weltkonzern wie Alibaba wird Xi nicht Halt machen. Schließlich kann nur einer gewinnen und Alibaba gehört momentan den falschen Leuten – einer Gruppe mit Jiang Zemin-Verbindung. Sogar Jiangs 28-jähriger Enkel Alvin Jiang gehört offiziell zu den Investoren,

EPOCH TIMES berichtete bereits ausführlich über ihn und weitere politische Verflechtungen hinter Alibaba.

Siehe: „Alibaba und die 27 Räuber: Börsengang als legale Geldwäsche und Kapitalflucht“

"Risiko Alibaba-Aktie: Bizarre Hintergründe über Jack Ma und seine mächtigen Freunde aus China" 

Was Alibaba im Machtkampf interessant macht

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Alibaba im Machtkampf der KP eine Trumpfkarte ist, die jeder gerne hätte: Unter dem Dach des Konzerns vereinen sich verschiedene Sparten, die alle wertvolle Infrastrukturen beinhalten, vom Ecommerce über die Telekommunikation bis zu den Online-Banking-Strukturen von Alipay, dem chinesischen Paypal-Pendant. Alipay hat Chinas konventionellen Banken schon in einer Weise Konkurrenz gemacht, dass Restriktionen erlassen wurden, um sein boomendes Geschäft einzuschränken. Wer die Macht über Alibaba hat, kann also eine Menge Einfluss in vielerlei Bereichen ausüben.

Ein Hongkonger Politmagazin veröffentlichte im vergangenen Jahr die Aussage eines Pekinger Insiders, wonach Xi Jinping und seine Regierung längst begriffen hätten, dass Alibaba ein Instrument sei, durch welches sich die Jiang-Bande Einfluss über die gesamte chinesische Wirtschaft zu verschaffen versuche. Ihr langfristiger Plan ist die Machtübernahme – und die gelänge im Falle eines Putsches ganz leicht, wenn man vorher schon unauffällig ein Netz in den verschiedenen Branchen (hier die mobile Telekommunikation, Internet und Bankensystem) gesponnen hätte. Deshalb habe Xi die Aktivitäten von Alibaba schon länger im Auge und als Angriff auf seine Macht gewertet. Die rote Linie sei aus Xis Sicht bereits überschritten worden. Aktionen gegen Alibaba seien deshalb vorhersehbar, so das Magazin.

US-Medien bereits hellhörig

In den USA reagierte man auf die neuesten Nachrichten um Alibaba hellhörig: US-Investoren waren erschrocken und auch die Medien begannen nach Ursachen zu forschen. “Es irritiert die Investoren, dass es ausgerechnet die chinesische Regierung ist, die Alibaba auf eventuell unseriöse Geschäfte ihrer Website hinweist,” so Gil Luria, Analyst von Wedbush Securities zum Fernsehsender CNBC. “Ich denke, das hat die Investoren gestern verunsichert.”

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