Angriffe im Golf von Oman: Will der Iran so die Konferenz von Bahrain sabotieren?

Von 13. Juni 2019 Aktualisiert: 21. Juni 2019 11:41
Nach den zeitgleichen Explosionen auf zwei Öltankern im Golf von Oman verdichten sich die Hinweise auf gezielte Angriffe gegen die Schiffe. Iranische Medien hatten zuvor Meldungen über „Unfälle“ als Schadensursachen in Umlauf gebracht. Teheran könnte die Spannungen anfachen, um die für Ende Juni geplante Nahostkonferenz in Bahrain zu einem Misserfolg zu machen.

Der Zwischenfall am Donnerstagmorgen (13.6.) im Golf von Oman sorgt mittlerweile weltweit für Aufsehen. Die Ursachen der mutmaßlichen Explosionen an Bord des norwegischen Tankers „Front Altair“ und des japanisches Frachtschiffs „Kokuka Courageous“ sind nach wie vor ungeklärt. Der Ölpreis auf den Weltmärkten ist bis zum frühen Nachmittag um vier Prozent gestiegen.

Um kurz nach 8 Uhr Ortszeit (5 Uhr MEZ) seien Explosionen und Notrufe sowohl in Oman als auch in Pakistan zu verzeichnen gewesen. Bereits zwei bzw. eine Stunde zuvor hatte die U.S. Navy Notrufe registriert. Schon bald begannen staatliche iranische Publikationen wie Al-Alam, Press TV und Tasnim News sowie die dem syrischen Regime nahestehende Plattform Al-Mayadeen mittels Eilmeldungen darüber zu berichten. Es hieß, zwei „gigantische“ Öltanker seien „angegriffen“ worden. Die Regime-Medien im Iran scheinen ein größeres Interesse daran gehabt zu haben, die Vorfälle offensiv aufzugreifen, anstatt darüber zu schweigen.

Wie „Bild“ unter Berufung auf die Hamburger Reedereigruppe Bernhard Schulte Shipmanagement in Singapur berichtete, sei der Tanker „Kokuka Courageous“  bei einem mutmaßlichen Angriff beschädigt worden. Das Schiff wurde evakuiert und eines der 21 Besatzungsmitglieder sei leicht verletzt worden, erklärte ein Sprecher.

Mit einer „Art von Granate“ getroffen

CNN sprach mit einem Vertreter der japanischen Besitzer des Schiffes, der erklärte, dass es zweimal innerhalb von drei Stunden mit einer „Art von Granate“ angegriffen worden sei. Der erste „Schuss“ habe den Tanker oberhalb der Wasseroberfläche getroffen, dann sei Feuer ausgebrochen. Nun treibe das Schiff mit einer Ladung chemischer Produkte (Methanol) über das Wasser.

Die U.S. Navy bestätigte gegenüber internationalen Medien, dass es Vorfälle gegeben habe, man zeigte sich jedoch vorsichtig bezüglich möglicher Schlussfolgerungen. Die USA sind mit Flugzeugträgern in der Region präsent, die als hoch sensibel gilt. Ein Fünftel des weltweiten Öltransits verläuft durch die nahe gelegene Straße von Hormus vor der iranischen Küste auf der einen Seite und jenen Omans und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf der anderen Seite.

Die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna meldete derweil, die beiden Tanker seien in einen Unfall verwickelt gewesen und in Brand geraten. Die iranische Marine habe „44 Matrosen der zwei ausländischen Öltanker gerettet“, berichtete Irna unter Berufung auf „informierte Kreise“. Die Seeleute seien in den iranischen Hafen Bandar-e-Dschask gebracht worden.

An ihrer engsten Stelle ist die Straße nur 50 Kilometer breit. Die USA hatten jüngst ihre Präsenz in der Region verstärkt, nachdem es bereits zu mehreren, mutmaßlich von iranischen Proxys durchgeführten, Angriffen auf Tanker oder Ölpipelines in der Region gekommen war und sich Hinweise auf mögliche Übergriffe auf US-Einrichtungen verdichtet hatten. Erst vor einem Monat, am 12. Mai, wurden zwei saudische, ein Schiff der Vereinigten Arabischen Emirate und ein norwegisches Schiff im Hafen von Fudschaira durch explodierende Minen beschädigt.

Häufung von „Unfällen“

Im Zusammenhang mit dem heutigen Vorfall schreibt Seth J. Frantzman in der „Jerusalem Post“ von einem „wesentlich ernsteren Zwischenfall“. Er sprach von einem „großen Problem für den weltweiten Öltransit in der Straße von Hormus“ und von einer „massiven Eskalation“. Die U.S. Navy musste zu Hilfe kommen. Die betroffenen Tanker waren aus Häfen der VAE und Saudi-Arabiens gekommen und befanden sich auf dem Weg nach Taiwan bzw. Singapur. Die Mannschaften mussten gerettet werden.

Dazu, dass – obwohl noch keine Erkenntnisse über Urheber vorliegen – umgehend mit größtem Argwohn auf den Iran geschaut wurde, hatte das Regime in Teheran durch sein jüngstes Gebaren selbst mit beigetragen. Bereits mehrfach kamen von dessen Seite Drohungen mit einer Sperrung des wichtigen Schifffahrtsweges, zudem hatten regimenahe Milizen jüngst sogar die russischen Verbündeten in Syrien vor den Kopf gestoßen, indem sie ungefragt in den Hafen von Tartus drängten.

Das wirft die Frage auf, inwieweit bewaffnete Truppen des Regimes nicht längst auf eigene Rechnung agieren – notfalls auch zum Nachteil der Bemühungen des Präsidenten Hassan Rohani und des Außenministers Dschawad Sarif, Sanktionen zu umgehen. Immerhin würden Angriffe, die dem iranischen Regime zuzurechnen sind, diesem gerade in der jetzigen Zeit schaden, da soeben erst Deutschlands Außenminister Heiko Maas im Iran zu Gast war und derzeit Japans Premierminister Shinzo Abe dort weilt. Beide verfolgen das Ziel, Spannungen in der Region zu entschärfen.

„Ein Regime, das Öltanker ins Visier nimmt, ist definitiv nicht so moderat, wie es sich selbst darstellt“, schreibt Frantzman, „und erst recht ist es kein Opfer. Der Iran stellt sich selbst gerne als Opfer eines ‚ökonomischen Terrorismus‘ durch die USA dar, aber Öltanker ins Visier zu nehmen stellt selbst einen Akt des ökonomischen Terrorismus dar.“

Hinweise auf gezielten Angriff verdichten sich

Irans Außenminister Sarif versuchte durch Verschwörungsrhetorik den Verdacht abzulenken und bezeichnete die Angriffe auf die Tanker mit „Verbindungen zu Japan“ als „äußerst verdächtig“. Sie hätten sich während „freundschaftlicher Gespräche“ des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei ereignet, schrieb Sarif auf Twitter.

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit jedoch nicht allzu hoch, dass sich zwei Öltanker fast zeitgleich spontan selbst entzünden, und das zu einer Zeit, da die Lage in der Region besonders angespannt ist. Insgesamt ist es zudem das mittlerweile sechste Mal innerhalb weniger Monate, dass Öltanker dort in Flammen aufgehen.

Erst hatten iranische Medien von einem „Unfall“ geschrieben, mittlerweile zeigen Bilder westlicher und saudischer Medien jedoch, dass unter anderem ein Torpedo und eine magnetische Mine in den Vorfall involviert waren. Von Stunde zu Stunde werden weitere Details bekannt. Auch von den Seestreitkräften der USA, Großbritanniens, Taiwans und anderen Quellen in der Region werden jene Darstellungen bestätigt, die von einem Angriff ausgehen.

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Sollte sich erweisen, dass die Geschosse, die auf die Tanker abgefeuert wurden, dem Iran zuzuordnen sind, stellt sich die Frage, wie die USA reagieren werden. Bislang hatte die Regierung Donald Trump alles darangesetzt, eine militärische Eskalation zu verhindern und sich mit Warnungen und Sanktionen begnügt – auch noch im Mai nach dem Vorfall von Fudschaira.

Auch in den Staaten der US-Verbündeten in der Region steigt die Nervosität, unter anderem in Saudi-Arabien, wo die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen zuletzt sogar mit Marschflugkörpern angegriffen hatten, deren Reichweite mehrere hundert Kilometer betrug. Eines der Ziele war ein Flughafen.

Iran hält eigenes Risiko für begrenzt

Es ist auch möglich, dass der Iran bewusst im Vorfeld der geplanten Nahostkonferenz in Bahrain am 25. Juni durch Provokationen versucht, die Entschlossenheit der USA und deren Verbündeter auszutesten. Sowohl Washington als auch dessen Partner im Nahen Osten wollen eine militärische Eskalation vermeiden, zumal diese für eine flächendeckende Destabilisierung in der Region sorgen würde.

Dies ist dem Iran bewusst, weshalb das Regime in Teheran davon ausgeht, dass sein eigenes Risiko begrenzt ist. Zudem könnte das Regime die Seeleute, die man auf iranisches Territorium gebracht hatte, bei Eskalationsgefahr auch als Geiseln verwenden.

Jedenfalls könnte man mittels einer solchen Strategie der Spannung verhindern, dass die Konferenz in Bahrain zu einem Erfolg wird. Eine Friedenslösung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde oder ein entscheidender Schritt in diese Richtung könnten dem Einfluss des Iran entgegenwirken.

Sollten Länder wie Jordanien oder Institutionen wie der IWF unter dem Eindruck der Spannungen in der Region ihre Teilnahme absagen, wäre ein Scheitern der Konferenz wahrscheinlich. So hätten Teheran und seine Verbündeten wie die Terrorgruppen Hamas und Hisbollah immerhin eine Chance auf stabilere Verhältnisse vereitelt und den USA geschadet, die diese in Bahrain zu erreichen suchen.

(Mit Material von dpa und AFP)