Anhänger beider Präsidentschaftskandidaten rechnen mit Konfrontationen

Von 24. November 2004 Aktualisiert: 24. November 2004 9:27
Die Anhänger der beiden ukrainischen Präsidentschafts-Kandidaten Juschtschenko und Janukowitsch richten sich auf Konfrontation ein. Beide Seiten bauten Zeltlager in Kiew auf. Präsident Kutschma rief zu einer friedlichen Lösung auf.

Nach einer vergleichsweise ruhigen Nacht in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wächst am Mittwochmorgen die Gefahr einer Konfrontation zwischen Anhängern der beiden Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko und Viktor Janukowitsch. Während die, die den Oppositionspolitiker Juschtschschenko unterstützen, bereits seit Sonntag eine Zeltstadt auf dem Unabhängigkeitsplatz errichtet hatten, bauten die Anhänger Janukowitschs am frühen Mittwoch Zelte 500 Meter entfernt beim Stadion auf.

In der Nacht waren rund 10.000 Juschtschenko-Anhänger an einem massiven Sicherheitsaufgebot vorbei vor die Präsidialverwaltung marschiert. Sie zogen sich nach Stunden auf den Unabhängigkeitsplatz zurück. Nach Polizeiangaben demonstrierten am Abend 40.000 Menschen für Juschtschenko, der sich zuvor trotz gegenteiligen offiziellen Auszählungsstand zum Wahlsieger ausgerufen hatte. Andere Schätzungen sprachen von 200.000 Demonstranten.

Der scheidende Präsident Leonid Kutschma rief am Abend angesichts der sich stetig verschärfenden politischen Krise alle Seiten zu Gesprächen auf. Eine führende Oppositionspolitikerin, Julija Tymoschenko, nahm die Einladung an, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Sie ließ aber keinerlei Kompromissbereitschaft erkennen.

Kutschma: «Friedlich und mit Bedacht»

Auch Kutschma zeigte in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung zunächst wenig Bereitschaft, den Protest gegen das Wahlergebnis anzuerkennen. Die Massendemonstrationen in der Hauptstadt bezeichnete er als «politische Farce», die extrem gefährlich sei und zu unvorhersehbaren Konsequenzen führen könne.

Er rief aber auch zu einer Verhandlungslösung auf: «Wir sollten friedlich und mit Bedacht die komplizierte Lage erörtern und der Gesellschaft wirkliche Schritte zur Beilegung der Krise vorschlagen.» Er sei überzeugt, dass dies der einzige Weg sei, eine ausgewogene Lösung zu finden, damit die Ukraine nicht zerfalle.

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