Anschlag auf islamkritische-Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris: „Man darf sich nicht lustig machen“

Epoch Times7. Januar 2015 Aktualisiert: 7. Januar 2015 13:54

In der Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" ist es zu einer tödlichen Schießerei gekommen. Zwei vermummte Männer seien mit Kalaschnikows hineingestürmt und haben das Feuer eröffnet, berichten mehrere französische Medien.

Schüsse seien zu hören gewesen. Ein Mitarbeiter der Redaktion erzählte "20minuten.fr": "Es ist ein echtes Massaker. Es gibt Tote." Die Medien berichten von mindestens zehn Toten. 

Die Satirezeitung ist dafür bekannt, provokante Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. Damit sorgte die Zeitung schon oft für Schlagzeilen. 

Chefredakteur verteidigte Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen

Der Chefredakteur von "Charlie Hebdo", der unter dem Künstlernamen Charb firmiert, verteidigte die Karikaturen schon des öfteren. "Mohammed ist mir nicht heilig", sagte er in einem Interview in der Redaktion des Satiremagazins in Paris in 2012. "Ich werfe den Muslimen nicht vor, dass sie über unsere Bilder nicht lachen. Aber für mich gilt das französische Recht, nicht das Recht des Korans."

Damals sagte Charb auch, dass er die Veröffentlichung der Karikaturen nicht bereue und sich nicht für mögliche Gewalttaten verantwortlich fühle. "Ich gehe nicht mit Steinen und Kalaschnikows auf die Straße", sagte der Chefredakteur. "Wir hatten 1.000 Ausgaben und nur dreimal Probleme – immer, wenn wir Titelgeschichten über den radikalen Islam hatten."

Islamismus als neue weltweite totalitäre Bedrohung

Charlie Hebdo, im Zentrum von Paris, gehörte 2006 zu den wenigen Zeitschriften, welche die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Jyllands-Posten nachdruckten, erweitert um eigene Karikaturen über Muslime. Der Dachverband französischer Muslime (Conseil français du culte musulman CFCM) reichte daraufhin Klage gegen Charlie Hebdo ein. 2007 sprach das zuständige Pariser Gericht die Zeitschrift vom Vorwurf der Beleidigung frei.

In 2006 überwachte die Gendarmerie das Charlie-Hebdo-Gebäude infolge der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen.

Am 1. März 2006 veröffentlichte Charlie Hebdo das Manifest der 12, in dem sich zwölf überwiegend aus dem islamischen Kulturkreis stammende Intellektuelle gegen den Islamismus als neue weltweite totalitäre Bedrohung aussprechen. 

Ausschreitungen wegen Islam-Satire in 2012 

Im Jahre 2012, nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in dem Satiremagazin, wappnete sich auch Frankreich gegen Angriffe durch aufgebrachte Muslime. Als Vorsichtsmaßnahme schloss das Land damals weltweit rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen. Der damalige Außenminister Laurent Fabius drückte seine Besorgnis im Radiosender France Info aus. Er sei beunruhigt über die Sicherheitslage und habe angeordnet, "in all jenen Ländern, in denen es zu Problemen kommen könnte, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen".

Auch Deutschland verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen an seinen Botschaften in der arabischen Welt. Zu einzelnen Vertretungen wurde zusätzliches Personal geschickt, sagte Außenamtssprecher Andreas Peschke damals in Berlin. An Freitagen, Feiertagen in der islamischen Welt, war es in der Vergangenheit nach den traditionellen Gebeten in den Moscheen häufig zu Demonstrationen und Ausschreitungen gekommen.

Damals protestierten aufgebrachte Gläubige in mehreren Ländern gegen den islamfeindlichen Schmähfilm "The Innocence of Muslims" (Unschuld der Muslime). In Pakistan demonstrierten damals Hunderte wütende Anwälte gegen das in den USA produzierte Video. Sie durchbrachen dabei ein Tor, das auf ein Gelände in der Hauptstadt Islamabad führt, auf dem die Botschaft der USA sowie die Vertretungen anderer Staaten untergebracht sind. Die Polizei stoppte die Menge, bevor sie die noch einmal besonders geschützte US-Vertretung erreichen konnte. Auch in Indonesien, Sri Lanka und Afghanistan gingen Demonstranten erneut gegen den Film auf die Straße.

"Man darf sich nicht lustig machen"

In 2012 druckte "Charlie Hebdo" eine Reihe von Zeichnungen, die sich auf "The Innocence of Muslims" bezogen. Auf dem Titel war die Karikatur eines Muslims mit Turban im Rollstuhl zu sehen, der von einem orthodoxen Juden geschoben wird. "Man darf sich nicht lustig machen", wurde den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber prangte der Titel "Intouchables 2" in Anlehnung an den beliebten Film "Intouchables" (Die Unantastbaren), der in Deutschland als "Ziemlich beste Freunde" in die Kinos kam. Auf den Innenseiten war ein Muslim zu sehen, der ähnlich wie beim Oscar verkündete: "Die Nominierten für den besten anti-islamischen Film sind…".

Aus Angst vor Ausschreitungen wurde daraufhin die französische Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta geschlossen, berichtete die Tageszeitung "Le Monde". Auch die Botschaft in Tunis sowie zehn französische Schulen in Tunesien blieben zu der Zeit geschlossen. Außerdem sprach das französische Außenministerium eine Reisewarnung für muslimische Staaten aus und forderte Franzosen in diesen Ländern zu "erhöhter Wachsamkeit" auf.

Der damalige Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, die Meinungsfreiheit werde garantiert, forderte allerdings, sie "sollte verantwortungsvoll und respektvoll wahrgenommen werden". Auch der damalige Außenminister Fabius mahnte Zurückhaltung an. "Ist es klug, in diesem Zusammenhang Öl ins Feuer zu gießen? Die Antwort ist nein", sagte er im Radiosender France Info. Der Leiter der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, rief ebenfalls zur Ruhe auf. "Das ist erbärmlich und hasserfüllt, eine nutzlose und dumme Provokation. Aber wir sind keine Pawlow’schen Hunde, die auf jede Beleidigung reagieren", sagte er. (dpa/so) 

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