Bin Salman: Europa erkennt die islamistische Gefahr nicht – Der Westen feierte sogar bin Laden als Widerstandskämpfer

Von 9. April 2018 Aktualisiert: 10. April 2018 19:20
Sein Königreich und die Golfstaaten unternehmen sehr viel gegen den Terrorismus, meint der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman. Deswegen würden die Terroristen ihre Aktivitäten in andere Regionen verlagern, allen voran Europa. Doch die europäischen Staaten verkennen die Gefahr.

Europa ist in Gefahr, meinte der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman. Denn Islamisten würden nach Europa auswandern und ihre Ideen dort verbreiten, so bin Salman in einem Interview mit der Zeitschrift „Time“, das am 5. April veröffentlicht wurde.

„Sie hoffen, dass Europa in 30 Jahren zu einem Kontinent der Muslimbruderschaft wird, und sie wollen die Muslime in Europa kontrollieren“, erklärte er.

Dies werde viel gefährlicher sein als der Kalte Krieg, der IS oder Al-Qaida, so der Prinz weiter. 

Bin Salman: Westliche Staaten unternehmen nicht genug gegen Terroristen

In den letzten drei Jahren hätten Saudi-Arabien und auch andere Staaten des Nahen Ostens viel unternommen, um Islamisten und Terroristen zu bekämpfen. Sein Land werde in diesem Bereich auch weiterhin aktiv bleiben, kündigte er an.

Doch der Westen scheint laut bin Salman die Gefahr nicht zu erkennen. Beispielsweise bestand Saudi-Arabien in den 90er Jahren darauf, Osama bin Laden wegen seiner terroristischen Aktivitäten zu verhaften. Doch in einem Artikel des „Independent“ aus dem Jahre 1993 wurde bin Laden als Widerstandskämpfer gefeiert, der für die freie Meinungsäußerung auftrat.

Saudi-Arabien sei wegen seiner Forderung vorgeworfen worden, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, meinte der Prinz. Dieses Problem sei in den westlichen Ländern immer noch zugegen. Es reiche nicht, den Extremisten eine frei und offene Gesellschaft anzubieten – auf diese Weise könnten sie nicht bekämpft werden, so bin Salman.

Radikale Gruppierung sollten als solche anerkannt und gesetzlich als Verbrecher gekennzeichnet werden, denn ihre Ideologie habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun. Mit ihrer Ideologie machten sie Menschen zu Terroristen, erklärte er.

Wenn der Westen die Extremisten bekämpfen möchte, wiederholte der Kronprinz, müsse er sie in seinem Gesetz als Kriminelle bezeichnen.

„Werden Extremismus zerstören“

Wie wir bereits im November berichteten, versprach bin Salman, dass er den Extremismus „heute und sofort zerstören“ werde. Denn gemeinsam mit seinem Vater König Salman bin Abdulaziz will er sein Königreich transformieren – insbesondere wirtschaftlich. 

Doch um Investoren ins Land zu locken, muss die Situation stabil und offen sein, die Gesellschaft ebenfalls. Der radikale Islam stehe dem im Weg.

Nach 1979 nahm der radikale Islam Saudi-Arabien gefangen

Dieser Islam sei von Extremisten nach 1979 eingeführt worden, so bin Salman. Davor sei Saudi-Arabien ein offenes Land gewesen, in dem Frauen Autofahren und arbeiten durften, sie durften fotografiert und auch im Fernsehen gezeigt werden. Auch waren Filme, Musik und Sport für alle offen zugänglich und nicht verboten. 

Das Saudi-Arabien der letzten 40 Jahre sei nicht das wahre Saudi-Arabien gewesen, erklärte der Prinz in einem Interview mit der „CBS News“-Sendung „60 Minutes“ Mitte März. Jeder könne dies sehen, wenn er Saudi-Arabien in den 60er und 70er Jahren googelt.

Laut bin Salman ist der Extremismus in Saudi-Arabien nach der islamischen Revolution 1979 im Iran aufgekommen. Denn Ajatollah Chomeinis Ideologie des „Islamischen Staates“ habe sich in der muslimischen Welt wie ein Lauffeuer verbreitet. 

Eine Zäsur in der Geschichte Saudi-Arabiens und in der Entwicklung des globalen Islamismus war das Ereignis vom 20. November 1979. An diesem Tag besetzten rund 500 bewaffnete Islamisten aus verschiedenen arabischen Ländern die Große Moschee in Mekka und nahmen tausende Pilger als Geiseln.

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Sie forderten die Einführung der Scharia in allen muslimischen Ländern und den Sturz des saudi-arabischen Königshauses, der ihnen zu westlich und zu USA-freundlich war.“

Bei der anschließenden zwei Wochen dauernden Befreiungsaktion kamen mehrere hundert Personen ums Leben. Die nicht getöteten Islamisten wurden gefangengenommen und Anfang 1980 exekutiert. 

Um seine Macht zu erhalten, entschied sich der damalige saudi-arabische König Khalid nicht mit Gewalt auf den radikalen Islam zu reagieren, sondern ließ die wahhabitischen Fundamentalisten gewähren. Dies war der Beginn des Saudi-Arabiens, wie wir es jetzt kennen.

Wir waren Opfer, besonders meine Generation hatte darunter sehr viel zu leiden“, meinte bin Salman.

Aus diesem Grund will er Saudi-Arabien wieder zurück zu seinen Wurzeln führen, was seiner Meinung nach der moderate Islam ist:

„Wir haben Extremisten, die eine Vermischung der beiden Geschlechter verbieten und nicht in der Lage sind, zwischen einem Mann und einer Frau unter sich und ihrem Zusammensein am Arbeitsplatz zu unterscheiden. Viele dieser Ideen widersprechen der Lebensweise während der Zeit des Propheten und der Kalifen. Das ist das reale Beispiel und das wahre Modell“, so der Kronprinz.

Gesellschaft und Bildungssystem in Saudi-Arabien von Islamisten unterwandert

Nach der Besetzung der Großen Moschee änderte sich auch das Bildungssystem im Land: Es wurde konservativer und religiöser. Ein großes Problem sei dabei die Unterwanderung der saudi-arabischen Gesellschaft und des Bildungssystems durch islamistische Gruppierungen gewesen, allen voran der Muslimbruderschaft.

Die Schulen seien zu einem großen Teil von vielen Vertretern dieser Organisation „überfallen“ worden, erklärte der Kronprinz.

„Selbst jetzt gibt es noch einige Elemente. Es wird eine kurze Zeit dauern, bis sie alle vollständig ausgerottet sind“, fügte er hinzu.

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