Bloomberg widerlegt ʺFake Newsʺ-Legende: Für Trumps Wahlsieg irrelevant

Von und 26. Januar 2017 Aktualisiert: 27. Januar 2017 12:02
Haben Fake News tatsächlich den Wahlsieg von Donald Trump gefördert? US-Forscher fanden heraus: Fake News werden massiv überschätzt. Die meisten Amerikaner glaubten sie gar nicht.

Seit Donald Trumps Wahlsieg hält sich die These hartnäckig, dass „Fake News“ in sozialen Netzwerken massiven Anteil daran hatten und die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflusst haben. Zumindest wurde das von den Wahlverlierern um Hillary Clinton postuliert, ohne jedoch mit Fakten untermauert worden zu sein. Zwei US-Forscher haben nun untersucht, wie stark Falschnachrichten im Netz tatsächlich den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl beeinflussten. Und sie fanden heraus: Verschwindend gering.

Bloomberg“ berichtete über die Studie, die Hunt Allcott von der New York University und Matthew Gentzkow aus Stanford vor kurzem veröffentlichten.

Die Behauptung

Die These, dass Trump durch „Fake News“ gewonnen habe, wurde von den US-Demokraten wie folgt begründet:

  1. 62 Prozent der Erwachsenen in den USA informieren sich über soziale Netzwerke
  2. Fake News fänden stärkere Verbreitung als Tatsachen
  3. Amerikaner würden Fake News oft glauben
  4. Die meisten Fake News waren pro-Trump

Die Forscher fanden nun heraus: Punkt 1 und 4 treffen die Wahrheit. Punkt 2 und 3 sind an der Realität vorbei.

Allcott und Gentzkow stellten zunächst eine Sammlung von Nachrichten zusammen, die von Fact-Checkern als falsch eingestuft worden waren. Dann überprüften sie deren Verbreitung im Internet und befragten 1.200 Amerikaner dazu, ob sie die Geschichten gelesen, erinnert und geglaubt haben. Jeden Befragten konfrontierten sie mit 15 verschiedenen Schlagzeilen.

Zusätzlich präsentierten sie den Leuten auch erfundene Fake-Stories als Placebos, um zu überprüfen, ob die Antworten ehrlich waren.

Die Fakten:

Falschmeldungen pro Trump wurden rund 30 Millionen Mal geteilt. Fake News pro Clinton verbreiteten sich 7,6 Millionen Mal.

15 Prozent der befragten Amerikaner konnten sich noch an die Meldungen erinnern, aber nur 8 Prozent erinnerten sich daran, das Gelesene auch geglaubt zu haben.

Erfolgreichste Fake News war pro Clinton

Die erfolgreichste Falschmeldung, an die sich die meisten erinnerten, war pro Clinton. Sie lautete: „Wikileaks hat Emails mit kompromittierendem Inhalt über die Demokraten erfunden.“

Weil die echten Fake News und die fiktiven Placebos, an die sich die Befragten ebenfalls zu erinnern glaubten, ähnliche Zahlen erzielten, schlossen die Wissenschaftler, dass die Menschen ihr eigenes Erinnerungsvermögen überschätzten haben.

Sie kamen zum Schluss, dass sich nur 1,2 Prozent der Menschen überhaupt an eine Falschnachricht erinnern können. Der Durchschnitts-Amerikaner habe sich nur an 0,92 Prozent aller Trump- und an 0,23 Prozent aller Clinton-Falschnachrichten erinnert. Durchschnittlich sei pro Person nur eine Fake News im Kopf hängen geblieben – und die wenigsten Menschen hätten diese auch geglaubt

Meinungsänderung unwahrscheinlich

Nun sollte man meinen, dass ein gezielt eingesetzte Fake-Geschichte wirksamer ist als eine Menge Werbung, wirft Bloomberg ein – die Forscher sagen trotzdem, dies sei nicht der Fall. Dass ein Wähler unter den oben genannten Umständen seine Wahlentscheidung auf Grund von Fake News ändere, sei höchst unwahrscheinlich. Eine Fake-Geschichte müsste die Überzeugungskraft von 36 Werbe-Anzeigen oder Spots haben, um einen Wähler umzustimmen, so die Forscher.

Und noch aus einem weiteren Grund halten Allcott und Gentzkow den propagandistischen Nutzen von Fake News für sehr gering: Die meisten Amerikaner nutzen immer noch viel häufiger das Fernsehen als Nachrichtenquelle, als soziale Netzwerke. Nur für 14 Prozent der Menschen seien soziale Netzwerke die Informationsquelle Nummer 1.

Soziale Medien weniger mächtig, als gedacht

Auch wenn US-Präsident Trump weiterhin auf direkten Kontakt setzt und twittert, was das Zeug hält, werden die meisten Amerikaner dies auch weiterhin nicht direkt lesen, sondern über die Mainstreammedien erfahren. Da werden seine Zitate dann inklusive Meinung und Kommentar des jeweiligen Mediums unters Volk gebracht. Politiker sollten also nicht auf die vermutete Omnipotenz der sozialen Medien hereinfallen, so der Artikel weiter.

Bloomberg schließt: Allcott und Gentzkow haben gezeigt, dass die Marken und die Reichweite der traditionellen Medien immer noch stark sind – aber auch, dass es eine beträchtliche Kluft gibt, zwischen denen, die eine Meldung sehen und denen, die sie glauben. „An dieser Kluft sind wir selbst Schuld“, so Bloomberg.

Jagd auf Fake News auch in Deutschland

Wegen der international gewordenen „Fake News“-Debatte wurde Facebook unter Druck gesetzt, Falschmeldungen nicht nur in den USA aufzuspüren, sondern auch in den europäischen Ländern, in denen 2017 bedeutende Wahlen stattfinden. Facebook beauftragte damit in Deutschland die „Wahrheitsplattform Correctiv“, was unter anderem umstritten ist, weil nur sogenannte „alternative Medien“ kontrolliert werden sollen.

Siehe auch:

Facebook-„Wahrheitsprüfer“ Correctiv will nur Alternativmedien prüfen

Wurde der Begriff „Fake News“ erfunden, um Phädophilenring um Clinton und „PizzaGate“ zu vertuschen?

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