Chinas wirtschaftliche Probleme gehen weit über die US-Zölle hinaus

Von 3. Juni 2019 Aktualisiert: 3. Juni 2019 15:37
Die US-Zölle und Handelsbeschränkungen sind für China zwar schmerzlich – doch die wahren Probleme sind durch die Politik der KP Chinas hausgemacht.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt das langsamste Binnenwachstum seit fast drei Jahrzehnten. Doch obwohl Chinas wirtschaftliche Probleme tiefgreifend sind, werden sie nicht durch den Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten angetrieben, ist ein Experte überzeugt.

Die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft hat laut Derek Scissors, einem Wissenschaftler am American Enterprise Institute (AEI) und Chefökonom des „China Beige Book“, nichts mit dem Streit zwischen den USA und China zu tun.

„Es muss sich mit den langjährigen Versäumnissen bei der Reform der Produktivitätssteigerung befassen“, sagte Scissors bei einer Veranstaltung der Heritage Foundation am 30. Mai.

Die Quellen des Wachstums – Innovation, Kapital, Arbeit und – sind laut Scissors alle in „schlechter Verfassung“. Und es seien keine Anzeichen für Veränderungen am Horizont zu erkennen.

Laut Scissors zeigen die offiziellen Daten zur Wirtschaftsexpansion einen ziemlich klaren Trend: Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sank von 14,2 Prozent im Jahr 2007 auf 6,6 Prozent im Jahr 2018.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Chinas könnten jedoch gravierender sein, als es offizielle Daten vermuten lassen. Das Nationalvermögen als alternativer Indikator kann dabei viel informativer sein als das BIP.

Laut einem Bericht des Credit Suisse Research Institute wuchs Chinas Gesamtnationalvermögen von Ende 2013 bis Mitte 2018 um 26 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren, also nach der Finanzkrise, betrug das Wachstum jedoch insgesamt „nur“ 132 Prozent.

In den vergangenen 4 1/2 Jahren ist das Gesamtvermögen der USA im Vergleich dazu mit 29 Prozent schneller gestiegen als das Chinas.

„Also, China hat ein Wachstumsproblem und ist durch das offizielle BIP falsch bewertet“, sagte Scissors.

China Beige-Book-Chefökonom: „China ist kein reiches Land“

Laut Scissors liegt das offiziell verfügbare Einkommen in China nur bei einem Neuntel des US-Niveaus.

„Es ist nicht annähernd ein reiches Land. Es hat sich in den letzten neun [oder] 10 Jahren hoch verschuldet und das Wachstum hat sich im selben Zeitraum dramatisch verlangsamt“, sagte er.

Trotz der laufenden Kampagne Pekings zur Eindämmung der Risiken sei ein besorgniserregender Anstieg des Schuldenstands zu verzeichnen. Nach Angaben des Institute of International Finance liegt die Verschuldungsquote, in Bezug auf das BIP, Chinas bei fast 300 Prozent.

In den vergangenen zehn Jahren war das chinesische Regime stark von Schulden abhängig, um Investitionen und Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Seit 2016 versucht Peking, seine Schulden zu verringern und sich weniger von Neuverschuldung abhängig zu machen. Der jüngste Handelskrieg dürfte jedoch den Prozess des Schuldenabbaus dämpfen.

„Ich nehme an, der Handelskonflikt könnte China dazu bringen, noch schneller Kredite aufzunehmen“, sagte Scissors. „Das ist es, was dieses Jahr bisher passiert ist. Sie haben sich schon vorher zu Tode geborgt.“

Darüber hinaus sei China anfällig für den Devisendruck aus den Vereinigten Staaten, fügte er hinzu.

Demographische Probleme

Die alternde Bevölkerung Chinas stellt auch die Regierung vor neue Herausforderungen. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren begann 2017 zu schrumpfen.

Und Chinas Durchschnittsalter wird laut Yi Fuxian, einem leitenden Forscher an der University of Wisconsin-Madison, bis 2033 auf 47 und bis 2050 auf 56 Jahre ansteigen. Im Vergleich dazu wird das Durchschnittsalter in den Vereinigten Staaten bei 41 im Jahr 2033 und 44 im Jahr 2050 liegen.

Demographische Entwicklungen werden der chinesischen Wirtschaft viel mehr schaden als der Handelskrieg, sagte Scissors.

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Obwohl der bilaterale Handel zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika von Bedeutung ist, ist keine der beiden Volkswirtschaften für das Binnenwachstum auf den Handel angewiesen.

China ist der größte Handelspartner der USA

Im vergangenen Jahr belief sich der US-amerikanische Waren- und Dienstleistungshandel mit China auf insgesamt 739 Milliarden US-Dollar, was China zum größten Handelspartner machte. Die Exporte beliefen sich auf 180 Milliarden Dollar und die Importe auf 559 Milliarden Dollar. Dennoch entsprach der gesamte Außenhandel mit China nur 3,6 Prozent des US-BIP.

Die Vereinigten Staaten sind auch Chinas größter Handelspartner, doch der gesamte US-Warenverkehr machte 2018 nur 4,9 Prozent des chinesischen BIP aus.

Das zunehmende Durchgreifen der Trump-Regierung gegen chinesische Investitionen in den Vereinigten Staaten sowie Exportkontrollen verschärfen auch die wirtschaftlichen Probleme Chinas.

Die neue US-Gesetzgebung, die 2018 in Kraft trat, gewährte dem Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) mehr Befugnisse zur Überwachung ausländischer Investitionen in den Vereinigten Staaten. Darüber hinaus hat die Trump-Regierung auch Schritte unternommen, um weitere Beschränkungen für den Export von Hochtechnologieprodukten nach China zu erlassen.

Laut Scissors ist es noch zu früh, um die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die chinesische Wirtschaft zu quantifizieren.

„Wir haben immer noch nicht die Durchführungsbestimmungen“, sagte er. „Wir müssen die Vorschriften sehen, die im Laufe dieses Jahres herauskommen werden. Und dann brauchen wir ein Jahr lang die Daten, um die Auswirkungen zu beurteilen.“


Das Original erschien in The Epoch Times (USA) (deutsche Bearbeitung von al)
Originalartikel: China’s Economic Woes Go Well Beyond Tariffs