Das Ende der Unabhängigkeit: BBC künftig stärker von Regierung kontrolliert

Epoch Times10. Juli 2015 Aktualisiert: 10. Juli 2015 15:13
Die Pläne der britischen Regierung, die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Radio- und TV-Senders zu "überprüfen" sind für den ehemaligen BBC-Chef besorgniserregend.

Die britische Rundfunkanstalt BBC verliert in den kommenden Jahren sehr viel Geld. Der Grund dafür ist die von den Tories fortgeführte Rundfunkabgabe Befreiung für Fernsehzuschauer in Haushalten, mit mindestens einem über 75 Jahre alten Briten. Pro Haushalt sind das jährlich 145,50 Pfund (201 Euro). Der BBC entgehen dadurch Jahreseinnahmen von 650 Millionen Pfund, die ihr jeweils vom Sozialministerium ersetzt wurden.

Darauf soll künftig verzichtet werden, wie aus den Geheimverhandlungen zwischen dem Schatzkanzler George Osborne und dem BBC-Direktor Tony Hall hervorging. Die Gebühreneinnahmen von gegenwärtig 3,7 Milliarden Pfund würden damit um fast einen Fünftel sinken.

Wie die Neue Züricher Zeitung berichtet, soll als Ausgleich dafür die Rundfunkgebühr über die nächste Dekade weitergeführt und wieder mit dem Konsumentenpreisindex angepasst werden. Ein Beitrag der BBC zum Ausbau der Breitband-Infrastruktur von 80 Millionen Pfund pro Jahr soll gestrichen werden und die Rundfunkgebühr soll künftig die bisher unentgeltliche Online-Nutzung von BBC-Sendungen in einer noch zu definierenden Form erfassen. Und somit soll die Zukunft des Senders für die nächsten zehn Jahre gesichert sein, so die Zeitung. 

Die konservative Regierung kritisiert die BBC 

Der Sender wurde in den letzten Monaten vonseiten konservativer Politiker und Medien stark kritisiert. Wie die NZZ berichtet, haben viele Tories die BBC im letzten Wahlkampf linker Parteinahme beschuldigt. Im Dezember hatte Osborne selbst sich über die Berichterstattung zu seinen scharfen Sparplänen beschwert und letzte Woche griff Premierminister Cameron die BBC scharf an, weil sie die Terrorgruppe Islamischer Staat bei deren Namen zu nannte, der angeblich zu positiv klinge.

Diese Vorwürfe kommen jedoch vielmehr durch ein parteipolitisches Interesse, so die Zeitung, da die BBC gemäss ihrer Konzession zu unparteiischer Berichterstattung verpflichtet ist. Durch den Wahlsieg der Konservativen im Mai und nachdem sie überraschend die Alleinregierung übernommen hatten, schauen viele mit Besorgnis auf die bevorstehenden Entwicklungen bei der BBC.

Der Regierung fällt die seltene Chance zu, bis Ende nächsten Jahres die zehnjährige Konzession neu zu vergeben. Damit kann sie Einfluss auf die Gestalt des Senders nehmen. Die unabhängige Berichterstattung der BBC könnte stark eingeschränkt werden. 

EX-BBC Chef besorgt über künftige Entwicklungen

Auch Sir Christopher Bland, der die BBC 1996-2001 leitete zeigt sich besorgt. In einem Gespräch mit "RT", meinte er, dass die Pläne der britischen Regierung, die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Radio- und TV-Senders zu "überprüfen" die Regierung und den Sender immer weiter zusammenschweißen werden. 

"Das alles schweißt die BBC und die Regierung enger zusammen", sagte Bland zu "RT" und fügte hinzu: "Jetzt sagt die BBC das, was die Regierung von ihr will. Die BBC hat eine Geschäftsordnung. Darin sind ihre Pflichten und Funktionen festgehalten. Über die Subventionierung der Rundfunkgebühr für Menschen über 75 steht da überhaupt nichts drin. Die BBC muss sich an ihre Ordnung halten."

Über die Konzession die nächstes Jahr abläuft sagte Bland: "Es ist noch ein halbes Jahr Zeit, und es müsste diskutiert werden, wie groß die BBC sein soll, wie sie finanziert werden soll, wie sie wirtschaftlich mit Zeitungen oder solchen wie sie verbunden sein kann. Das ist eine notwendige Diskussion, die nicht geführt wurde. Das ist schon merkwürdig." (so) 

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