Der deutsche Papst Benedikt XVI.

Von 24. April 2005 Aktualisiert: 24. April 2005 14:23
Feierliche Messe zur Amtseinführung

Am heutigen Sonntag fand die feierliche Messe zur Amtseinführung für Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom statt. Anwesend waren neben den kirchlichen Würdenträger auch viele weltliche oder monarchische Staatsoberhäupter. Allen voran Bundespräsident Köhler mit seiner Gattin ebenso wie Bundeskanzler Schröder als Repräsentanten des Heimatlandes von Papst Benedikt.

In seiner Predigt sprach der neu inthronisierte Papst von der Liebe, die allein der Welt Erlösung bringen könne anstatt Gewalt. Er sprach von den inneren seelischen Wüsten, die ohne einen Glauben an Gott zur Verwüstung des Einzelnen und der Gesellschaft führen würden. Er sprach von der Erde als dem Garten Gottes, der blühen sollte und alle ernähren und nicht gemeint wäre zur Ausbeutung und Zerstörung. Die große Menge der Gläubigen feierte gemeinsam das christliche Abendmahl.

Eine Lebensgeschichte

Sie trafen sich jeden Freitag, sprachen in Deutsch miteinander. Er war der engste theologische Berater, die persönliche rechte Hand des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Am 19. April 2005 gegen 18 Uhr steigt weißer Rauch auf, die Glocken des Petersdoms läuten. Nach nur vier Wahlgängen erreicht Josef Kardinal Ratzinger die Zweidrittel-Mehrheit und damit den Höhepunkt seiner irdischen Karriere: „Habemus papam! – Wir haben einen Papst!“ Benedikt XVI. alias Josef Ratzinger ist das neue geistiges Oberhaupt für 1,1 Milliarden Katholiken. Er ist der erste deutschstämmige Papst seit 482 Jahren und spricht fließend Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Latein, ist belesen in Alt-Griechisch und Hebräisch.

Fundamentaltheologe und Dogmatiker

Am 16. April 1927 wird Josef Alois Ratzinger als Sohn eines Polizisten in Marktl am Inn, einem 2.700-Seelen-Ort in Bayern geboren. Mit 14 Jahren wird er zum Eintritt in die Hitler-Jugend gezwungen, worauf er bald seinen Austritt beantragt. Es gibt Berichte, daß er an den Treffen der Hitlerjugend nicht teilnimmt. 1943 wird der 16jährige zusammen mit seinen Klassenkameraden einer Flakeinheit in München zugeteilt. Kurze Zeit später wird er zur Grundausbildung eingezogen und nach Ungarn versetzt. Dort flieht er 1944 unter Gefahr der Todesstrafe. 1945 kommt Josef Ratzinger in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 beginnt er im Alter von 19 Jahren ein fünfjähriges Studium der Philosophie und Theologie in Freising und München. 1951 erhält der 24jährige die Priesterweihe und beginnt eine kirchliche Blitzkarriere. 1953 wird er Doktor der Theologie. Die nächsten fünf Jahre wirkt er hauptsächlich als Dozent u.a. für Fundamentaltheologie und Dogmatik. 1958 wird er Professor für Dogmatik an der Freisinger Hochschule.

Wächter des katholischen Glaubens

1977 wird Josef Ratzinger im Alter von fünfzig Jahren zum Erzbischof von München und nur drei Monate später zum Kardinal ernannt. 1981 ernennt ihn Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation, dem ältesten der neun „Ministerien“ des Vatikan und damit Hüter der Reinheit des Glaubens. Gleichzeitig wird er Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und Präsident der Internationalen Theologenkommission und holt ihn nach Rom. 2002 reicht der 75jährige seinen Rücktritt ein, um in den Ruhestand zu treten. Der Papst lehnt ab und bestätigt ihn in seinen Ämtern. Er wird Dekan des Kardinalskollegiums. Schon jetzt ist Josef Ratzinger eine der einflussreichsten und geachtetsten Persönlichkeiten in der Kirchenspitze. Nach dem Tod von Johannes Paul II. gilt der 78jährige Kardinal als einer der Hauptfavoriten. Er leitet die Begräbnisfeierlichkeiten und ruft die Kardinäle zum Konklave, der geheimen Versammlung zusammen, um den neuen Papst zu wählen. Nur die unter 80jährigen sind wahlberechtigt. 115 wahlberechtigte Kardinäle aus 52 Ländern treffen sich in der Sixtinischen Kapelle, der Päpstlichen Hauskapelle im Vatikan. Hier erschafft Michelangelo im frühen 16. Jahrhundert die Deckenfresken mit der Schöpfungsgeschichte und mahnt an der Altarwand mit seinem Werk „Das jüngste Gericht“.

„Werte in den Zeiten des Umbruchs“

Der Regensburger Bischof Müller erklärte noch vor der Papstwahl in einem Interview „Ein künftiger Papst hat nicht die Erwartungen von selbst ernannten Experten oder einzelnen Randgruppen zu erfüllen. Es geht darum, dass er authentisch das Evangelium verkündet und Gott dient. Die Kirche vertraut sich ganz dem Wirken des Heiligen Geistes an. Die Wahl des Papstes ist Liturgie. Die entscheidende Stimme hat der Hl. Geist, der die Kirche lenkt und leitet. Die Kardinäle sind Werkzeuge seines Willens.“ Der neue Papst gilt als konservativ und prinzipientreu. Er steht für die Rückkehr zu den christlichen Ursprüngen. Dies betont er u.a. auch in seinem Buch „Werte in den Zeiten des Umbruchs“. Eine Sensation vollbringt er jedoch noch vor seiner Wahl zum neuen Papst. Er gestattet konfessionsübergreifend dem 89jährigen im Rollstuhl sitzenden Begründer der internationalen ökumenischen Communauté de Taizé (Bruderschaft von Taizé, Frankreich), dem Protestanten Frère Roger am Abendmahl anlässlich der Messe zur Beerdigung Johannes Paul II. teilzunehmen und reicht ihm die Kommunion.

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