Die Friedensnobelpreisträgerin Malala: Reporter auf der Suche nach ihrer „wahren“ Geschichte in Pakistan

Von 10. Dezember 2014 Aktualisiert: 10. Dezember 2014 10:47

Auf der Suche nach der wahren Geschichte von Malala, der am 10. Dezember in Oslo der Friedensnobelpreis überreicht wird, war der Journalist und Terrorismusexperte Shams Ul-Haq schon früher in ihrer Heimat Swat.  Am 9. Oktober 2012 hatte die Weltbevölkerung für kurze Zeit den Atem angehalten, als die Nachricht von dem grausamen Attentat der Taliban an Malala auf nahezu allen Sendern des Globus verbreitet wurde. Sie war fünfzehn Jahre alt.

Erst zwei Monate ist es her, dass ihr und dem Inder Kailash Satyarthi der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde. Welche heftigen Emotionen von Neid, Misstrauen und Hass auf den Westen dieser Preis in Malalas Heimat geweckt hat, entdeckte der in Pakistan geborene Shams Ul-Haq auf seiner Reise in Swat. Hier sein Bericht:

Swat – berühmt durch Malala

Streng überwacht von dem pakistanischen Militär besuchte ich Swat in der Begleitung von einem regionalen Reporter, Shahzad Alam, mit dem ich damals im Jahr 2008 Malala besucht hatte. Shahzad zeigte mir das Haus von Malala. Meine erste Frage war natürlich, warum Malalas Haus vom Militär noch so streng überwacht wird. Dazu meinte er, dass immer noch die Gefahr besteht, dass die Besucher von diesem Haus von Taliban entführt bzw. erschossen werden.

Allgemein scheint im Moment wieder Ruhe in Swat zu herrschen. Vor dem ehemaligen Haus von Malala beginne ich das Gespräch mit dem lokalen Journalisten. Er analysiert Malalas Geschichte in seiner skeptischer Art und Weise. Ich versuche, die Wahrheit herauszuholen und frage: „Ich möchte gerne wissen, was Malala in Swat im Bereich Bildung vollbracht hat? Oder wann hat sie ihre Stimme gegen den Terrorismus erhoben?“

Er hat mich etwas komisch angeschaut und fragte: „Sind sie wirklich an der echten Realität interessiert?“ Ich erklärte ihm, dass ich von Deutschland nach Pakistan einen weiten Weg hinter mir habe auf der Suche nach der Realität. 

Er erzählte: „Als die Menschen im Juli 2007 nach Swat zurückkehrten, nachdem die Taliban von dem pakistanischen Militär bekämpft worden war, ist die Familie von Malala noch nicht zurückgekehrt, sondern erst im Dezember. Alles was Malala in diesem Zeitraum über Swat den Medien berichtete, erzählten viele Mädchen unter ähnlichen Umständen, es war alles ein inszeniertes Drama.“ 

War alles inszeniert?

Welches Drama ist es? „Die Journalisten der New York Times haben schon vor der militärischen Operation über Malala berichtet. Die Journalisten hielten sich bei Malalas Familie auf. Als sie mit IDPs (internally displaced people) diesen Ort verließen, haben sie auch die Familie begleitet. Und bei ihrer Rückkehr waren sie dabei. Das war alles vorgeplant. Malala hat ihre Stimme weder für die Bildung der jungen Frauen noch gegen Terrorismus erhoben.“

„Als sie den Nobelpreis bekam, haben weder die Zivilgesellschaft noch jemand von der Regierung, noch politische Parteien oder irgendeine Organisation Malala gefeiert.“ Ich widersprach ihm und sagte, dass die pakistanische Regierung im Rahmen der Ehrung von Malala mit dem Friedensnobelpreis eine Feier organisiert hatte. Er sagte, dass nur „Aman Jirga“ den Nobelpreis für Malala in einem kleinen Familienkreis mit ca. 25 Gästen gefeiert habe, weil ihr Vater einen Mitglied der Organisationsvorstands (Aman Jirga) ist.

„Viele Menschen in Swat hassen Malala“

„Die Menschen hier mögen Malala nicht, sie hassen sie sogar.“ „Warum?“ „Als sie und ihre Familie hier waren, hat sie nichts  Besonderes für Swat geleistet. Und man vermutet, dass Malalas Familie für eine Konspiration in Swat ausgenutzt wird und deshalb wird weltweit die Familie als ein gutes Vorbild geschildert“, meinte der Reporter.

„Malala hat bisher Millionen von Dollar für ihren Bildungs-Fonds als Spende erhalten. In Swat profitieren nur rund 100 Mädchen davon. Und diese Gelder fließen in eine Einrichtung  namens Khushal Public School Swat, deren Besitzer Malalas Vater  ist.“

„Sie kennen Malala seit ihrer Kindheit, wieso drücken Sie sich so skeptisch über sie aus?“, fragte ich. „Malala ist selbst nur ein Kind und ist unschuldig. Ihr Vater allerdings arbeitet für die Agenda der anderen, von diesen Menschen möchte er nur Geld und die Berühmtheit erlangen. Diese Ziauddin lebt im Moment wie eine Gefangene in Birmingham oder wo sie immer auch leben.“

„Ein ehemaliger guter Freund ist nach Birmingham geflogen, um sie zu treffen und er erzählte mir persönlich, dass Malala ständig überwacht wird und man hat ihm eine Möglichkeit zum Treffen verweigert. Diese Familie hat wegen Geld und Berühmtheit ihre Ehre und den Respekt in Swat längst verloren. Die Menschen aus Swat werden sie hier weder dulden noch wieder aufnehmen.“

Wird Malala und ihre Geschichte benutzt?

„Dieses Drama wird vom Westen und von Gordon Brown unterstützt. Sie benutzen Malala für das  Millennium Bildungsprogramm. [Anm. d. Gordon Brown, ehemaliger Premier in Großbritannien. Derzeit Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Bildung.] Genauso wie US-Amerikaner, die Europäer, sowie die Briten uns in der Vergangenheit ausnutzten und wie ein Taschentuch wieder weggeschmissen haben. Nach meiner Meinung, ob ich es noch erleben werde, weiß ich nicht, aber eins werden Sie sehen, nach einer bestimmten Zeit wird Malala genauso behandelt.“

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„2008 und 2009, als ich Malala mehrfach getroffen und interviewt habe, war sie in der 9. Klasse, sie war noch ein Kind und konnte sich nicht besonders gut ausdrücken. Damals als ich sie interviewt habe, musste ich ihr mehrmals erklären, wie sie sich ausdrücken sollte. Ihr Vater belehrte sie auch mehrmals. Malala selbst ist zu jung  für solche große Verantwortung, sie liest immer nur ein Skriptum des Westens vor. Deshalb hat man sie hier nicht besonders gern.“

„Sie lügt, wenn sie sagt, dass sie den Terroristen ins Gesicht so brav gesagt hat, sie sei Malala. Sie hat es nicht gesagt. Andere Mädchen, ihrer Mitschülerinnen haben auf sie gezeigt, wer Malala sei, als man sie nach Malala fragte. Danach wurde auf sie geschossen. Neben Malala wurde auch auf weitere zwei Mädchen, Schazia Ramadan und Kainat Riaz, geschossen. Sie waren genauso unschuldig. Sie waren Malalas Freundinnen. Malala hat sich nie erkundigt, wie es ihnen geht. Die beiden Familien leben hier in Swat in einer Mietwohnung im Gegensatz zu Malalas Familie, die sich in London aufhält und Millionen Dollar Spendengelder enthält.“

„Heute habe ich festgestellt, dass auch bei dem Nobelpreis  ein großes Theater gespielt wird. Die Amerikaner und der Westen haben einen Einfluss auf die Vergabe des Nobelpreises.“

Zwischen Stolz, Missgunst und Angst

In Malalas Schule Khushal Girls Highschool and College traf ich einen ehemaligen Lehrer von Malala, der mir die Schule und Klasse zeigte, wo Malala unterrichtet wurde. Er erzählte mir mit großem Stolz, was für eine gute Schülerin Malala gewesen ist und bat mich, seinen Name nicht zu erwähnen.

Eine Mitschülerin von Malala, Sobia, erzählte mir: „Wir sind sehr froh als Pakistanerinnen, dass Malala den Nobelpreis erhalten hat. Wir sind stolz darauf, dass sie die zweite pakistanische Nobelpreisträgerin ist. Ich kenne Malala von früher, sie ist sehr nett und sie hat diesen Geist, dass sie für die Frauenbildung arbeiten kann. Ich möchte auch wie Malala arbeiten und im Bereich der wissenschaftlichen Forschung einen Nobelpreis erhalten.“

„In der ganzen Welt wird gesagt, dass in Pakistan kein Frieden herrscht. Wir sind aber froh, dass eine Pakistanerin aus Swat den Friedensnobelpreis erhalten hat. Damit hat die Welt auch die Botschaft erhalten, dass die Pakistaner friedliche Menschen sind und Frieden wollen.“

Nach meiner Recherche wird die Geschichte von Malala in Swat als ein inszeniertes Drama angesehen. Darauf lachte die gesamte Klasse und sie sagten: „Wollen sie wirklich die Wahrheit wissen?“ Darauf  bat ich die Mädels, mir die Wahrheit zu sagen.

„Man sagt, dass Malala für die Bildung gearbeitet hat, aber ehrlich gesagt wissen wir nicht, was Malala geleistet hat. Es wird gesagt, dass Malalas Fonds für die Frauenbildung eingesetzt wird. Bisher wurde in diesem Sinne allerdings nichts unternommen. Wir möchten, dass sie diesen Fonds für die Frauenbildung in Swat benutzt. Hier hat sich nicht viel verändert im Bereich der Frauenbildung.“

„Es wurde doch eine Schule in Swat von Malala gegründet“, widersprach ich. „Diese Schule gab es schon vorher“, sagten sie. „Als die Taliban hier waren, hatten wir Angst und wir konnten nicht immer unsere Schule besuchen. Jetzt ist es aber nicht mehr so wie vorher.“ Noch mehr wollten die Mitschülerinnen von Malala mir nicht erzählen.

Wir sind Opfer der Terrorismus, wir sind nicht die Terroristen

Lieutenant Colonel Aqeel Ahmed Malik, Offizier für Öffentlichkeitsarbeit in Swat, sagte mir: „Was Malala angeht, ich wünschte, Sie hätten uns an einem Arbeitstag besucht. An unseren normalen Schultagen finden Sie hier hunderte und tausende Malalas in unseren Schulen und Universitäten. Die jungen Frauen haben hier die besten Bildungseinrichtungen zur Verfügung. Wir haben eine Universität in Swat und eine in Malakand.“

„Malala hat etwas für die ganze pakistanische Nation getan, was auch einen großen Eindruck hinterließ. Wie sie ihr Leben geopfert hat, ihre Ambitionen für die Verbesserung der Frauenbildung; ich glaube, sie hat unsere volle Unterstützung dafür. Sie ist eine vorbildliche Figur nicht nur in Swat, sondern im ganzen Land. Der Nobelpreis ist eine Ehre für Pakistan.“

„In die Welt kennt man wahrscheinlich  nicht den wahren Geist der Pakistaner, sie bilden lediglich ihre Meinungen basiert auf etwas, das sie zu hören bekommen, sie assoziieren uns mit Terrorismus; das hier ist eine Antwort darauf.“

„Wir als eine Nation sind Opfer der Terrorismus, wir sind nicht die Terroristen. Das ist auch, was Malala zeigte.“

Immer noch herrscht die Angst

Auf dem Platz, wo gezielt auf Malala geschossen wurde, traf ich einen Jungen, der damals hier Kricket gespielt hat. Er schilderte mir den Vorfall: „Es ging alles zu schnell, die Menschen sind in Panik geraten, da sie Angst hatten, dass sie von den Taliban erschossen werden.“ Aber mit Stolz erzählte er mir: „Das Leben muss weitergehen, wir spielen hier immer noch Kricket nach der Schule“. Aber vor Angst möchte er mir nicht noch mehr erzählen.

Shams Ul-Haq, Terrorismusexperte, schreibt für verschiedene europäische und asiatische Zeitungen. Sein Schwerpunkt ist Indien, Afghanistan und Pakistan Politik und er ist oft in diesen Ländern  in Krisengebieten unterwegs. Weitere Informationen unter www.s-haq.com