Die Kurden: Größtes Volk ohne eigenen Staat – jahrzehntelanger Kampf um Unabhängigkeit

Epoch Times22. September 2017 Aktualisiert: 22. September 2017 7:16
Die Kurden zählen 25 bis 35 Millionen Angehörigen und gelten als das größte Volk ohne eigenen Staat. Sie leben verteilt auf die Türkei, den Iran, den Irak und Syrien und kämpfen seit Jahrzehnten um Anerkennung, Autonomie oder Unabhängigkeit.

Mit 25 bis 35 Millionen Angehörigen gelten die Kurden als das größte Volk ohne eigenen Staat. Verteilt auf die Türkei, den Iran, den Irak und Syrien kämpfen die Kurden seit Jahrzehnten um Anerkennung, Autonomie oder Unabhängigkeit. Allerdings bilden die Kurden keine Einheit, sondern sind aufgeteilt in verschiedene sprachliche, konfessionelle und politische Gruppen, die sich teils untereinander offen befehden.

EIN VOLK MIT VIELEN GRUPPEN

Die Kurden leben in überwiegend gebirgigen Gegenden, die von Zentralanatolien über Nordsyrien und den Nordirak bis in den Iran reichen. Mit 12 bis 15 Millionen lebt die größte Gruppe der Kurden in der Türkei, wo sie rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Sechs Millionen leben im Iran, 4,7 Millionen im Irak und mehr als zwei Millionen in Syrien.

Zudem gibt es große Exilgruppen in Armenien, Aserbaidschan, Deutschland und dem Libanon. Die Gesellschaft der Kurden ist bis heute stark durch Stammesloyalitäten geprägt. Die Mehrheit der Kurden sind sunnitische Muslime, doch gibt es auch Christen, Aleviten und andere Religionsgruppen. Gesprochen wird eine Reihe teils stark unterschiedlicher Dialekte.

SCHWIERIGES VERHÄLTNIS ZUR ZENTRALREGIERUNG

Die Heimatländer der Kurden sehen deren Kampf um die Anerkennung ihrer Identität als Bedrohung der nationalen Einheit. Besonders die Türkei hat die Existenz der Kurden jahrzehntelang verleugnet, ihre Sprache verboten und jegliche kurdische Autonomiebestrebungen unterdrückt. Auf den Aufstand der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 1984 reagierte Ankara mit großer Härte.

In dem Konflikt wurden mehr als 40.000 Menschen getötet, zuletzt scheiterte 2015 eine Initiative zur Beilegung des Konflikts. Im Iran wurde 1946 eine kurdische Republik zerschlagen, bis heute kämpft dort die Rebellengruppe PJAK für mehr Autonomie. Auch im Irak und Syrien gab es wiederholt Aufstände, doch haben die Kurden dort inzwischen weitgehende Autonomie erkämpft.

EIN QUASI-STAAT IM NORDIRAK

Im Irak erreichten die Kurden nach dem Golfkrieg 1991 und einem Aufstand gegen Diktator Saddam Hussein weitgehende Eigenständigkeit. Mit der Verfassung von 2005 erhielt ihr Siedlungsgebiet auch offiziell den Status einer Autonomieregion mit einer eigenen Regierung, einem eigenen Parlament und einem eigenen Haushalt.

Allerdings sind die irakischen Kurden zwischen der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) gespalten, die sich von 1994 bis 1998 einen blutigen Krieg lieferten. Im Juni 2017 setzte Kurdenpräsident Massud Barsani (DPK) für September ein umstrittenes Referendum über die Unabhängigkeit der Region an.

PREKÄRE AUTONOMIE IM KRIEG

Auch in Nordsyrien haben die Kurden die Wirren des syrischen Kriegs seit 2011 nutzen können, um weitgehende Autonomie zu erreichen. Kontrolliert werden die drei Kantone der Kurden entlang der türkischen Grenze von der Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihrem militärischen Arm, den Volksverteidigungseinheiten (YPG).

Während die USA die PYD im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen unterstützen, betrachtet die Türkei die Partei wegen ihrer Nähe zur PKK als Terrororganisation. Ankara fürchtet, dass ein kurdischer Staat in Nordsyrien die PKK weiter stärkt, und hat wiederholt gewarnt, eine Abspaltung der Kurden nicht zuzulassen. (afp)

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