Protest nach der Ermordung der maltesischen Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia.Foto: MATTHEW MIRABELLI/AFP/Getty Images

Die Wahrheit in Malta bleibt im Dunkeln

Epoch Times15. Oktober 2018 Aktualisiert: 15. Oktober 2018 14:36
Der Malteser Manuel Delia setzt die Arbeit von Daphne Caruana Galizia fort. Er werde bedroht und auf der Straße beleidigt, sagt der Journalist und Blogger. "Je mehr Zeit vergeht, desto klarer wird uns, dass die Demokratie hier nicht wirklich funktioniert und der Rechtsstaat sich nicht durchsetzt. Der Regierung geht es nur um ihre eigene Macht und den eigenen Profit."

Ein Banner flattert im Wind und fordert „Gerechtigkeit“, am Boden stehen Blumen und Kerzen. Der Ort, an dem Daphne Caruana Galizia am 16. Oktober 2017 ermordet wurde, ist zu einer Erinnerungsstätte für die maltesische Enthüllungsjournalistin geworden. Auf diesem Feld blieb ihr Auto liegen, nachdem die unter dem Wagen befestigte Bombe explodiert war.

Ein Jahr nach dem tödlichen Anschlag auf die 53-Jährige sind die Auftraggeber des Mordes immer noch nicht gefunden. Und jenen, die Caruana Galizias Arbeit fortsetzen, schlägt heftiger Widerstand entgegen. „Wenn der Verantwortliche feststeht, vielleicht können wir dann ruhen und sehen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wird“, sagt Tania Attard, eine Kämpferin für die Meinungsfreiheit auf der Insel.

An diesem Tag ist sie hinaus zu dem Feld gekommen, um Blumen niederzulegen. „Ich bin sicher, dass ihnen (den Auftraggebern) nicht klar war, dass das Ganze so bedeutend und international werden würde“, sagt Attard. „Sie dachten, sie würden sie eliminieren und dann wäre alles besser. Doch der Schuss ist nach hinten losgegangen.“

Journalisten aus vielen Ländern starteten nach dem Attentat das „Projekt Daphne“, das die Recherchen der Ermordeten fortführt. Doch während im Ausland weiter recherchiert wird, werden die maltesischen Journalisten als Verräter verunglimpft. Caruana Galizia schrieb auf ihrem Blog unter anderem über Korruption, Geldwäsche und Vetternwirtschaft – Skandale, in die auch Mitglieder der Regierung und des organisierten Verbrechens involviert sind.

Der Malteser Manuel Delia setzt diese Arbeit fort. Er werde bedroht und auf der Straße beleidigt, sagt der Journalist und Blogger. „Je mehr Zeit vergeht, desto klarer wird uns, dass die Demokratie hier nicht wirklich funktioniert und der Rechtsstaat sich nicht durchsetzt. Der Regierung geht es nur um ihre eigene Macht und den eigenen Profit.“

Drei Männer sind angeklagt, die Autobombe installiert und zur Explosion gebracht zu haben. Sie sitzen in Haft und warten auf ihren Prozess. An jedem 16. eines Monats halten die Unterstützer Caruana Galizias eine Mahnwache und fordern eine vollständige Aufklärung des Mordes. Doch sobald sie irgendwo im Zentrum der Hauptstadt Valletta mit Bildern und Blumen an die Journalistin erinnern, lässt die Stadtverwaltung diese improvisierten Mahnmale wieder entfernen.

„Daphnes letzte Worte in ihrem Blog waren ‚die Situation ist verzweifelt'“, sagt Simon Busuttil, bis Juni vergangenen Jahres Chef der oppositionellen nationalistischen Partei Maltas. „Und ich habe das Gefühl, dass die Situation heute noch verzweifelter ist.“ Die Hintermänner des Mordes seien immer noch auf freiem Fuß, die von Caruana Galizia enthüllte Korruption immer noch nicht gestoppt und die darin verwickelten Personen immer noch an der Macht, sagt Busuttil und fordert, dass Brüssel sicherstellen müsse, dass in dem EU-Land Rechtsstaalichkeit herrsche.

Die Schwester der Ermordeten, Corinne Vella, kritisiert die bisherigen Ermittlungen als nicht ausreichend und fordert eine unabhängige Untersuchung. „Ein Mensch wurde ermordet, aber niemand wurde bestraft und nichts hat sich verändert“, sagt die Schwester. „Wenn es für Daphne gefährlich war, stellen Sie sich vor, wie viel schlimmer es jetzt ist.“ (afp)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion