Drohgebärden im Handelskrieg: „So blöd können wir auch“ – Analyse von Axel Retz

Von 4. März 2018 Aktualisiert: 4. März 2018 20:42
Wie Donald Trump gestern verlauten ließ, sind Handelskriege „leicht“ und sie sind auch „leicht zu gewinnen“. Da irrt Mr. President.

Mit der in der Überschrift wiedergegebenen Aussage reagierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, künftig auf Stahl und Aluminium Einfuhrzölle in Höhe von 25 bzw. zehn Prozent erheben zu wollen.

Dieser Sprachduktus erinnert an Frau Nahles‘ „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“ und kommt ausgerechnet von einem der Politiker, die sich so gerne über Donald Trumps teils rüde Wortwahl echauffieren.

Die zwischen Aufregung, Besorgnis und Entrüstung angesiedelte Reaktion der EU auf die protektionistischen Maßnahmen Washingtons und der Verweis auf das eigene, konsequente Eintreten für den freien Welthandel sind an Scheinheiligkeit allerdings kaum noch zu überbieten.

Denn die EU selbst erhebt für bestimmte Stahlprodukte aus China Strafzölle zwischen 18,1 und 35,9 Prozent http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-erhoeht-importzoelle-auf-china-stahl-a-1142151.html und für Solarpanels aus dem Reich der Mitte in Höhe von durchschnittlich 47,7 Prozent https://www.welt.de/wirtschaft/ article162448096/Die-bizarren-Schutzwaelle-der-europaeischen-Solar-Lobby.html

Es wird keine Gewinner geben

Wenn die EU nun den US-Präsidenten für seine Strafzölle an den Pranger stellen will, sollte sie nicht vergessen, dass sie selbst es sich schon längst in diesem zweifelhaften Refugium des ökonomischen Wahnsinns kommod gemacht hat. Womit es endlich geschafft wäre: Wir dürfen eine sich abzeichnende Sanktionsspirale begrüßen, bei der es – wie übrigens auch im Falle Russlands – keine Gewinner geben wird.

Wie Donald Trump gestern verlauten ließ, sind Handelskriege „leicht“ und sie sind auch „leicht zu gewinnen“. Da irrt Mr. President.

Welchen tieferen Sinn haben also die gestern verkündeten Strafzölle auf Stahl und Aluminium? Zum einen sperren sie die „bösen“ Importeure aus, die preiswerter anbieten können als die eigene, marode Stahlindustrie. Was allemal billiger kommt als die eigenen Stahlkocher zu sanieren, denn Strafzölle kosten nichts und bringen Geld in die Staatskasse, denn der Zoll fließt ja nicht den US-Stahl- und Aluminiumproduzenten zu, sondern dem Staat.

Die Katze beißt sich aber an einer anderen Stelle in den Schwanz. Denn in den USA gibt es weitaus mehr Unternehmen und Arbeitnehmer, die Stahl und Aluminium verarbeiten als solche, die sie produzieren.

Diese Unternehmen werden künftig ihre Rohware teurer einkaufen müssen, egal ob sie auf heimische oder importiere Ware zurückgreifen. Das wird letztlich der Verbraucher zu spüren bekommen. Und es wird zwangsläufig den Effekt haben, dass ausländische, Metall verarbeitende Unternehmen, die eben keine erhöhten Metallpreise zu bezahlen haben, ihre Produkte in den USA günstiger anbieten können als die dortigen Unternehmen. Und dann? Dann müsste der Präsident konsequenterweise auch auf diese Importe Strafzölle verhängen.

Was der EU getreu dem Motto „So blöd können wir auch“ ihrerseits Anlass gäbe, neben Harley-Motorrädern, Jeans, Bourbon etc. weitere US-Waren mit Einfuhrzöllen zu belegen. Der Handelskrieg wäre perfekt.

Und leider sind derzeit weder dies- noch jenseits des Atlantiks Politiker auszumachen, die über genügend Sach- verstand verfügen, um sich ausmalen zu können, dass der ganze Spuk in einer Rezession, wenn nicht gar einer Depression enden wird.

Quelle: www.private-profits.de/ Newsletter

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