Interview mit türkischem Minister beschlagnahmt – Deutsche Welle darf Ministerium nicht im Besitz des Videomaterials verlassen

Epoch Times7. September 2016 Aktualisiert: 7. September 2016 7:47
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die türkischen Behörden auf, das beschlagnahmte Material unverzüglich herauszugeben. „Das ist der schwerstmögliche Angriff auf die Pressefreiheit, wie wir ihn nur aus Diktaturen kennen“, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

Nach einem Interview zwischen einem Deutsche Welle Reporter und einem türkischen Minister für die DW-Sendung „Conflict Zone“ mit Michel Friedman, wurde das Videomaterial von türkischen Behörden beschlagnahmt. Das Gespräch wurde in Kilic am Montagabend durchgeführt.

„Nachdem der Minister den Raum verlassen hatte, teilte der Pressesprecher des Ministers überraschend mit, dass die DW das Interview nicht senden dürfe“, teilte der Auslandssender mit. Nach Protesten des Deutsche-Welle-Teams in Ankara sei das Videomaterial von Mitarbeitern des Ministeriums konfisziert worden.

„Dabei wurde dem Team der DW klar bedeutet, dass sie das Ministerium nicht im Besitz des Videomaterials verlassen dürften“, teilte der Sender weiter mit.

Die Deutsche Welle forderte die türkischen Behörden zur sofortigen Herausgabe des Videomaterials auf. Sie prüft zudem mögliche rechtliche Schritte. Das Ministerium in Ankara äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorfall.

DW-Intendant Peter Limbourg sprach von einem „neuen eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit in der Türkei“ und kritisierte: „Was wir hier erleben, erfüllt den Tatbestand der Nötigung durch die türkische Führung. Das hat mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nichts mehr zu tun.“ Es könne nicht sein, dass ein Minister bereitwillig ein Interview gebe und dann dessen Ausstrahlung verhindern wolle, „weil ihm die Fragen nicht gepasst haben“.

DW-Sprecher Christoph Jumpelt sagte auf Anfrage: „Wir haben unverzüglich noch gestern Abend die Deutsche Botschaft in Kenntnis gesetzt.“ Er betonte, dem Team sei „mit keiner Silbe erklärt worden“, warum das halbstündige Interview nicht gesendet werden dürfe.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die türkischen Behörden auf, das beschlagnahmte Material unverzüglich herauszugeben. „Das ist der schwerstmögliche Angriff auf die Pressefreiheit, wie wir ihn nur aus Diktaturen kennen“, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das Auswärtige Amt müsse sich einschalten.

Die Deutsche Welle beschreibt ihre Sendung „Conflict Zone“ als Format mit „konfrontativen Interviews mit internationalen Entscheidungsträgern“. Kilic (40) wurde im nordrhein-westfälischen Siegen geboren. Später besuchte er die Deutsche Schule in Istanbul. Er ist seit Ende 2013 Jugend- und Sportminister. (dpa)

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