„Charlie Hebdo“-Massaker: Auch Muslime sind unter den Opfern

Epoch Times8. Januar 2015 Aktualisiert: 8. Januar 2015 14:31

Unter den Opfern des Terroranschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" befinden sich auch zwei Muslime. Dabei handelt es sich um den Polizei-Beamten Ahmed Merabet und den Korrektur-Leser von "Charlie Hebdo", Mustapha Ourad, berichtet die Zeitung Le Monde.

Auch die vier Zeichner Charb, Wolinski, Cabu und Tignous sind nach Informationen aus Justizkreisen unter den Todesopfern.

Die Opfer wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem Überlebenden des Anschlags identifiziert. 

Da auch Muslime unter den Toten sind, scheint es, als spiele die Religion bei diesen Anschlägen nicht die Hauptrolle.

Nicht nur der Islam war Ziel des Spotts

Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" ist inhaltlich mit dem deutschen Satiremagazin "Titanic" vergleichbar und sorgt seit Jahren immer wieder für Skandale. Die Redaktion veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen.

Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem von den Behörden verbotenen Vorgängerblatt "Hara-Kiri" hervor. Die Autoren und Zeichner scherten sich nie um politische Korrektheit, wenn sie ihre Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch gegen Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer ritten.

Das zwischen Ende 1981 und 1992 wegen Geldmangels vorübergehend eingestellte Blatt war Stammgast vor den Gerichten des Landes. So gab es beispielsweise auch Klagen nach einer bitterbösen "Papst-Sonderausgabe".

Die Crème de la Crème der französischen Zeichner ist tot

Die vier Zeichner die beim Anschlag von Paris getötet wurden, gehörten zu den besten Karikaturisten Frankreichs.

– CHARB: "Ich würde sie ja gern einstellen, aber ich habe was gegen die Farbe ihrer… – äh – … Krawatte", sagt ein Personalchef zu einem schwarzen Bewerber, der traurig blickt. Stéphane Charbonnier alias Charb, Jahrgang 1967 und Verlagsleiter des "Charlie Hebdo", hat sich mit respektlosen Kampagnen für die Chancengleichheit von Zuwanderern eingesetzt.

In Frankreich recht bekannt ist seine Comicserie "Maurice et Patapon". Maurice ist ein bisexueller anarchistischer Hund, der Exkremente liebt und lüstern ist. Patapon ist eine asexuelle Katze mit faschistischen Ansichten, die Tod und Leiden schätzt, aber nur bei anderen. Charbs Kolumne in "Charlie Hebdo" hatte den Titel "Charb n’aime pas les gens" ("Charb mag die Menschen nicht").

– WOLINSKI: Georges Wolinski, 1934 im nordafrikanischen Tunis geboren, zeichnete seit mehr als 50 Jahren. Neben der "Charlie Hebdo" gehörten auch die sozialistische Parteizeitung "L’Humanité" und die inzwischen eingestellte Tageszeitung "France Soir" zu seinen Auftraggebern.

Sein bekanntestes Werk ist die Serie "Paulette", die er in den frühen 70er Jahren als Autor mit dem Zeichner Georges Pichard entwickelte. Die Titelheldin ist eine junge Milliardenerbin, die Vergewaltigern und Folterknechten in die Hände fällt. In vielen Karikaturen Wolinskis spielt der Kampf der Geschlechter eine große Rolle. In einer zeigt eine Frau in durchsichtiger Unterwäsche stolz das Wort "Freiheit", das als Handschelle ihre Hände zusammenkettet.

– CABU: Jean Cabut, Jahrgang 1938, war ein Grandseigneur der Comicszene. In der Kultzeitschrift "Pilote" begann seine Serie "Le Grand Duduche" bereits 1963. Sein junges Alter Ego mit Seitenscheitel, Nickelbrille, Jeans und Basketballschuhen machte Cabu bekannt. Die Comicfigur geht mit der Zeit, wird schließlich Anhänger der Umweltbewegung und macht unangenehme Erfahrungen mit Polizeigewalt.

Cabu – inzwischen bei "Charlie Hebdo" und "Le Canard Enchaîné" Zeichner – ähnelte seinem jüngeren Helden auch noch optisch sehr stark, als er auf die 80 zu ging. Eine seiner Karikaturen war überschrieben mit: "Es gibt keinen Gott!" Darunter stehen der Papst, ein Mullah und ein Mann mit dem typischen Hut jüdischer Orthodoxer, alle drei schwer bewaffnet. Der Mann mit dem Turban droht: "Doch!"

– TIGNOUS: Bernard Verlhac, Künstlername Tignous, wurde 1957 geboren. Auch er setzte auf eine drastische Bildsprache. Bei einer Karikatur steht ein dicker Europäer mit saurer Miene am Stacheldraht der EU-Außengrenze. Hinter der Absperrung wartet eine große Menge schwarzer Menschen. "Kaum lässt man Amadou und Miriam (bekannte Weltmusiker aus Westafrika) herein, ist das hier ein Saustall!"

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