Ehemaliger Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs laut „Spiegel“ unter Korruptionsverdacht

Epoch Times29. September 2017 Aktualisiert: 30. September 2017 6:33
Ocampo bestätigte dem "Spiegel" nach dessen Angaben, 750.000 Dollar erhalten zu haben. Die Zusammenarbeit sei nach drei Monaten beendet worden.

Der langjährige Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Luis Moreno Ocampo, gerät ins Zwielicht. „Spiegel Online“ berichtete am Freitag, interne Unterlagen, die der französischen Enthüllungsplattform Mediapart zusammen mit zehntausenden weiteren Dokumenten zugespielt worden seien, zeigten, dass Ocampo nach dem Ende seiner Amtszeit einem libyschen Ölmilliardär dabei geholfen habe, der möglichen Strafverfolgung durch seine Nachfolgerin Fatou Bensouda zu entgehen.

Der „Spiegel“ hat das Material nach eigenen Angaben zusammen mit dem europäischen Recherchenetzwerk EIC ausgewertet. Im April 2015 unterzeichnete Ocampo demnach einen Vertrag über drei Millionen Dollar (2,55 Millionen Euro) mit dem Geschäftsmann Hassan Tatanaki. Ziel sei es laut einem damaligen Strategiepapier gewesen, den in den libyschen Bürgerkrieg verstrickten Unternehmer „vor Strafverfolgung zu schützen“.

Tatanakis Name tauchte dem Bericht zufolge damals bei Recherchen der Strafverfolger am IStGH in Den Haag auf. Ocampo lieferte dem „Spiegel“ zufolge konkrete Hinweise, wie der Geschäftsmann möglichen Ermittlungen des Gerichtshofs entgehen könnte. Dabei habe sich der Argentinier auf Insiderinformationen gestützt, die ihm Mitarbeiterinnen des Gerichts zur Verfügung stellten.

Ocampo bestätigte dem „Spiegel“ nach dessen Angaben, 750.000 Dollar erhalten zu haben. Die Zusammenarbeit sei nach drei Monaten beendet worden. „Was ich getan habe, war nicht nur legal, sondern auch richtig“, sagte Ocampo demnach.

Den Dokumenten zufolge besaßen Ocampo und seine Familie Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln, in Panama und in Belize – mindestens eine davon bereits während seiner Zeit als Chefankläger. Ocampo sagte auf Nachfrage des Magazins, seine Familie habe mit den Offshorefirmen keine Steuern hinterzogen. „Offshorefirmen sind nicht illegal“, hob er laut „Spiegel“ hervor.  (afp)

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