Ein Blick nach Seattle: In „autonomer Zone“ herrscht Gesetzlosigkeit

Von 19. Juni 2020 Aktualisiert: 21. Juni 2020 16:00
In der "autonomen Zone" in Seattle herrscht die Gesetzlosigkeit. Die Bewohner der Zone sind den Besatzern schutzlos ausgeliefert. Einige Bewohner der CHAZ tragen Waffen, die Polizei hat keinen Zugang.

Inmitten der US-amerikanischen Stadt Seattle liegt die selbsternannte „Autonome Zone Capitol Hill“ – auch CHAZ genannt. Die Linksextremisten besetzen die Zone, nachdem sich die Polizei am 8. Juni aus dem ungefähr sechs Häuserblocks umfassenden Areal um das östliche Polizeirevier am Capitol Hill zurückgezogen hatte. Die Besetzer erklärten die Zone zu einem polizei- und staatsfreien Gebiet und veröffentlichten eine Liste von Forderungen, die getroffen werden müssten, damit die Zone wieder aufgegeben wird – gefordert wird unter anderem auch die Auflösung des Seattle Police Departments.

All dies geschah nach den teils gewalttätigen Protesten nach dem Tod von George Floyd. Der Afroamerikaner ist während eines Polizeieinsatzes ums Leben gekommen.

Die „autonome Zone“ umfasst etwa sechs Häuserblöcke und einen Park. Jenny Durkan, die demokratische Bürgermeisterin der Stadt, vergleicht die Lage in der Zone mit einem „Musikfestival“ oder einer „Blockparty“. Doch die Realität ist nicht so rosig, wie sie von manchem dargestellt wird. Es gibt zahlreiche dokumentierte Berichte über Gewalt, Einschüchterung und sogenannte „Warlords“, die dort ähnlich wie in einem Polizeistaat herrschen.

Das erste, was nach dem Betreten der „polizeifreien“ Zone ins Auge fällt, sind die Graffiti. Anarchistische Symbole sind auf fast jede Oberfläche gesprüht oder mit Kreide aufgekritzelt. Es gibt „Black Lives Matter“-Graffiti, Revolutions-Parolen und Anti-Polizei-Schmierereien.

Einige der Besatzer fordern das „Ende Amerikas“, während andere Dinge sagen wie: „Holt euch eure Zukunft zurück!“

Die Bewohner der CHAZ haben Zelte und öffentliche Toiletten aufgestellt. Mittlerweile wurden auch Stände für kostenloses Essen – aus Spenden – sowie kostenpflichtige Essensstände aufgebaut. Es gab schon Versuche Lebensmittel in der Zone anzubauen. Zudem wurden behelfsmäßige Barrikaden errichtet, um das Gebiet von der Außenwelt abzuschotten. Die Organisation Demokratische Sozialisten Amerikas in Seattle hat im Inneren der Zone einen Stand eingerichtet.

Polizei lahmgelegt

Die Reaktionszeit der Einsatzkräfte der Stadt ist durch den Verlust ihres östlichen Bezirksgebäudes enorm eingeschränkt. Was äußerst Besorgniserregend für die Anwohner ist. Auch örtliche Unternehmen sind davon betroffen, darunter Trader Joe’s.

Die Lebensmittelkette kündigte am Samstag (13.6) an, den Standort des Unternehmens in Capitol Hill auf unbestimmte Zeit zu schließen. „Wegen der anhaltenden Unruhen in der Gegend“ müsse die Firma zusperren. Am Dienstag (16.6) gab ein Sprecher von Joe’s in einer E-Mail an den Radiosender KUOW jedoch bekannt: Das Geschäft werde in ein oder zwei Wochen nach einem Umbauprojekt wiedereröffnet werde, um Sicherheitsbedenken auszuräumen. Die Beschäftigten würden in dieser Zeit weiter bezahlt.

Die Polizeichefin von Seattle, Carmen Best, sagte: Die Polizeieinsätze hätten sich nach der Besetzung der Zone verdreifacht. Notrufe kämen auch aus dem Gebiet, dass für die Polizei „unerreichbar“ sei. Es gebe „Vergewaltigungen, Raubüberfälle und alle Arten von Gewalttaten“.

Notrufe, doch keine Polizei kommt

„Car Tender“ ist eine Autowerkstatt in Capitol Hill und liegt etwa 100 Meter außerhalb der CHAZ. Am Sonntag (14.6) wurde dort eingebrochen. Dem Besitzer und seiner Familie gelang es, den Verdächtigen festzuhalten. Der Kriminelle versuchte, Bargeld zu stehlen und den Laden in Brand zu stecken. Die Ladenbesitzer mussten die Person aber freilassen, da die Polizei selbst nach mehreren Notrufen nicht kam.

Matt McDermott, der Sohn des Eigentümers, sagte, sie seien von Nachbarn informiert worden, dass jemand auf ihrem Parkplatz mit einem Hammer versuchte in ihr Geschäft einzubrechen. „Wir haben mehrmals die Polizei angerufen, aber es gab keine Antwort – sie sind nie gekommen“, sagte McDermott gegenüber der Epoch Times. „Es ist wirklich entmutigend, wissen Sie? Wenn man anruft, hofft man, dass sie auftauchen.“

McDermott sagte auch, er wisse, „dass die Polizisten helfen wollen, aber aus politischen Gründen nicht können.“ Er hoffe, dass das Büro der Bürgermeisterin und das Büro des Gouverneurs zusammen eine Lösung finden, „damit die Polizeikräfte zurückkommen und den Bürgern helfen können“. „Es wird nach ihnen verlangt, sie werden gebraucht, und sie wollen auch hier sein“, sagte er mit Blick auf die Polizei.

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Als die Familie den Verdächtigen festhielt, erschien eine Gruppe aus der CHAZ und verlangte den Verdächtigen gehen zu lassen. „Zwischen 500 und 1.000 Menschen drohten damit, uns umzubringen, wenn wir den Kerl nicht gehen ließen, den wir beim Versuch unser Gebäude niederzubrennen, erwischt hatten“, sagte McDermott.

Videos zeigen Randalierer, die den Zaun des Geschäfts niederreißen und auf das Grundstück stürmen. Einige der Aktivisten versuchten, die Angreifer zurückzuhalten.

Der Feuerwehrchef von Seattle, Harold Scoggins, sagte: Die Feuerwehr prüfe derzeit, warum niemand auf den Notruf reagiert habe.

Die „Bewegung“ verändert sich

Ein Bewohner der CHAZ sagte unterdessen, er und einige andere die er kenne hätten sich dafür entscheiden, woanders zu bleiben. Die Person wollte im Gespräch mit dem Nachrichtensender KIRO 7 anonym bleiben und sagte: Der Protest sei inzwischen „eine andere Bewegung“ geworden.

US-Präsident Donald Trump hat Bürgermeisterin Durkan und Jay Inslee, den Gouverneur von Washington, beide Mitglieder der Demokratischen Partei, aufgefordert wieder Ordnung in der Stadt zu schaffen und die Besatzer aus dem Gebiet zu vertreiben. Trump hat die Besatzer als „inländische Terroristen“ bezeichnet.

Die Bewohner der CHAZ scheinen niemanden zu akzeptieren, der ihre Anschauungen nicht teilt. Ein Mann, der eine amerikanische Flagge trug, wurde von einem wütenden Mob gewaltsam aus der Zone vertrieben, wie ein von der Epoch Times dokumentiertes Video zeigt.

In einem anderen Video ist zu sehen, wie ein Mann mit einem MAGA-Hut (Make Amerika Great Again) und einer Fahne, von CHAZ-Leuten umzingelt wird. Dem Mann wurde die Fahne aus den Händen gerissen und er wurde gewaltsam aus dem Gebiet geworfen.

Ein „Warlord“ als Anführer

Es gibt einige Videos von bewaffneten Personen innerhalb der CHAZ. Eine Person gewinnt dabei besonders an Bedeutung – ein lokaler Hip-Hopper. Er ist einer der Anführer in der Zone und wird als „Warlord“ bezeichnet.

Der Rapper Raz Simone, dessen richtiger Name Solomon Samuel Simone ist, wies in einem Interview mit der Epoch Times am Samstag (13.6) innerhalb der Zone, die Bezeichnung „terroristischer Warlord“ zurück – Online-Berichte zeichnen von ihm aber ein anderes Bild.

In der ersten Nacht, nachdem die Polizeistation in dem Gebiet verlassen wurde, schrie Simone, der eine AK-47 auf der Schulter und eine Pistole an der Hüfte trug, in ein Megafon: „Das ist Krieg!“ Danach wies er „bewaffnete Paramilitärs an, die Barrikaden schichtweise zu bewachen“, berichtete „City Journal“, ein politisches Magazin der Stadt. Simone bestritt damals, eine Schusswaffe getragen zu haben.

„[Ich bin] definitiv kein terroristischer Warlord, oder ein Monarch oder etwas von den anderen Bezeichnungen die sie mir gegeben haben. Das ist völlig falsch“, sagte Simone gegenüber der Epoch Times.

„Als ich es in den Nachrichten sah, krümmte sich ein Teil von mir vor Lachen. Ein anderer Teil von mir dachte: ‚Das ist eine beängstigende Anschuldigung‘. Ich weiß, was das anrichtet – das ist wie eine Hundepfeife für jeden patriotischen Amerikaner. Die kommen hierher und wollen den terroristischen Warlord auslöschen.“

In einem Video ist offenbar zu sehen, wie Simone einer anderen Person innerhalb der Zone ein Gewehr aushändigt. Laut dem Journalisten Andy Ngo „sind Waffen, Gewehre und Drogen in und um die ‚No Cop‘-Zone allgegenwärtig“.

Laut „The Washington Times“ gibt es verschiedene Twitter-Accounts, die Simone als eine Art Warlord in Seattle porträtieren. In diesen Porträts hat er die Polizei und die Stadtbehörden ersetzt. Ein Video von Simone zeigt, wie er versucht, einen Mann am Sprühen von Graffiti zu hindern – danach eskaliert die Lage.

Simone, der während des Interviews eine Pistole bei sich trug, behauptete: Er trage die Waffe nur „zur Selbstverteidigung“.

Das Original erschien zuerst in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von so)
Originalartikel: Inside Seattle’s Lawless, Self-Declared ‘Autonomous Zone’

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