Enteignet und 7 Jahre in China inhaftiert: Deutscher Ex-Millionär warnt vor den Lügen des kommunistischen Regimes

Von und 25. März 2020 Aktualisiert: 29. März 2020 15:18
Vom Jungunternehmer zum Millionär – und plötzlich wird daraus ein Höllentrip mit Haft, Folter und Zwangsarbeit in Dongguan, einem chinesischen Gefängnis. Der deutsche Geschäftsmann Robert Rother erlebte in China Höhen und Tiefen und fand, nachdem er alles verloren hatte, tief in sich etwas, das sein ganzes Leben veränderte. Zur aktuellen Situation in Bezug auf den Coronavirus betonte Rother: "Das, was man erfährt, ist wohl nur die Spitze des Eisberges".

Die Geschichte von Robert Rother aus Nordrhein-Westfalen hört sich an wie eine filmreife Hollywood-Geschichte. Mit 13 Jahren legte er sein erstes Aktiendepot an, gründete mit 17 zusammen mit Partnern seine erste Firma (eine Investmentfirma) und brach die Schule kurz vor dem Abitur ab.

2004 wanderte er – gerade mal 21 Jahre alt – nach China aus. Wenn er damals gewusst hätte, dass er in China von den 15 Jahren, die er dort leben wird, sieben Jahre und sieben Monate in einem chinesischen Gefängnis verbringen, gefoltert und zu Zwangsarbeit genötigt wird, hätte er sich sicherlich anders entschieden.

„Ich war jung und voller Tatendrang, hatte Bock auf Karriere, Partys, Frauen und Millionen“, beschreibt Rother seine damalige Lebenseinstellung. In China angekommen lernte er Sissy, eine 16 Jahre ältere Australierin chinesischer Abstammung kennen, die als Geschäftsfrau in China lebte.

Sie wurde Roberts erste Geschäfts- und Lebenspartnerin in China. Sie genossen das Leben, obwohl es geschäftlich nur mittelmäßig lief. Dann kam der Bruch. Seine ersten Unternehmungen in China trugen keine Früchte. und auch die Beziehung zur Australierin ging entzwei.

Chinas Polizei schaute dem Markenklau zu

Er startete ganz von Neuem in China, indem er Plagiatsware nach Europa und in die USA verschickte. Die Ware bot er über eine Webseite in Hongkong an. So hielt er sich über Wasser und verstand plötzlich, wie die Geschäfte in China liefen. Die gefälschten Handtaschen kaufte er auf dem Markt und verkaufte sie für das Vierfache über das Internet.

Die Polizei war überall auf dem Markt, aber sie schaute dem Markenklau zu. Laut Rother waren die Händler der Fake-Ware sogar stolz darauf: „Schaut, das können wir alles herstellen“.

Er begriff nun, wie China tickte und dachte, „dass im Grunde alles legal war, solange die Regierung in Peking das Gefühl hatte, Herr der Lage zu sein und ihre Lakaien im Rest des Landes auf die eine oder andere Weise davon profitierten“.

Erster Goldrausch in Shenzhen – Umsatz steigt auf 100 Millionen Dollar

Mit dem Handel von Schmuck und Diamanten erlebten er und seine chinesische Lebens- und Geschäftspartnerin Angelina, die neue Frau an seiner Seite, den ersten Goldrausch ihres Lebens.

Manchmal hatte er zwar mulmige Gefühle und er fragte sich, woher dieser oder jener Batzen Geld kam, den seine chinesische Geschäftspartnerin anbrachte, oder wie sie es angestellt hatte, diese oder jene Genehmigung von den Behörden zu erhalten.

Doch er begann, weil ihm das Nachfragen nicht behagte, diese Gefühle schon im Ansatz zu ersticken. „Bis ich gar keine mehr hatte.“ Es war für ihn auch bequemer, keine Fragen zu haben.

Dann baute er mit ihr zusammen in Shenzhen eine Investmentfirma auf. Gerade zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise nach der Lehman-Pleite, die sich auch in China niederschlug, explodierte sein Geschäft regelrecht. Berauscht vom Erfolg waren beide „dem Größenwahn oft gefährlich nah“, beschreibt er die Situation.

Rother kauft seinen ersten Ferrari

Während der Finanzkrise stellte Rother chinesischen Firmen Kredite bereit, damit sie ihre Angestellten weiter bezahlen konnten und nicht bankrottgingen. Viele Chinesen hatten Geld im Ausland, und die anderen hatten Geld im Inland. Alles war damals von der Regierung blockiert worden. Er fungierte mit seiner Firma jetzt als Mittelsmann, um diese Geldtransaktionen zu starten. Damit hat er damals viel Geld gemacht.

Am ersten Tag waren es knapp 800.000 Dollar, berichtet er. Er kaufte dann seinen ersten Ferrari. Dabei ging es ihm auch darum, die richtigen Kunden zu treffen. Das Auto war eine Eintrittskarte in die High Society von China. Denn über den Ferrari wurde er Mitglied im Ferrari Owners Club, dem in Shenzhen damals die 50 Ferrari-Besitzer der Stadt angehörten.

So wurde er Teil eines Netzwerkes und konnte weitere Kontakte aufbauen. Die Geschäfte liefen gut und der Umsatz seiner Firma explodierte – von einer Million auf 100 Millionen Dollar innerhalb von einem Jahr.

Kontakte bis hoch in die Regierung und zu reichen Geschäftsleuten

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Das schuf neue Möglichkeiten. Er fand Kontakte bis hoch in Regierungskreise und zu reichen Geschäftsleuten. Er baute dann in China ein Internetportal auf, das chinesische Kapitalmarktinformationen – auf Englisch übersetzt – bereitstellte. Von der chinesischen Regierung erwarb er dazu Lizenzen. „Diese Webseite war drauf und dran, sehr erfolgreich zu werden“, berichtet Rother. „Ich habe viel Geld investiert“, so der Unternehmer.

Aber dieses Projekt gefiel der Regierung in Peking anscheinend nicht. Einen Monat vor seiner Verhaftung kam ein Bekannter auf ihn zu. Dieser meinte: „Robert, guck mal, was du hier machst mit deiner Webseite – das gefällt der Regierung in Peking nicht. Die wollen die Seite schließen.“

Doch er nahm den Hinweis seines Bekannten nicht wirklich ernst. „Ich habe mir gesagt: Okay, ich habe die Lizenz. Ich habe hier rechtlich alles sauber gemacht und habe die Verträge. Ich habe alles richtig gemacht, mir kann nichts passieren.“ Später merkte er, dass das in China alles keinen Wert hat. Dann wurde er festgenommen und man sagte ihm nicht den Grund.

Mehrere Geschäftsleute aufgrund von Korruptionsvorwürfen eingesperrt

Als er im Gefängnis war, hörte er von chinesischen Häftlingen, dass viele weitere Geschäftsleute aufgrund von Korruptionsvorwürfen oder Betrugsvorwürfen einfach eingesperrt worden seien. Was alle gemeinsam gehabt hätten war, dass sie in einem Nischenbereich auf dem chinesischen Markt sehr erfolgreich gewesen waren. Das chinesische Regime übernahm nach den Festnahmen dann einfach die Unternehmen.

„Der Hinweis von meinem Bekannten war mehr als eine Warnung – die Firma dichtzumachen, ein paar Millionen einzusacken und mich nach Deutschland aus dem Staub zu machen“, denkt er heute. Rückblickend gesteht er sich ein, in seiner „Blase“ an maßloser Selbstüberschätzung gelitten zu haben, weshalb er blieb.

Regierung sah ihn als Staatsfeind

Ihm wurde bewusst, dass sich die kommunistischen Machthaber unter keinen Umständen gefallen lassen konnten, dass er die chinesische Börse ohne Berücksichtigung der chinesischen Regierungsinteressen analysierte. Mit seiner Internetseite konnte er Meinungen beeinflussen und Stimmung machen – und das außerhalb der Kontrolle der Regierung.

„Daher sah man mich als eine Art Staatsfeind und sägte mich ab“, erklärt sich Rother die Hintergründe. Die chinesische Regierung schloss seine Firma und beschlagnahmte kleine Teile seines Vermögens.

Der Großteil seines millionenschweren Eigentums wurde von der Polizei nach Darstellung Rothers aus seiner Wohnung gestohlen oder verschwand in dunklen Kanälen, hinter denen der chinesische Staat gesteckt haben muss.

Rother: „Polizisten entwendeten  300.000 Dollar Bargeld, 50 Karat Diamantschmuck…“

Noch am Tag seiner Verhaftung seien sie in seine Wohnung gegangen. „Sie nahmen 300.000 Dollar Bargeld, 50 Karat Diamantschmuck von meiner Freundin, meine Uhrensammlung, die auch alleine 250.000 Dollar wert war, und den ganzen Luxus, Handtaschen, ja alles nahmen sie für sich selbst mit“, erzählt Rother im Gespräch mit der Epoch Times.

Dem Richter erzählte er auch davon. Der sagte: „Okay, dann untersuchen wir den Fall.“ Er beauftragte allerdings genau die Polizeibeamten mit der Untersuchung, die seine Wohnung ausgeräumt hatten. Die Polizeibeamten „fanden dann heraus“, dass sie mit dem Raub nichts zu tun hatten – und das war’s.

Im Gefängnis erfuhr er von einem anderen Insassen, dass dies generell so gehandhabt würde. „Wenn einer in Untersuchungshaft kommt, wird als erstes die Wohnung von dem Festgenommenen von der Polizei ausgeraubt“, berichtete damals der Gefängnisinsasse.

Taiwanesischer Geschäftsmann zeigte ihn und seine Partnerin wegen Millionenbetrugs an

Später im Gefängnis erfuhr Rother, dass ein taiwanesischer Geschäftsmann ihn angezeigt hätte. Rother und seine Geschäftspartnerin sollen sein Geld veruntreut haben. „Er hatte bei uns 16 Millionen US-Dollar investiert und für ein Jahr das Geld fest bei uns angelegt. Nach zwei Monaten kam er wieder und meinte, dass er sein Geld zurück bräuchte. Wir hatten einen unterschriebenen Vertrag, schwarz auf weiß“, verdeutlicht Rother.

„Wir haben ihm nur die Hälfte wieder ausgezahlt, weil wir die andere Hälfte bereits investiert hatten und die acht Millionen Dollar nicht so schnell beschaffen konnten, um sie ihm zurück zu zahlen. Aber dann hat er sehr viel Druck aufgebaut und wollte sein restliches Geld zurückhaben.“ Nach seinem Gefängnisaufenthalt erfuhr Rother, dass dieser Mann in Taiwan verhaftet wurde.

Er soll Hunderte Millionen von US-Dollar aus dem Versicherungskonzern, den er führte, für sich abgezogen haben – also Kundengelder veruntreut haben. Er wurde in Taiwan zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, erklärt Rother im Interview.

Alles, was dieser gegenüber der Polizei gegen Rother ausgesagt haben soll, wäre gelogen gewesen. „Das ist hinterher rausgekommen, als ich schon meine Haftstrafe absaß. Aber es interessierte das Gericht nicht. Wenn du in China verurteilt bist, bist du verurteilt“, so Rother. Damals wären auch keine Zeugen durch das Gericht vernommen worden, erklärt der Unternehmer.

U-Haft wurde immer wieder verlängert – Rother: „Sie wollten nur, dass ich psychisch kaputt gehe“

Und er berichtet weiter: „Die Polizei hat mich 13 Monate lang in Untersuchungshaft festgehalten“. In der Zeit durfte der Anwalt von Rother nicht die Akten einsehen. „Es ist nach chinesischem Gesetz verboten“, erklärt er. In den 13 Monaten setzte man ihn systematisch unter Druck. Man wollte, dass er den offiziellen Grund für seine Anklage, nämlich Vertragsbruch, gestand und sagte: „Okay, ich bin schuldig“ – oder dass er mit dem Finger auf seine Partnerin zeigt und erklären würde, dass sie schuldig sei.

Allerdings habe er keinen Vertragsbruch (so die spätere Anklage) begangen. Er wollte kein falsches Geständnis abgeben. Daher verlängerten sie immer wieder seine Untersuchungshaft. Zunächst Tag für Tag, dann Woche für Woche und schließlich Monat für Monat – bis es 13 Monate waren.

Man drohte ihm mit der Todesstrafe, wenn er nicht gestehen oder seine Partnerin nicht belasten würde. „Die haben mich teilweise zwölf Stunden nur auf einem kleinen Stein sitzen lassen, und die Polizei hat vor mir geschlafen. Ich musste einfach nur sitzen und ich sollte gestehen.“ Er wurde beschimpft. „Sie wollten nur, dass ich psychisch kaputt gehe“, berichtet er der Epoch Times.

Rother: „Die wollen, dass du gestehst und unterschreibst, dann ist der Fall erledigt.“

Was er als Aussage auf Englisch geschrieben hatte und das, was er dann in Chinesisch zum Unterschreiben zurückbekam, stimmte nie überein. „Die wollen, dass du gestehst und dass du das unterschreibst und dann ist der Fall erledigt. Sie haben sogar falsche Beweise vorgelegt.“ Es hieß, die Polizei behauptete, seine Geschäftspartnerin und Lebensgefährtin hätte gegen ihn ausgesagt. Es gab keine Beweise. Daher versuchten sie ihn mit allem Möglichen dazu zu bringen, dass er etwas gesteht, was er nicht getan hatte.

„Hätte ich ein von der Polizei gefälschtes Geständnis unterschrieben, hätte ich sicher lebenslang bekommen“, berichtet Rother. Die chinesische Polizei würde mit allem betrügen. „Die Polizeibehörde versuchte alles so lange hinauszuzögern, dass man krank im Kopf wird. Man weiß nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Weil alles eine Lüge ist – alles ist pure Lüge; nur damit man kaputtgeht, sich schuldig bekennt oder mit dem Finger auf jemand anderen zeigt.“

Man weiß nichts, es gibt keine Anklage – man lebt in einer Welt, die nicht real erscheint

Er war sich bewusst, dass er unschuldig war, das hat ihm Kraft gegeben. Er hat gehofft, dass das eines Tages aufhört. Vielleicht war es ja nur eine Verwechselung, hoffte er. „Man weiß nicht, wieso man verhaftet worden ist. Sie sagen nichts und es gibt keine Anklage. Man lebt in einer Welt, die nicht real erscheint“, so Rother. Das hat ihn damals besonders belastet.

In einer Zelle, die er sich mit 14 Mithäftlingen teilen musste und in der er schlief, sich wusch und seine Notdurft verrichtete, und in der man zu keinem Zeitpunkt eine Privatsphäre hatte, seien auch Spione von der Polizei eingeschleust gewesen. „Sie sagen, dass sie dein Freund sind und dann versuchen sie, dich auszuspionieren. Man ist dem absolut hilflos ausgeliefert.

Sie machen alle möglichen Versprechungen, nur damit man ein falsches Geständnis unterschreibt.“ Wenn die Gefängnisinsassen einen Gefängniswärter etwas fragen wollten, mussten sie sich immer einen Meter vor ihm auf den Boden hinknien.

Einmal beschwerte er sich über die Behandlung. Er hatte Bluthochdruck und Hautausschlag – und hatte seinen Anwalt und das deutsche Konsulat verständigt. Am nächsten Tag kamen die Polizisten in seine Zelle. Sie legten ihn in Hand- und Fussketten und befestigten diese an einem Pfosten am Bett, sodass er nicht mehr aufrecht sitzen und nicht gehen konnte.

Sie sagten, er habe jetzt drei oder vier Tage Zeit zu überlegen, was er gesagt hätte. Er hätte nämlich gelogen. An dem selben Tag kam sein Anwalt zu ihm. Er sagte, er hätte mit der Gefängnisleitung verhandelt und Rother müsse sich entschuldigen. Aber das wollte er nicht. Wofür sollte er sich denn auch entschuldigen?

Rother: „Musste mich bei Polizei und Gefängnisinsassen für meine Beschwerde entschuldigen“

Der Anwalt sagte zu ihm, er müsse jetzt vorsichtig sein. „Wenn du dich jetzt nicht entschuldigst, könntest du gesundheitliche Probleme bekommen. Das wichtigste ist erstmal, dass du gesundheitlich fit bleibst.“ Er hat auf den Anwalt gehört und musste sich dann bei der Polizei und allen Gefängnisinsassen entschuldigen. Dann nahm man ihm die Fesseln wieder ab.

Später wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt. Seine chinesische Freundin und Geschäftspartnerin bekam lebenslang. Sie hat jetzt noch 15 Jahre vor sich. Er weiß nicht, wie es ihr geht. Er hat keinen Kontakt zu ihr: „Das wird alles von der chinesischen Regierung unterbunden“, so Rother. „China hat kein Gesetz. Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter sitzen alle in einem Boot“, berichtet er im Gespräch.

„Die chinesische kommunistische Partei erzählt alle möglichen Geschichten, nur damit sie ihr eigenes Gesicht wahrt. Sie dreht die Geschichten so, dass es funktioniert. Im Gefängnis haben wir auch nie die Wahrheit erfahren über das, was wirklich vonstatten ging. Man weiß immer nur, dass sie dir irgendeine Lüge erzählen, damit der Ball irgendwie weiterläuft“, so Rother. Er glaubt, dass sie das für ihre Propagandazwecke tue – um sich selbst besser darzustellen.

Chinesischer Botschafter: „Rechte an körperlicher Gesundheit, Religion und Ausbildung sind ausreichend gewährleistet“

Rother berichtet passend dazu in seinem kürzlich veröffentlichten Buch über seine Zeit in China. Dort heißt es, dass 2014 die Menschenrechtsorganisation „Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“ (ACAT) auf Rothers Fall aufmerksam wurde. Sie forderte die Bundesregierung auf, „ihren Einfluss geltend zu machen, damit Robert Rother sofort aus der Haft entlassen wird, wenn es keine konkreten Anschuldigungen gegen ihn gibt“.

Auch anderen Politikern fiel durch ACAT Rothers Fall auf. So zum Beispiel der SPD-Politikerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Sie schrieb an den chinesischen Botschafter in Deutschland und bat um Auskunft.

Der damalige chinesische Botschafter Shi Mingde teilte laut Rother Frau Bätzing-Lichtenthäler schriftlich mit (Auszug aus Rothers Buch „Drachenjahre“): „Seine Rechte an körperlicher Gesundheit, Religion und Ausbildung sind ausreichend anerkannt und gewährleistet.“ Von „massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen“ könne nicht die Rede sein. „Nach dem chinesischen Gesetz sind Misshandlung und Folterungen streng verboten. Jede Kriminalität wird rechtmäßig verfolgt, soweit sie klar ermittelt ist.“ Das Verfahren und der Prozess „liefen streng nach dem Gesetz“, das Gericht werde „gerecht entscheiden“, erklärte der chinesische Botschafter.

Für Rother stellte die Antwort aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen im Gefängnis eine „reine Propaganda für eine Diktatur dar, die nach außen gut dastehen will, aber im Kern völlig vergiftet und verrottet ist.“

Fast täglich neun Stunden Zwangsarbeit

Rother berichtet, dass er im Gefängnis mindestens sechs, oftmals sieben Tage die Woche neun Stunden lang Zwangsarbeit leisten musste. Er hat hauptsächlich Hochfrequenz-Transformatoren hergestellt. Also Draht über einen Eisenring gewickelt. „Diese Transformatoren werden dann in allen möglichen Elektronikgeräten verarbeitet“, erklärt er.

Man habe die Transformatoren damals massenhaft für eine amerikanische Firma produziert. Sie wurden auf der ganzen Welt verkauft. Er hätte auch gesehen, dass Modellautos in dem Gefängnis hergestellt wurden. „Das waren zum Beispiel Modellfahrzeuge mit einem Logo von einem großen deutschen Sportwagenhersteller, der aber nach meiner jetzigen Kenntnis nicht der Auftraggeber der Modelle war“, berichtet Rother. Auch hätte man Schlösser für Reisekoffer hergestellt für einen großen amerikanischen Kofferhersteller, dessen Firmenname mit „S“ beginnt.

Rother: „Wir mussten Weihnachtskarten und Neujahrskarten in allen verschiedenen Sprachen produzieren“

Und man hätte Weihnachtskarten und Neujahrskarten in allen verschiedenen Sprachen produziert. „Alles war nicht für den chinesischen Markt gedacht“, erklärt Rother gegenüber Epoch Times. Bekommen hätte man dafür 22 Yuan (2-3 Euro) im Monat.

„Das war illegal. Nach chinesischem Gesetz müsste man auch im Gefängnis den Mindestlohn der entsprechenden Provinz bekommen. Also in der Provinz Guangdong wären dies 600 oder 800 RMB im Monat gewesen. Aber so viel Geld wurde nicht ausgezahlt“, erklärt Rother.

Es gab auch immer Tagesziele bei der Zwangsarbeit, die man erreichen musste. Wenn man die nicht erreichte, wurde man bestraft. „Die maximale Strafe war das Sitzen auf dem Eisernen Stuhl, wo man angekettet wird. Da sitzt man dann beispielsweise für zwei Wochen drauf (Die Streben der Sitzfläche laufen spitz nach oben zu und drücken sich ins Fleisch rein.), und es werden Elektroschocks am ganzen Körper und auch an der Schläfe eingesetzt“, berichtet Rother, der seit einem Jahr wieder in Deutschland lebt.

„Dann waren die Leute körperlich kaputt, also sie konnten sich nicht mehr bewegen. Es waren dann einfach nur noch sich bewegende Körper ohne Leben. Das hat die chinesische Polizei offen gemacht. Der Eisenstuhl war immer zu sehen. Er stand in der Fabrik und bei uns im Block, sodass jeder sehen konnte, wenn da jemand drauf saß. Auf dem Stuhl musste die Person dann durchgängig sitzen. Essen, Schlafen und die Notdurft verrichten“, erzählt Rother im Gespräch.

Abends nach der Zwangsarbeit bekamen dann alle Häftlinge Propagandafilme gezeigt oder es gab Propagandavorträge. „Über den Kommunismus zum Beispiel“, berichtet er. Eine Zeit lang, also für drei oder vier Monate, wurde den Häftlingen dabei auch erklärt, wie gut die Reformen der Kommunistischen Partei Chinas wären.

„Jeden Tag wurde uns erklärt, wieso es gut ist, dass China das Gesetz geändert hat, dass der amtierende chinesische Präsident und Vorsitzende der KP Chinas Xi Jinping jetzt lebenslang an der Macht bleiben kann“, so Rother.

Täglich zwei Stunden politische Umerziehung

Er musste im Gefängnis viel über das Seidenstraßen-Projekt lernen. Jeden Tag gab es zwei Stunden politische Umerziehung. „Da mussten wir zwei Stunden auf einem Hocker sitzen und danach kam eine Ansprache von einer chinesischen Polizistin.“ Sie sprach zum Beispiel über das Seidenstraßenprojekt.

Das ging über eine lange Zeit. Für Rother will China sich mit dem Seidenstraßen-Projekt Länder einverleiben und von sich selbst abhängig machen. „Man baut Infrastrukturprojekte gerade in ärmeren Ländern, die sie über Kredite abbezahlen müssen. Aber letztendlich verschulden sie sich gegenüber China und irgendwann können sie es dann nicht mehr abbezahlen. Dann gehört es den Chinesen. Es fördert die chinesische Wirtschaft ganz klar. Es muss ja von chinesischen Firmen gebaut werden“, so der Geschäftsmann.

China sucht fürs Seidenstraßen-Projekt Länder aus, die leicht in Abhängigkeit geraten

„China sucht sich gezielt Länder aus, die dadurch in eine Abhängigkeit von ihm geraten. Das Angebot sieht verlockend aus. Aber was für einen Preis muss das andere Land dafür zahlen? Nichts bekommt man umsonst“, erklärt Rother. In den chinesischen Konfuzius-Instituten, die Peking weltweit betreibt, sieht er ein gutes Sprungbrett für China, um den eigenen politischen Einfluss im Ausland auszubauen.

Vom Organraub an chinesischen politischen Häftlingen oder Todeskandidaten hat er in seiner Zeit in China nichts mitbekommen. Allerdings hat er von einem Todeskandidaten, den er im Gefängnis kennenlernte, erfahren, dass dieser vor seinem Hinrichtungstermin immer wieder gesundheitlich untersucht wurde.

Intensive medizinische Untersuchungen bei Todeskandidaten und Falun Gong Anhängern

Diese Tatsache bestätigen auch Falun Gong Praktizierende, die aus chinesischen Haftanstalten flüchteten oder durch Druck aus dem Ausland freikommen konnten. Sie berichteten trotz Folter und generell menschenunwürdiger Behandlung von immer wiederkehrenden intensiven medizinischen Untersuchungen, die oft nur an ihnen, aber nicht an den übrigen Gefängnisinsassen durchgeführt wurden.

Dabei wurden Röntgenaufnahmen von dem Brustkorb gemacht, große Mengen Blut abgenommen und der Urin untersucht, ohne dass die betreffenden Häftlinge irgendwelche Krankheitssymptome aufwiesen. Auf die Nachfrage, warum man die Untersuchungen durchführe, reagierte das medizinische Personal nicht. Auch angesichts von bevorstehenden Hinrichtungen von Todeskandidaten sind intensive medizinische Untersuchungen im Vorfeld aus westlicher Sicht äußerst ungewöhnlich.

Rother zu Huawei und 5G: „Verhalten der deutschen Regierung unverantwortlich“

Das Verhalten der deutschen Regierung hält Rother in Bezug auf Huawei und 5G für unverantwortlich. „Das ist einfach fahrlässig von Frau Merkel. (…) Vor allen Dingen: Frau Merkel ist ja in Ostdeutschland groß geworden und sie hält Reden, wo sie davon spricht, dass Freiheit wichtig ist – zum Beispiel damals an der Harvard Universität. Aber das hat mit der realen Politik von ihr nichts zu tun“, so der Unternehmer.

Grundsätzlich findet Rother, dass die deutsche Regierung naiv mit China umgeht. „Die deutsche Politik interessiert mehr, was mit der Wirtschaft ist und dass die großen deutschen Konzerne mit China ein Geschäft machen können“, äußert er gegenüber Epoch Times. „Die Politik macht zu wenig“, findet er. Er könne dem nicht zustimmen.

„Was 5G betrifft, so soll Huawei vertraglich garantieren, dass sie keine Spionage betreiben“, erklärt Rother. „Aber ich kann von meinem eigenen Fall sagen, dass das in China nicht mal das Papier wert ist, auf dem es gedruckt wurde.“ Verträge haben keinen Wert in China, ist er sich sicher. „Wenn die Verträge irgendeine Legitimität hätten, hätte ich nie verhaftet werden können.

Ich weiß von mir selbst, dass das nicht stimmt. Und was immer die da garantieren, das ist einfach nur eine Show. Die werden alles erzählen, um diesen Auftrag zu kriegen“, so Rother.

Geschäfte mit China müssen auf einer Werteebene stattfinden

„Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich eine große Naivität dahinter sehe. Man kann mit China Geschäfte machen. Geschäfte müssen aber auf der gleichen Werteebene stattfinden. Es kann nicht sein, dass wir in China unter unwürdigen Bedingungen produzieren und dass Menschen dafür in Zwangsarbeit geschickt werden, nur damit wir günstige Sachen haben. Das muss verboten werden“, fordert Rother.

„Für viele Chinesen haben sich die Lebensbedingungen verbessert, allerdings auf Kosten anderer. Das ist vielen Chinesen nicht bewusst. Aber über viele Dinge kann man nicht reden, sonst bekommt man Probleme. Man kann nach China kommen, man kann da leben, man kann dort Geld verdienen, aber es heißt immer ‚misch dich nicht in die Politik ein’“, berichtet der aus Nordrhein-Westfalen stammende Geschäftsmann.

Doch der Begriff „Politik“ wird in China – das zeigt nicht nur Rothers Fall – je nach Interesse durch die Kommunistische Partei unterschiedlich genutzt. Wenn die chinesische Behörde etwas als gefährlich ansieht und sie ihren absoluten Machteinfluss gefährdet sieht oder wenn sie etwas haben will, dann ist bekannt, dass sie Privatpersonen oder Unternehmen unterstellt, dass diese Politik machen wollen. Dabei wird der Begriff Politik weit gefasst. Und Politik darf natürlich nur Chinas Kommunistische Partei machen.

Rother: „Wenn Deutschland Zwangsarbeits-Produkte importiert, dann brechen wir unsere eigenen Gesetze“

„Allerdings haben wir Deutsche Gesetze“, erklärt Rother. „Die Würde eines Menschen ist unantastbar, heißt es in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes. Und wir haben die Verantwortung, das weltweit umzusetzen, wenn Deutschland solche Werte vertreten möchte.

Wenn Deutschland Waren, entstanden aus Zwangsarbeit, importiert, dann brechen wir unsere eigenen Gesetze. Man kann nicht sagen, dass es würdevoll ist, wenn Menschen gefoltert werden, damit sie arbeiten. Dann brechen wir unsere eigenen Gesetze“, äußert er im Interview.

Falun Gong Leute hat er – obwohl viele von ihnen widerrechtlich in China im Gefängnis sind – nicht getroffen. Er wusste ganz genau, wie gefährlich das war, wenn man über Falun Gong sprach. Vielleicht ist er ja welchen begegnet, aber ihm gegenüber hat es niemand zugegeben.

„Die wussten ja auch, wie gefährlich das ist. Ich glaube, die wurden auch woanders hingebracht. Die waren nicht unbedingt mit uns zusammen. Bei uns waren mehr Mörder, Vergewaltiger, Drogenhändler und einige wenige wegen Korruption“, berichtet Rother im Gespräch.

Rother: „Das deutsche Konsulat hat alles im Rahmen seiner Möglichkeiten getan“

Fünf Monate wurden ihm wegen guter Führung erlassen. Er musste dann noch eine Geldstrafe von 180.000 Euro bezahlen, die damals das Gericht gegen ihn verhängte – dann durfte er früher das Gefängnis verlassen. Ein Mitarbeiter vom deutschen Konsulat kam alle drei Monate zu ihm, hat geschaut, wie es ihm gesundheitlich ging und hat Bücher mitgebracht.

Rother erklärt, dass das deutsche Konsulat alles getan hätte, was im Rahmen seiner Möglichkeiten stand. Ohne die Hilfe der deutschen Diplomaten hätte er vielleicht nicht überlebt. Die Polizei hat ihn nach der Entlassung direkt zum Flughafen gebracht. Von dort flog er dann nach Hamburg.

Coronavirus: „Das, was man erfährt, ist wohl nur die Spitze des Eisberges“

Angesprochen auf die aktuelle Situation in China in Bezug auf den KPCh-Coronavirus aus Wuhan erklärt Rother, dass die Lage im Gefängnis sehr schlecht sei. „Es gibt keine Arbeit im Gefängnis – das heißt, dass die Wirtschaft sehr, sehr schlecht ist – und es gibt auch Coronavirus-Fälle in den Gefängnissen.“ Die Situation in den Gefängnissen dort sähe sehr, sehr bedrohlich aus, so der Westfale in der Sendung „Leute“ auf SWR 1.

Die Moderatorin der Sendung wollte wissen, wie es mit Forderungen der Bevölkerung nach Menschenrechten und Meinungsfreiheit aussieht. Rother hält dies für schwierig: „Ich glaube, dass die chinesische Regierung es blutig niederschlagen würde.“ Man sähe ja auch Städte wie Wuhan, die systematisch abgeriegelt worden wären, um den Virus unter Kontrolle zu halten, aber auch um die Menschen dort unter Kontrolle zu halten. „Wer sich da querstellt, der wird aus dem Verkehr gezogen.“

Die Menschen in China hätten momentan eher Angst, weil keiner genau wüsste, wie die Sachlage sei. „Den Zahlen der Chinesen kann man nicht vertrauen. Ich habe noch nie ehrliche Zahlen von den Chinesen gesehen – im Gefängnis nicht und auch in der Wirtschaft nicht“, berichtet Rother. „Das, was man erfährt, ist wohl nur die Spitze des Eisberges.“

Wut sei bei den Menschen ganz klar da. Wie sich das jetzt genau auswirke, sei aber schwierig zu sagen, weil die Chinesen dort komplett einer Propagandamaschinerie unterworfen wären. Dort werde alles umgedreht und verharmlost und was die Menschen wirklich denken, sei schwierig in die Außenwelt zu bringen, erklärt Rother der SWR 1 Moderatorin.

Der Glaube hat ihm geholfen, die Gefängniszeit durchzustehen

Der Glaube hat ihm geholfen, die Zeit im Gefängnis durchzustehen und der Wunsch, anderen Menschen zu berichten, was in den chinesischen Gefängnissen passiert. Auch über seine Freunde, die noch immer im Gefängnis sitzen, wollte er der Welt erzählen. Er hat die Bibel, den Koran, taoistische und buddhistische Schriften gelesen.

Sein Leben hat sich durch den Gefängnisaufenthalt grundlegend verändert. Die Wertschätzung, die er Menschen gegenüber empfindet, hat sich grundlegend geändert. Er sieht die Welt nun mit anderen Augen.

„Ich habe wirklich zu Gott gefunden, wie auch immer man Gott definiert. Aber da ist eine höhere Kraft, die da ist und die uns führt und leitet und die uns auf den richtigen Weg bringt“, erklärt Rother.

„Das ist jetzt ein Leben, das von innen herauskommt. Ich lasse mich leiten“, berichtet er weiter. „Diese Kraft erfährt man sehr stark, wenn man in schwierigen Situationen, wie einem Gefängnis ist – da kommt man sehr nah an diese Kraft. Es ist auch etwas, was der chinesischen Regierung überhaupt nicht gefällt – das Beten und Religion. Denn du hast dann deine Würde und deinen Glauben. Das ist etwas, was sie dir nicht nehmen können.“ Eigentlich war im Gefängnis Beten verboten, aber viele Gläubige haben sich nicht davon abhalten lassen.

„Der Glaube ist ein Hindernis für die Kommunistische Partei Chinas zur vollständigen Kontrolle. Das ist auch der Grund, warum die Uiguren und Falun Gong durch das chinesische Regime verfolgt werden – man kann sie nicht manipulieren oder beeinflussen. Da ist eine Kraft, die stärker als sie ist“, erklärt Rother.

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