Experten: Potenzielle Ausweitung des Coronavirus viel höher als bisher angenommen

Von 28. Januar 2020 Aktualisiert: 12. Februar 2020 9:35
Angesichts der globalen Ausbreitung des Coronavirus melden sich Ärzte und Medizinexperten zu Wort. Viele kritisieren dabei das "Herunterschrauben" der tatsächlichen Opferzahlen durch die Behörden. Einige sprechen bereits von einer Pandemie.

Der Coronavirus greift in China und mittlerweile, wenn auch überschaubar, weltweit um sich. Viele Experten meldeten sich in den vergangenen Tagen zu Wort und warnten vor einer möglichen Pandemie. Darüber hinaus scheinen die zu spät ergriffenen Maßnahmen der chinesischen Behörden als Antwort auf die rasche Ausbreitung der Lungen-Seuche als teils wirkungslos oder zumindest wirkungsarm. Auch das späte Eingeständnis und der „Vertuschungsversuch“ beziehungsweise das Herunterschrauben der Opferzahlen vonseiten der chinesischen Behörden wird an den Pranger gestellt.

Je mehr wir darüber (den Coronavirus) erfahren, desto größer ist die Möglichkeit, dass die Übertragung nicht mit Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens kontrolliert werden kann“, sagt Dr. Allison McGeer, eine in Toronto ansässige Spezialistin für Infektionskrankheiten.

Wenn das der Fall ist, sagte sie, „leben wir mit einem neuen menschlichen Virus, und wir werden herausfinden, ob er sich weltweit ausbreiten wird“. McGeer warnte, dass es unmöglich sei, die Auswirkungen dieser Ausbreitung vorherzusagen, da die wahre Schwere der Ausbreitung noch nicht bekannt ist.

Neil Ferguson, ein Epidemiologe für Infektionskrankheiten am Imperial College in London, hat eine Reihe von Modellstudien über den Ausbruch herausgegeben. Er sagt:

Trotz der enormen und bewundernswerten Anstrengungen in China und auf der ganzen Welt müssen wir die Möglichkeit einplanen, dass eine Eindämmung dieser Epidemie nicht möglich ist.“

Es könnten bereits bis zu 100.000 Fälle in China vorliegen, sagte Ferguson am Sonntag gegenüber der Zeitung The Guardian. Er fügte hinzu, das Modelle darauf hindeuteten, dass die Zahl der Infizierten zwischen 30.000 und 200.000 liege. „Mit ziemlicher Sicherheit sind viele Zehntausende von Menschen infiziert“, so Ferguson.

Arzt aus Wuhan: Krankenhäuser haben derzeit nicht genügend Kapazitäten

Ein Arzt in Wuhan, der Patienten mit dem Wuhan-Virus behandelt, gab einige alarmierende Informationen über den neuen Virus bekannt. Er äußerte die Sorge, dass die Krankheit in den nächsten Monaten aufgrund der langsamen Reaktion der Behörden und der mangelnden Transparenz außer Kontrolle geraten könnte.

Der Arzt mit dem Familiennamen Xu sprach am 24. Januar mit dem in den USA ansässigen chinesischsprachigem Medium Secret China, unter Berücksichtigung seiner Anonymität.

Er gab bekannt, dass bis zum 31. Dezember bereits 27 Patienten mit dem Coronavirus infiziert waren. Die Gesundheitsbehörden in Wuhan hätten jedoch beschlossen, die Öffentlichkeit nicht über die neue Krankheit zu informieren. Einige Merkmale des neuartigen Coronavirus machen dieses zudem gefährlicher als SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom).

Xu enthüllte, dass die Krankenhäuser in Wuhan nicht über die Kapazität verfügen, um die derzeitige Zahl an Patienten zu bewältigen. Alle Krankenhausbetten seien belegt und viele, die ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten, kämen nicht hinein. Ein neu entwickeltes Testkit für das Coronavirus werde ausschließlich an Krankenhäuser der Spitzenklasse geliefert, allerdings nur in begrenzter Anzahl. Das bedeutet, dass andere Krankenhäuser beim Umgang mit der Krankheit im Nachteil sind.

Auch erfordert ein Coronavirus-Diagnosetest ein Biosicherheitslabor, das mit Infektionskrankheiten der Kategorie A umgehen kann. Krankheiten der Kategorie A, wie Ebola oder Anthrax (Milzbrand), stellen das höchste Risiko für die nationale Sicherheit und die öffentliche Gesundheit dar. Jedoch seien nicht alle der chinesischen Spitzenkrankenhäuser für die Durchführung eines solchen Diagnosetests ausgerüstet.

Hohe Verbreitungs- und Ansteckungsgefahr

Wissenschaftler, die die genetischen Sequenzen von Viren aus China und einigen anderen Ländern, die Fälle verzeichnet haben, untersucht haben, haben die sogenannte Reproduktionsrate des Virus berechnet eine Zahl die angibt, an wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt die Krankheit weitergibt.

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So dämmt sich ein Ausbruch bei einer Reproduktionsrate von unter 1 von selbst ein. Jedoch hätten einige Experten, laut statnews, bei dem aktuellen Ausbruch des Coronavirus eine Reproduktionsrate im Bereich von 2 bis 3 und darüber hinaus berechnet.

Für Trevor Bedford, Computerbiologe am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, deuteten diese Schätzungen auf eine weitere Ausbreitung hin.

Wenn sie (die Lungen-Seuche) nicht in Kürze eingedämmt wird, haben wir es meiner Meinung nach mit einer Pandemie zu tun“, so Bedford.

Trotzdem merkte er an, dass es zu diesem Zeitpunkt unmöglich sei, zu bestimmen, wie schwer diese Art von Ereignis ausfallen würde.

Vorkehrmaßnahmen in Übersee

Dr. Tom Inglesby, Direktor des Zentrums für Gesundheitssicherheit an der Johns Hopkins School of Public Health, drängte die Länder dazu, mit der Planung für den Fall der weltweiten Verbreitung des neuen Virus zu beginnen. Solche Pläne müssten weitaus umfangreichere Anstrengungen zur Entwicklung eines Impfstoffs beinhalten, als bisher angekündigt.

„Ich mache keine Vorhersage, dass es dazu kommen wird“, so Inglesby, jedoch denke er, „dass es allein auf der Grundlage dieser begrenzten Informationen und der Möglichkeit, dass es sich nicht eindämmen lässt, wichtig ist, dass wir mit einer Art Planung beginnen.“ Dabei weist er darauf hin, dass die mathematischen Modelle, die steigenden Infektionszahlen und die Erklärungen der chinesischen Behörden für sich sprechen.

Kritik an Verschwiegenheit und Nicht-Inkenntnissetzung der chinesischen Behörden

Xu, der Arzt aus Wuhan, meint, dass die Beamten des Gesundheitswesens in Wuhan einen Fehler begangen hätten, indem sie die Öffentlichkeit nicht rechtzeitig informiert und gewarnt hätten.

Die Beamten des öffentlichen Gesundheitswesens folgten einer Politik, die sich ’strenge [Kontrolle] nach innen, entspannte [Haltung] nach außen‘ nennt. Das bedeutet, dass das medizinische Personal die Patienten streng unter Quarantäne stellen und die Behandlung im Krankenhaus durchführen muss, während die Behörden der Öffentlichkeit nur ein wenig Informationen [über die Krankheit] preisgeben“, so Xu.

Am 18. Januar nahmen über 40.000 Familien in Wuhan an einem festlichen Bankett teil, um das ‚Kleine Neujahr‘ zu feiern, das auf den 23. Tag des 12. Monats im Mondkalender fällt. Das war zwei Tage, bevor die chinesischen Behörden bekannt gaben, dass sich die Lungen-Seuche in Wuhan durch den Kontakt von Mensch zu Mensch ausbreiten kann.

Sie hätten die Öffentlichkeit auffordern sollen, die Massenmigration und die Versammlung zu stoppen und sie darauf aufmerksam machen sollen, eine Maske zu tragen und sich häufig die Hände zu waschen. Denken Sie darüber nach. Gerade weil sich die Zivilbevölkerung nicht über den Ernst der Sache und die Bedeutung der Prävention im Klaren ist, gab es dieses große Bankett für 40.000 Familien inmitten des schweren Ausbruchs. Auch wenn jemand infiziert ist, nimmt er es vielleicht zunächst nicht ernst und würde nicht in ein Krankenhaus gehen, um sich dort behandeln zu lassen“.

Experten der medizinischen Fakultät in Hongkong: „Globale Epidemie könnte unmittelbar bevorstehen“

Medizinische Experten der Universität Hongkong drängten am Montag (27. Januar) die chinesische Regierung dazu, „drakonische Maßnahmen“ zu ergreifen, um die Ausweitung des Wuhan-Virus zu begrenzen. Die Zahl der Fälle schätzten auch sie weitaus höher ein, als die, die von den chinesischen Behörden gemeldet wurde.

Dem Dekan der medizinischen Fakultät der Universität, Gabriel Leung, zufolge, habe sein Team geschätzt, dass am Samstag (25. Januar) wahrscheinlich allein in Wuhan rund 44.000 Menschen mit dem neuen Virus infiziert waren. Diese Zahl steht im krassen Gegensatz zu den „offiziell“ genannten Fällen (2.744) vonseiten der chinesischen Behörden. Aufgrund dessen und der wachsenden Anzahl an Fällen im Ausland meinten die HKU-Experten, dass eine globale Epidemie unmittelbar bevorstehen könnte.

Laut Leung, habe sich die Zahl der Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, alle sechs Tage verdoppelt. Seiner Einschätzung nach, wird der Ausbruch auf dem Festland in Chongqing, Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen voraussichtlich im April oder Mai seinen Höhepunkt erreichen. Erst im Juni und Juli könnte die Pandemie allmählich abklingen.

Chongqing, so Leung, könnte aufgrund seiner starken (Verkehrs-)Anbindung mit Wuhan am stärksten außerhalb der Provinz Hubei betroffen sein. Er drängte die Städte, unverzüglich „substanzielle und drakonische“ Maßnahmen zu ergreifen, um die Mobilität der Bevölkerung einzuschränken. Als Reaktion Hongkongs hält er ein Einreiseverbot für Menschen aus der Provinz Hubei für einen guten Anfang, forderte jedoch, dass noch mehr für die Sicherheit der Menschen getan werden müsse.

WHO nennt es noch keinen globalen Gesundheitsnotstand von internationaler Bedeutung

Die „Bill and Melinda Gates Foundation“ kündigte am Sonntag an, dass sie 10 Millionen Dollar angesichts der Lage in China und Wuhan spenden würde. Die Hälfte des Geldes fließt an chinesische Gruppen, um ihnen bei den Eindämmungsbemühungen zu helfen. Die andere Hälfte geht an das „African Center for Disease Control“, um dessen Bemühungen zu finanzieren, die afrikanischen Länder bei der Vorbereitung auf die neue Infektion zu unterstützen.

Bisher hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) den Ausbruch nicht zu einem globalen Gesundheitsnotstand erklärt, obwohl deren Generaldirektor, Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte, dass die Ausbreitung des neuen Virus eine Krise für China und eine Gefahr für Länder außerhalb Chinas darstelle. Die WHO lehnte es auf Anraten eines Expertengremiums ab, den Ausbruch als globalen Gesundheitsnotstand von internationaler Bedeutung zu bezeichnen. Dazu muss angemerkt werden, dass einige Experten dieses Gremiums anderer Meinung waren.

Bis heute haben mindestens 14 Länder und Gebiete außerhalb des chinesischen Festlandes beinahe 60 Fälle von Infizierten des Coronavirus gemeldet. Bisher gab es keine Berichte über eine unkontrollierte Ausbreitung dieser „importierten“ Fälle auf andere Menschen.