„Faktenchecker“ wettern über ihre Zusammenarbeit mit Facebook

Von 18. Dezember 2018 Aktualisiert: 19. Dezember 2018 8:51
Nach zwei Jahren der Zusammenarbeit zwischen Facebook und dem Faktenchecker-Dienst Snopes klagen die externen Inhaltsprüfer über das fehlende politische Bekenntnis der Social-Media-Betreiber. Immer noch sei ihnen der Profit am wichtigsten.

Politische Gegner maßregeln, Millionen Menschen die eigene Sichtweise aufdrängen und dafür noch hohe Geldbeträge kassieren: Für sogenannte Faktenchecker war die Debatte über vermeintliche oder tatsächliche Formen „russischer Einmischung“ in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gleichsam ein Weihnachtsgeschenk.

Vor allem die Demokraten wollten sich angesichts der überraschenden Niederlage ihrer Kandidatin Hillary Clinton – laut „Guardian“ der „qualifiziertesten Person, die sich jemals um das Amt beworben hatte“ – nicht mit der schlichten Begründung zufrieden geben, die Bürger hätten sie als Person und ihre Agenda eben abgelehnt.

In dieser Situation kam es gerade recht, dass auch russische Staatsmedien, deren bevorzugter Kandidat Bernie Sanders bereits ausgeschieden war, über den Inhalt einiger zweifelhafter oder ungeprüfter Dokumente von Wikileaks berichteten, die Hillary Clinton und ihre Mannschaft belasteten. Während etablierte Medien und sogar die konservativen „Fox News“ nicht oder sehr kritisch über „Pizzagate“ oder andere auf Wikileaks gestützte Räuberpistolen berichteten, verbreiteten diese sich wie ein Lauffeuer über die sozialen Medien.

Dass US-Geheimdienste tatsächlich Anhaltspunkte für russische Spuren zu dem Hackerangriff auf das Vorstandskomitee der Demokraten (DNC) im Juli 2016 zutage förderten und spätere Untersuchungen sogar herausfanden, dass einige zweifelhafte Accounts mit Russland-Bezug eine Handvoll Facebook-Werbeanzeigen bestellt hatten, nutzten Demokraten, um den Narrativ einer möglichen Verschwörung zwischen Trump und dem Kreml zu pushen.

Gegenöffentlichkeit als „Gefahr für die Demokratie“

Dadurch, dass diese Anzeigen kaum Publikum erreichten und zum Teil erst nach der Wahl geschaltet wurden, ließen sie sich nicht beirren. Die sozialen Medien, allen voran Facebook, saßen fortan mit auf der Anklagebank. Dass sich dort eine Gegenöffentlichkeit abseits des medialen Mainstreams gebildet hatte und diese etablierte Deutungen infrage stellte, machte Facebook zu einer „Gefahr für die Demokratie“ – und beflügelte weltweit Zensurfantasien oder Ambitionen der Politik, das Netzwerk unter Kontrolle zu bekommen.

Der Druck der etablierten politischen Kreise veranlasste die Verantwortlichen von Facebook, die Zusammenarbeit mit sogenannten Faktencheckern und Beratern zu suchen, die entweder etablierten Medien, dem politischen Establishment oder beidem zugleich zuzurechnen waren. In Deutschland profitierten davon – neben mehreren tausend zusätzlichen Mitarbeitern in Löschzentren – vor allem Einrichtungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung oder das „Recherchenetzwerk“ Correctiv.

Dazu kommen Gesetze wie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, die soziale Medien unter Androhung hoher Geldbußen dazu verpflichten sollen, „offenkundig rechtswidrige“ Inhalte zu löschen. Kritiker hingegen sehen in dem Gesetz einen Versuch der Einschüchterung der Verantwortlichen für Facebook & Co., die diese dazu bringen sollen, kritische Beträge im Zweifel zu löschen, um den finanziellen Sanktionen zu entgehen.

In den USA hat Facebook wiederum mehrere Partnerschaften mit etwa 40 sogenannten Faktencheckern abgeschlossen, die politisch breiter gestreut sind und von linken Plattformen wie Snopes oder PolitiFact über den konservativen Weekly Standard bis hin zu Agenturen wie Associated Press reichen. Alle diese Plattformen sind jedoch mehr oder minder erklärte Gegner von Präsident Donald Trump. Ziel von Facebook ist es, die Informationen dieser Faktenchecker zu nutzen, um Beiträge, die fehlerhafte Informationen beinhalten, als „debunked“ (widerlegt) zu kennzeichnen und die Zahl gekennzeichneter Beiträge in den Newsfeeds zu reduzieren. Dies ist nach Angaben von Facebook auch gelungen.

„Facebook geht es nur um Eigen-PR“

Nun haben sich einige der Faktenchecker, allen voran die ehemalige Chefredakteurin von Snopes, Brooke Binkowski, wortreich im „Guardian“ darüber beklagt, dass Facebook seine Partner nur benutzen und deren Expertise nicht verwenden würde, um Desinformation zu bekämpfen. Was sie damit genau meint, skizziert sie nur eingeschränkt, jedenfalls erklärt sie aber, Reporter, die als externe Faktenchecker für die Plattform arbeiteten, hätten ihr Vertrauen in das soziale Netzwerk verloren.

„Sie haben uns im Grunde für PR-Zwecke engagiert“, meint Binkowski, die in ihrer Eigenschaft als Snopes-Chefredakteurin zwei Jahre lang mit Facebook zusammengearbeitet hatte, „Sie nehmen nichts ernst. Sie sind nur daran interessiert, selbst gut dazustehen und Geld zu machen. […] Es ist ihnen eindeutig egal.“

Binkowski, die mittlerweile ihre eigene Factchecker-Plattform betreibt, stößt es insbesondere sauer auf, dass Facebook in Anbetracht der Vorwürfe russischer Instrumentalisierung schon 2016 seine Kritiker unter die Lupe genommen hat – und dafür das Unternehmen Definers Public Affairs engagierte. Dieses wurde von Funktionären der Republikaner gegründet und hat sich auf Oppositionsbeobachtung spezialisiert.

Nun wirft Binkowski dem Beratungsunternehmen vor, „antisemitische Narrative“ gegen Kritiker gepflegt und sich damit jener Methoden bedient zu haben, denen explizit gegenzusteuern die Aufgabe der Faktenchecker sei. Diese Anschuldigung begründet sie damit, dass Definers Public Affairs Spuren untersucht hat, die von den wortgewaltigsten Facebook-Kritikern zum bekannten Milliardär und „Philanthropen“ George Soros führen.

Faktencheck: „George Soros zu kritisieren ist antisemitisch“ – Pants on fire

Auch die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg habe den aus einer jüdischen Familie stammenden Atheisten und Förderer israelkritischer NGOs auf mögliche finanzielle Interessen hinter dessen öffentlicher Kritik an der Plattform abklopfen lassen. Wie es aussieht, ist es mit Binkowskis Verständnis von Faktenchecken durchaus vereinbar, Kritikern der liberalen Agenda von Soros taxfrei zu unterstellen, ihr Argwohn müsse antisemitischen Beweggründen entspringen.

Binkowski unterstellt Facebook allerdings auch, es gehöre zu dessen Geschäftsmodell, „Fake-News im Auftrag feindlicher ausländischer Mächte und autoritärer Regierungen“ zu verbreiten. Dies begründet sie damit, dass man aufseiten des Unternehmens entgegen ihren Warnungen zu wenig gegen hasserfüllte Propaganda und Desinformation während der Rohingya-Krise in Myanmar unternommen habe.

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Die Erklärung, dass es schwierig ist, hasserfüllte Facebook-Posts im Zusammenhang mit dem Rohingya-Konflikt zeitnah und vollständig zu löschen, wenn angesichts von 50 Millionen Nutzern in dem Land nur zwei Mitarbeiter vor Ort die Landessprache beherrschen – und dass es eigentlich Aufgabe der Regierung wäre, gesetzwidrige Inhalte zu ahnden – scheint Binkowski nicht zu genügen. Immerhin hat Myanmar jüngst aber den „Global Compact on Migration“ unterzeichnet, was dem Buchstaben nach ja auch positive Auswirkungen auf den Status dort ansässiger Personen ohne Staatsangehörigkeit haben müsste.

Die ebenfalls jüngst bei Snopes ausgeschiedene Kim LaCapria beanstandet wiederum, dass Facebook Snopes für dessen Dienste bezahlt hat – obwohl Facebook eine völlig andere Aufgabe hätte als die Faktenchecker. LaCapria hatte den Eindruck, Facebook priorisiere die Widerlegung von Falschinformationen über Werbekunden, und das wäre „nicht mehr Journalismus, sondern Propaganda“.

Facebook selbst beharrt darauf, dass der Großteil der Weiterleitung potenzieller Falschinformationen an externe Faktenchecker maschinell erfolge.

„Debunkte“ Artikel verlieren im Schnitt 80 Prozent an Reichweite

Snopes habe allerdings fallweise sogar Satireseite einem „Faktencheck“ unterzogen und auf diese Weise massive Kritik auf sich gezogen. Binkowski meinte, mit Fortdauer des Engagements hätten sich die Drohungen gegen die Faktenchecker verstärkt, denen ein linker Bias vorgeworfen wurde. Auch das habe, so LaCapria, viele zu der Erkenntnis gebracht, die Partnerschaften mit Facebook brächten mehr Ärger als Nutzen.

Facebook publizierte zudem keine Daten über den Erfolg des Factcheckings. Jedoch gehen Beobachter davon aus, dass die Einstufung eines Artikels als „falsch“ dessen Sichtbarkeit künftig um etwa 80 Prozent reduziere.

Angie Drobnic Holan von PolitiFact hingegen zieht eine positivere Bilanz. Die Partnerschaft mit Facebook stelle einen Dienst an der Öffentlichkeit dar, Facebook helfe dabei, zweifelhaftes Material zu identifizieren und trage „zu unserer überwiegenden Nachhaltigkeit“ bei.

Mark Hemingway vom „Weekly Standard” kritisierte hingegen sämtliche Faktenchecker-Portale von Nachrichtenmedien. Diesen gehe es „weniger darum, Fakten zu überprüfen, sondern lieber eine Torwächter-Funktion auszuüben, um unbequeme Wahrheiten aus der Konversation herauszuhalten“.

Correctiv und die Amadeu-Antonio-Stiftung

Ähnliche Vorwürfe werden auch in Deutschland gegen die sogenannten Faktenchecker und andere Einrichtungen erhoben, die den Meinungsaustausch auf Facebook infolge politischen Drucks auf das Netzwerk feinsteuern sollen. Die staatlich geförderte Amadeu-Antonio-Stiftung, die in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium und Facebook im Rahmen einer Task Force helfen soll, Standards für „Hassrede“ zu definieren – was wiederum die Lösch- und Sperrpraxis auf Facebook beeinflusst –, steht etwa im Verdacht einer politisch radikal linken Ausrichtung.

Dazu kommt die Plattform „Correctiv“, die in Deutschland das Factchecking übernehmen soll. Zwar betont diese, unparteiisch und unvoreingenommen zu sein – und teilweise hat sie tatsächlich auch heikle Fragen gestellt wie jene an den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, warum die malaysische MH-17-Maschine, die im Sommer 2014 über der Ostukraine abgeschossen wurde, nicht im Vorfeld vor dem Überflug über das Kriegsgebiet gewarnt worden sei.

Andererseits hat sich „Correctiv“ jedoch auch durch die eigenständige Beteiligung an Hetzkampagnen ohne sachliche Rechtfertigung wie die Offenlegung angeblicher früherer sexueller Verfehlungen einer AfD-Landtagskandidatin als seriöse Plattform nachhaltig selbst geschädigt. Den Vorwurf fehlenden Fingerspitzengefühls und politischer Einseitigkeit wurde die Plattform bis dato nicht los.