Frau gibt an, von Polizisten vergewaltigt worden zu sein – Private Krankenakten durch die Polizei beschlagnahmt

Von 13. November 2019 Aktualisiert: 13. November 2019 15:05
Eine 18-jährige junge Frau gibt an, Ende September auf einer Polizeistation in Hongkong Opfer einer Gruppenvergewaltigung gewesen zu sein. Die Polizei dementiert.

Eine 18-jährige Frau in Hongkong hat über ihre Anwaltskanzlei eine Erklärung veröffentlicht, in der sie angibt, von einer Gruppe von Polizisten vergewaltigt worden zu sein, während sie innerhalb der Polizeistation Tsuen Wan festgehalten wurde.

Die Frau, die in der Erklärung nur als „Frau X“ bezeichnet wurde, sagte, sie habe bei der Polizei einen Bericht über eine strafrechtliche Untersuchung ihrer vermeintlichen Vergewaltigung eingereicht.

Sie kritisierte die Polizei, weil diese den Medien Informationen über ihren Fall weitergegeben hatte. Sie warf ihnen vor, sie „zu diskreditieren“ und „jede Aussicht auf eine erfolgreiche [strafrechtliche] Verfolgung zu verringern“.

Beschlagnahmung privater Krankenakten durch die Polizei

Die Hongkonger Anwaltskanzlei Vidler & Co. Solicitors veröffentlichte am 11. November auf ihrer offiziellen Facebook-Seite eine Erklärung im Namen von Frau X, in der sie zu ihren Aussagen Stellung nahm. Die Kanzlei vertritt auch den Fall einer indonesischen Journalistin, der mit einem Polizeigeschoss ins Auge geschossen wurde.

Demnach schwieg Frau X mehrere Wochen lang, nachdem sie vermeintlich von der Polizei vergewaltigt worden war. Im Oktober legte sie schließlich einen Polizeibericht vor. Irgendwann innerhalb dieser Zeit entdeckte Frau X, dass sie schwanger war.

Sie gab der Polizei anschließend einen detaillierten Bericht über die Ereignisse und beantwortete umfangreiche und höchst invasive [detaillierte und private] Fragen“, heißt es in der Erklärung.

Auf Wunsch der Polizei wurde Frau X einer forensischen Untersuchung unterzogen. Dann beendete Frau X ihre Schwangerschaft und erlaubte dem Gerichtsmediziner, die DNA des abgetriebenen Fötus zu untersuchen, um einen oder mehrere der mutmaßlichen Täter identifizieren zu können.

In den letzten Wochen hat Frau X „wiederholt die Polizei um Auskunft über den Fall gebeten, aber das Ermittlungsteam hat sich geweigert, ihr irgendwelche Details mitzuteilen“, heißt es. Darüber hinaus erfuhr Frau X am 4. November, dass die Polizei „einen Durchsuchungsbefehl erhalten hat, um ihre privaten Krankenakten zu beschlagnahmen, einschließlich derjenigen, die lange vor den Anschuldigungen lagen“, sowie „CCTV-Material von der Klinik ihres Privatarztes für einen Zeitraum von mehreren Tagen vor und nach dem Datum der vermeintlichen Vergewaltigung“, ohne sie darüber zu informieren.

Der Versuch, die privaten Krankenakten eines Beschwerdeführers einer Vergewaltigung ohne dessen Wissen und Zustimmung zu erhalten, ist eine grobe Verletzung der Privatsphäre“, heißt es in der Erklärung.

Frau X ging vor Gericht, um den Durchsuchungsbefehl anzufechten. Am Morgen des 5. November setzte das Gericht den Durchsuchungsbefehl sofort aus und erließ einen Anonymisierungsbefehl, um zu verhindern, dass eine Person – einschließlich der Presse – Frau X direkt oder indirekt identifiziert.

Sie erwartete, dass die Untersuchung „unparteiisch, streng vertraulich und unter Achtung ihrer Privatsphäre und Würde“ durchgeführt würde, aber „die Polizei hat absichtlich vermeintliche Details des Falles bekannt gegeben“, sagte sie.

Der Fall löst weitere Wut der Demonstranten aus

In mehreren aktuellen Medien berichteten Polizeiquellen über ihren Fall. Die Polizei von Hongkong enthüllte auf einer Pressekonferenz am 11. November das Alter von Frau X. Gleichfalls verrieten sie, dass Frau X behauptete, dass die Gruppenvergewaltigung am 27. September von vier Bereitschaftspolizisten begangen worden war.

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In einem Bericht vom 10. November eröffnete die lokale peking-freundliche Zeitung „Ming Pao“ unter Berufung auf die Polizei von Hongkong, dass der Anwalt von Frau X den Polizeibericht am 22. Oktober einreichte – nachdem Frau X entdeckt hatte, dass sie bei einer Untersuchung im Queen Elizabeth Hospital schwanger war.

Laut dem Bericht gab es am 27. September im Stadtteil Tsuen Wan keine Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei. Auch wurde behauptet, dass die Polizeistation Tsuen Wan keine Bereitschaftspolizei stationiert habe. In diesem Bericht wird angezweifelt, ob die junge Frau tatsächlich schwanger war, man zitierte Polizeiquellen, laut denen die Polizei nachforschte, ob die Frau einen falschen Fall eingereicht hatte.

Die Hongkonger Zeitung Apple Daily berichtete am 11. November, dass John Tse Chun Chung, Chefkommissar der Hongkonger Polizei, vor ungenannten Medien sagte, dass Frau X „psychische Erkrankungen“ hatte.

„Ming Pao“ zitierte Tse in einem Bericht vom 11. November, in dem er bestätigte, dass eine junge Frau eine Abtreibung im Queen Elizabeth Hospital durchführen ließ. Jedoch weigerte er sich, auf Fragen über seine Kommentare zur geistigen Gesundheit von Frau X zu antworten.

Der Fall von Frau X hat weitere Wut unter den Demonstranten ausgelöst, die seit Monaten auf den Straßen Hongkongs demonstrieren. Seit Juni sind Massenproteste Hongkongs ausgebrochen, aus Angst, dass das inzwischen zurückgezogene Auslieferungsgesetz die Kommunistische Partei Chinas dazu veranlassen würde, ihren Einfluss in der Stadt auszuweiten. Die Demonstrationen haben sich seitdem zu einer Bewegung entwickelt, die sich für allgemeine Wahlen und größere Freiheiten einsetzt. Auch wird eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt gefordert.

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von rm)
Originalfassung: Hong Kong Woman Alleges That Police Gang-Raped Her While She Was Detained