Gentechniker David Reich entzündet Streit über Rassen und Erbgut in den USA

Epoch Times23. April 2018 Aktualisiert: 24. April 2018 10:28
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse könnten beweisen, dass genetische Unterschiede zwischen menschlichen Rassen doch weitaus mehr bedeuten, als nur "soziales Konstrukt".

David Reich – Professor für Genetik in Harvard ist  Autor des aktuellen Buches: „Who We Are and How We Got Here: Ancient DNA and the New Science of the Human Past“. Auf deutsch: „Wer wir sind und wie wir hierher kamen: Alte DNA und die neue Wissenschaft der menschlichen Vergangenheit“.

Reich vermied es in seinem Beitrag, die Emotionen zu sehr anzustacheln. Er setzte auch den Begriff „Rasse“ in Anführungszeichen. Vorsichtig formulierte der Wissenschaftler seine Erkenntnisse zur Genetik des Menschen.

„Rasse“- ein soziales Konstrukt?

Es gibt dazu eine Vorgeschichte verschiedenartiger Publikationen: Die Anthropologin Ashley Montagu veröffentlichte im Jahr 1942, “Man’s Most Dangerous Myth: The Fallacy of Race“ – „Der gefährlichste Mythos des Menschen: Der Irrtum der Rasse“. Dieses Buch wurde sehr einflussreich und argumentiert, dass Rasse ein soziales Konzept ohne genetische Grundlage sei.

Das klassischste Beispiel hierbei sei die unterschiedliche Definition von „schwarz“. In den USA ist eine Person aus dem historischen Kontext gesehen schwarz, „wenn sie eine afrikanische Abstammung südlich der Sahara hat“. In Brasilien sei eine Person nicht schwarz, wenn man weiß, dass sie eine europäische Abstammung hat.

Wenn schwarz auf verschiedene Menschen in unterschiedlichen Kontexten verweist, wie kann das  dann eine genetische Grundlage dafür sein?“, berichtet „The New York Times“ in ihrem Artikel über das Buch von David Reich.

Gentechniker Richard Lewontin veröffentlichte 1972 eine wichtige Studie über die Variation der Proteintypen im Blut. Er unterschied die von ihm untersuchten menschlichen Populationen in sieben „Rassen“ – West-Eurasier, Afrikaner, Ostasiaten, Südasiaten, Indianer, Ozeanier und Australier. Dabei konnte Lewontin feststellen, dass „etwa 85 Prozent der Variationen der Proteintypen durch Variationen innerhalb der Populationen und „Rassen“ und nur 15 Prozent durch Variationen über sie hinaus verursacht werden konnten.

Die Menge der Unterschiede zwischen den Menschen seien im Wesentlichen „Unterschiede zwischen den Individuen“. Daraufhin wurde die Theorie geboren, dass es unter den Menschen keine Unterschiede gebe, die groß genug seien, um das Konzept der „biologischen Rasse“ zu unterstützen.

Nun wurde argumentiert – Rasse sei ein „soziales Konstrukt“ – eine Art der Kategorisierung von Menschen, die sich im Laufe der Zeit und über Ländergrenzen hinweg verändert hätten, so schreibt Reich weiter.

Es stimmt, dass Rasse ein soziales Konstrukt ist. Es ist auch wahr, wie Dr. Lewontin schrieb, dass menschliche Populationen sich in genetischer Hinsicht bemerkenswert ähnlich sind, so David Reich in seinem Artikel.

Dieser Konsens, laut Reich, habe sich im Laufe der Zeit scheinbar, ohne hinterfragt zu werden, zur „Orthodoxie“ entwickelt. Doch diese Forschung – egal wie gut gemeint – liege auf „einem rutschigen Abhang“. Denn dies sei ein Ergebnis der Sorge um den Missbrauch der biologischen Differenz, die in Anlehnung an die Vergangenheit von Sklavenhandel und die Eugenikbewegung, zu verstehen sei, so Reich weiter.

Genetisches Erbe

Die interessanten Studien Reichs in seinem Buch bieten zunächst einmal Argumente für die Orthodoxie. Er sagt: „Die Menschen, die heute an einem Ort leben, stammen fast nirgends ausschließlich von den Menschen ab, die in der fernen Vergangenheit an diesem Ort lebten.“

Nur bei wenigen Urvölkern, wie bei den „San“ in der südafrikanischen Kalahari, seien alle Populationen aus Wanderungen hervorgegangen, bei denen es auch zu Sexualkontakten gekommen sei.

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Im Erbgut der Westeuropäer sind Spuren ganz verschiedener Populationen zu finden. Da sind „die Jäger und Sammler, die sich vor 50 000 Jahren entlang dem Mittelmeer ausbreiteten und später vom Kaukasus aus nach Westen vordrangen.“

Auch wurde genetisches Material von Bauern, die vor 8800 Jahren von Anatolien auswanderten, gefunden. Ebenso das von einem Reitervolk – das aus der Steppe kam und im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung den Kontinent überrannte – und das Erbgut der Westeuropäer prägen sollte.

Dazu käme noch die „Erinnerung an die Paarungen mit den Neandertalern, die rund 300 000 Jahre in Europa lebten.“ Aus diesem Grund meinte David Reich, stimme das Bild eines Stammbaums des Menschen nicht. „Es gab nie einen einzigen Stamm – seit je sehen wir Mischungen“, so David Reich, zitiert von „Neue Zürcher Zeitung“.

„Unerwünschte Erkenntnisse“

Doch bei seinen Forschungen über die Völkerwanderung kommt der Gentechniker auch zu den sogenannten „unerwünschten Erkenntnissen.“ Er fand heraus, dass die Jamnaja, die vor fünftausend Jahren aus der Steppe nördlich des Schwarzen Meeres nach Westeuropa, aber auch nach Nordindien vordrangen – nicht nur ihre Sprache durchsetzten – sondern auch ihre Gene. Das bildete die Urform der indogermanischen Familie.

Das Heilige Buch der Hindu – Rigveda – beschreibt die Einwanderung dieses weißen Volkes und dort werden sie als „Arier“ bezeichnet. Doch nachdem das Interesse der Nazis im Dritten Reich an der „indogermanischen“ Vergangenheit groß war, konnten sich europäische Forscher nur noch schwer Gedanken diesbezüglich machen“, beschreibt David.

Reich fragt sich, warum sich bei fast allen Finalisten des 100-Meter-Laufs an den Olympischen Spielen seit 1980, Erbgut aus Westafrika finden lässt. Es hatte sich herausgestellt, dass es zwischen Populationen genetische Unterschiede gibt. Diese sind nicht nur auf die Hautfarbe begrenzt, sondern zeigen sich auch in der Körpergröße, in Krankheitsanfälligkeit oder eben in der Fähigkeit, schnell zu laufen zu können, berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“.

„Es ist wichtig, sich dem zu stellen, was die Wissenschaft offenbart, ohne das Ergebnis vorwegzunehmen, und mit der Gewissheit, dass wir reif genug sein können, um mit den Ergebnissen umzugehen“, so David Reich zur „New York Times“.

(vm)