Geschenk von Monsanto nicht erwünscht

Von 3. August 2010 Aktualisiert: 3. August 2010 22:01
Der US-Konzern Monsanto spendete im Mai mehr als 60 Tonnen hybrides Saatgetreide und Gemüsesamen als Entwicklungshilfe, jedoch wurde die Spende nicht ausschließlich begrüßt. Nach zahlreichen Medienberichten gingen 10.000 Mitglieder der …

Der US-Konzern Monsanto spendete im Mai mehr als 60 Tonnen hybrides Saatgetreide und Gemüsesamen als Entwicklungshilfe, jedoch wurde die Spende nicht ausschließlich begrüßt. Nach zahlreichen Medienberichten gingen 10.000 Mitglieder der Bewegung Papay Mouvman Peyizan Papay (MPP), angeführt von Chavannes Jean-Baptiste auf die Straße, um gegen das Pflanzen des von Monsanto gespendeten Getreides zu protestieren, das das Landwirtschaftsministerium Haitis entgegengenommen hatte.

Monsanto ist ein amerikanischer Gigant unter den Erzeugern von Agrarprodukten und hat den Ruf, große Mengen von gefährlichen Schadstoffen zu produzieren und mit Schutzmarken versehene Herbizide wie Roundup in der ganzen Welt zu vertreiben, um ressourcenarme Länder von der Lieferung seiner Chemikalien abhängig zu machen.
Mit den von Monsanto gespendeten Hybridsamen können die Bauern jedoch nur für ein Jahr Getreide anbauen, weil sich die Pflanzen nicht fortpflanzen. Dadurch wären die Bauern im nächsten Jahr vom Kauf desselben Getreides abhängig.
„Ziel von Monsanto ist, die vollständige Kontrolle über den Markt zu erreichen. Das Unternehmen beabsichtigt, die Märkte in der ganzen Welt für seine Pflanzen zu öffnen“, sagte Brenda Biddle von der Resource Faculty for Evergreen State College.
MPP ist die größte basisdemokratische Organisation von Haitianern in Port-au-Prince, die Hilfsorganisationen unterstützt, Nahrung, Notunterkünfte und Hilfsmittel an die Einheimischen zu verteilen. Der internationalen Nachrichtenagentur AFP zufolge sagte der MPP-Führer Chavannes, dass die haitianische Regierung das Erdbeben ausnutzt, um das Land an die Multinationalen Unternehmen zu verkaufen.
Monsanto erklärt, dass an dieses Geschenk keine geschäftlichen Verpflichtungen geknüpft seien und das angebaute Getreide für die Bauern durchaus einen Gewinn bringen kann. Das erwirtschaftete Geld kann dann dazu verwendet werden, die nächste Ladung Samen zu kaufen, somit wäre dann ein Markt geschaffen.
Einige der nach Haiti verladenen Samen wurden mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt. Karl Tupper, ein Wissenschaftler am Pesticide Action Network of North America, erklärte, wenn das mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel behandelte Getreide in die lokalen Märkte Eingang gefunden habe, werde es sehr schwer sein, die Folgen wieder rückgängig zu machen; dieses Getreide werde dem Boden schaden.
Monsanto will den Rest seiner 475-Tonnen-Spende im Laufe der nächsten zwölf Monate liefern.
„Große Unternehmen versuchen, die Bauern dazu zu kriegen, ihr Getreide anzubauen, aber dies hat verheerende Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft“, sagte Tupper und fügte hinzu, dass „Unternehmen auch Samen spenden könnten, die nicht die beste Qualität haben oder in dem Land, in dem sie produziert werden, verboten sind.
Jedoch könnte es für die haitianische Landwirtschaft ein Licht am Ende des Tunnels bedeuten. „Sie könnten ihren Agrarmarkt wieder aufbauen“, sagte Biddle von Monsanto.
Nach Biddle wird Haiti zur Organisation eines autonomen Landwirtschaftssystems Hilfe brauchen, die imstande sein muss, zuerst die Familien zu versorgen. Danach können die Erzeugnisse auf den lokalen Markt gebracht und ganze Gemeinden unterstützt werden.
Probleme durch unerwünschte Hilfe
Die Samenlieferung von Monsanto ist nicht der einzige Fall unerwünschter Hilfe. Rettungskräfte berichteten, dass Haiti ungeeignete freiwillige Anlieferungen erhielt, die nur eine logistische Last bedeuten.
Spenden wie Nahrungsmittel und ausländische Medizin, die vor ihrem Verfallsdatum nicht verwendet werden konnten, müssen dann korrekt entsorgt werden. Das kostet Zeit, Arbeitskräfte und Geld.
Claire Durham vom Roten Kreuz schrieb in ihrem Blog, dass nach Haiti gelieferte frische Nahrungsmittel manchmal tagelang liegenbleiben und verderben oder unnötige medizinische Lieferungen über eine lange Zeitspanne gelagert werden und schließlich verfallen.
„Unerwünschte Spenden schaffen Chaos, führen zu Problemen bei der Entsorgung und vergrößern die Verwirrung für ein bereits gebeuteltes Land“, erklärte Durham.
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Es sind bereits viele Fälle dokumentiert worden, wo die Absicht, ein verwüstetes Land zu unterstützen, am Anfang gut war, sich aber schließlich als doch nicht so hilfreich herausstellte.
Eine ähnliche Herangehensweise wurde 2008 von der Forschungs- und Entwicklungsorganisation Drumnet bei Problemen in Kenia benutzt. Die ursprüngliche Absicht des dortigen Programms war, einen Markt zu gründen, um Getreide zu exportieren mit dem Ziel, mehr Gewinn für das Land als Ganzes zu erringen. Als ein Jahr später EU-Verordnungen geändert wurden, hörte aufgrund dessen das exportierende Unternehmen auf, das Getreide zu kaufen. Es wurde daraufhin auf dem lokalen Markt unter Preis verkauft, wodurch unnötig eine Darlehenschuld entstand.
Ein anderes Beispiel einer erfolglosen Initiative war in Lesotho. Ziel war es, Ortsansässigen zu helfen, Getreide anzubauen und einen Viehbestand zu führen. Für den Marktzugang sollten neue Straßen gebaut werden, so die Planungen von Give Well, einer Organisation zur Einschätzung von Wohltätigkeitsarbeit.
Das Projekt musste aufgegeben werden, weil nur wenige Bauern mitmachten, die Wetterbedingungen für den Getreideanbau ungünstig waren; die neuen Straßen halfen nur den Auslandsmärkten Fuß zu fassen, wodurch die lokalen Bauern in die Arbeitslosigkeit gerieten.
Originalartikel auf Englisch: Monsanto’s Gift Not Wanted in Haiti
 
 

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