Google-LogoFoto: LEON NEAL/AFP/Getty Images

Google und die Volksrepublik China – wie füreinander geschaffen

Von 18. September 2018 Aktualisiert: 18. September 2018 14:52
Geleakte Mails und Videos zeigen führende Mitarbeiter von Google, wie diese sich über Donald Trump und dessen angeblich antidemokratische Wähler ereifern. Gleichzeitig bemüht sich das Unternehmen um die Rückkehr in die Volksrepublik China – mit einer zensierten Suchmaschine.

In einem Kommentar hat der Gründer und Ehren-Geschäftsführer des Blogportals „PJ Media“, Roger L. Simon, Google der Heuchelei geziehen und die Aktivitäten des Unternehmens mit Blick auf die Volksrepublik China als auf seine Weise konsequent bewertet.

Dass Google mithilfe eines Kotaus vor dem Regime in Peking seine Rückkehr auf den dortigen Milliardenmarkt anstrebe und gleichzeitig in den USA die Wähler Donald Trumps beschimpfe, seien zwei Seiten derselben Medaille.

In seinem Kommentar verweist Simon auf ein Video, das den Google-Mitgründer Sergej Brin zeigt und das auf „Breitbart News“ veröffentlicht wurde. Brin, dessen Vermögen auf 52,9 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, zeigte sich darin pikiert über die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Er verglich dessen Wähler mit „Faschisten“ und erklärte unter anderen, diese hätten unter anderem „aus Langeweile“ für ihn gestimmt.

Seinen eigenen Respekt für die Demokratie habe Brin unterdessen vor einigen Wochen gezeigt, als er eine Ladung zum Kongresshearing über das Geschäftsgebaren der großen Internetkonzerne nicht Folge leistete. Facebook und Twitter hatten sich den Fragen gestellt.

Google sucht sich seinen Platz im festlandchinesischen Günstlingskapitalismus

Stattdessen plant Google mit einer Suchmaschine unter dem Arbeitstitel „Dragonfly“ eine neue Suchmaschine auf den Markt zu bringen. Das Portal „The Intercept“ berichtete jüngst über geleakte Dokumente, in deren Besitz es gekommen sei. Prototypen und Unterlagen über die Verhandlungen mit der Regierung der Volksrepublik China ließen demnach erkennen, dass Google damit 2019 starten will – mit dem Segen Pekings. Diesen zu bekommen sollte nicht schwierig sein, denn Google ist offenbar bereit, allen Wünschen der Regierung in Peking bezüglich Zensur entgegenzukommen.

Die Volksrepublik China, so Roger L. Simon, sei so ziemlich das genaue Gegenteil dessen, was sich Karl Marx einst als das „Absterben des Staates“ erträumt hätte. Es sei nicht länger wirklich kommunistisch, sondern eher ein Gebilde, das einem korporativen Faschismus nahestehe, der den Markt ausnütze, während er selbst den härtestmöglichen Günstlingskapitalismus betreibe. Dabei sei das Land in jedweder Hinsicht antidemokratisch. Kommunistisch daran sei lediglich, dass die Zahl der politischen Häftlinge weiterhin weltweit die höchste wäre. Diesen gehe es dafür besonders schlecht:

„Was die Haltung zu den politischen Gefangenen anbelangt, erweist sich die chinesische Kommunistische Partei als noch härter gemessen am alten sowjetischen Regime der Breschnew-Ära. Heutige chinesische Strafen sind länger, die Aussichten auf eine frühzeitige Entlassung wesentlich schlechter und chinesische Behörden reagieren generell nicht auf Appelle nach Erleichterungen vonseiten ausländischer Diplomaten.“

Ein elitistischer Sektenkult richte sich in einem anderen ein

Sergej Brin scheine darob keinen Schlaf zu verlieren – er macht sich über vermeintliche „Faschisten“ unter den Anhängern des US-Präsidenten Gedanken. Dass mit dem Forschungsdirektor Jack Poulson ein führender Entwickler die Notbremse gezogen und zum 31. August seine Tätigkeit für Google beendet hat, ist weiterer Regen auf Brins Parade.

Brin sei in der Sowjetunion geboren und nur in die USA gekommen, weil sein Vater den Mut hatte, die Familie herauszuholen. Dass sein Sohn nun jedoch offenbar keinerlei Skrupel habe, mit einem tatsächlichen antidemokratischen Regime wie jenem in Peking an Großprojekten wie Suchmaschinen oder künstlicher Intelligenz zu arbeiten, sei Roger L. Simons Einschätzung zufolge nicht allein kommerziellen Interessen geschuldet. Die Affinität zum elitistischen kommunistischen Sektenkult im Reich der Mitte habe auch damit zu tun, dass Google selbst zu einer Art elitistischem Sektenkult geworden sei. Der PJ-Media-Pionier holt dazu weiter aus:

„Es gibt auch eine psychologische Komponente. In gewisser Weise ist es Brins Talent und sein damit verbundener schneller Erfolg in einem sehr jungen Alter, die ihn vom realen Leben der Normalbürger abgeschnitten hatte, bevor er als Erwachsener die Chance gehabt hätte, zu lernen, worum es im Leben wirklich geht. Sein Statement über ‚Langeweile‘ verbirgt – und das nicht allzu gut – eine Verachtung für Menschen, die für ihr Überleben arbeiten müssen (Klempner, Elektriker, Bauarbeiter usw). Deren Leben mag Brin langweilig erscheinen, und auch die amerikanischen Eliten haben sie über Jahrzehnte hinweg ignoriert.

Wenn man das Video jenes Tages von Google betrachtet [in dem Brin Trumps Wähler beschimpft], lässt sich dieser Elitismus beinahe wie ein Sektenkult wahrnehmen. Jeder, so wird vorausgesetzt, muss über den Sieg der großen Ungewaschenen verzweifelt sein. Das Publikum wirkte wie ein Haufen dressierter Robben. Das war derselbe reaktionäre Stamm, der James Damore dafür ausgestoßen hat, dass er sich geringfügigste Abweichungen von ihren Gruppendenken geleistet hat. Konformismus ist unter den Silicon-Valley-Leuten zur Epidemie geworden. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes gleich, wie Klone.“

Entflechtung Googles sei das Gebot der Stunde

Dies, so betont, sei auch die Gefahr hinter ihren Suchmaschinen und Algorithmen. Tief im Inneren sind sie von derselben Person konstruiert mit denselben Ideen und einer identischen Weltsicht. Was am Ende herauskomme, könne gar nichts anderes ausdrücken als das. Und das verbindet Google mit seinem neuen Präferenzpartner:

„Google mit seiner engen Beziehung zur Volksrepublik China wird selbst zur Volksrepublik China, falls es das nicht schon ist. Es ist unsere ach so amerikanische Fassung der Kulturrevolution mit kostenlosem Sushi zum Mittag statt Narrenkappen, der Effekt bleibt der gleiche.“

Der angebliche Faschist Donald Trump hingegen sage Peking den Kampf an, mit Zöllen, die auch den Zweck verfolgen, die Volksrepublik zu einer Änderung ihrer Politik zu ändern – zumindest im Bereich des Umgangs mit geistigem Eigentum, das über Jahrzehnte hinweg missachtet worden sei. Eigentlich sollte das Silicon Valley so etwas ja goutieren, stattdessen übermanne sie die Gier und sie machten Deals mit dem Großen Vorsitzenden Xi und einer zensierten Suchmaschine.

Für Roger L. Simon ist die Zeit gekommen, um zu handeln:

„Genug des Redens über diese Unternehmen und wie sie unser Leben dominieren. Es ist Zeit, sie zu entflechten. Andernfalls werden sie bald mehr Macht haben als jede Regierung und keiner kann sicherstellen, dass sie ‚das Richtige tun‘. Vielleicht haben sie das ja sogar schon.“



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion