Hat Google-CEO vor US-Kongress gelogen? Beweise für manuelle Manipulation an Google Suchergebnissen aufgetaucht

Von 18. Januar 2019 Aktualisiert: 18. Januar 2019 20:07
Vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses betonte Google-CEO Sundar Pichai im Dezember 2018, in seinem Unternehmen würden keine Suchergebnisse manuell manipuliert. Ein Whistleblower hat „Breitbart News“ nun interne Dokumente zugespielt, die dem widersprechen.

Sind die „Menschenrechte“ universal und absolut oder nur ein Ideal, dem weitestmöglich zu entsprechen jedes Gemeinwesen anstreben sollte? Die Protagonisten sogenannter humanitärer Interventionen oder die „politische EU-Kommission“ (Jean-Claude Juncker), die missliebige Staaten innerhalb des Blocks mit Sanktionen für angebliche Verfehlungen überzieht, neigt dazu, die erste Variante zu beschwören.

Demgegenüber beziehen sich Gremien wie der „Europäische Gerichtshof für Menschenrechte“ gerne auf die einschränkenden Vorbehalte zu den Artikeln, die sich in diversen Konventionen finden, wenn es beispielsweise darum geht, behördliche Maßnahmen gegen Eltern zu rechtfertigen, die ihre Kinder der Schulpflicht entziehen.

Redefreiheit ein „utopischer Narrativ“?

Online-Plattformen wie Google oder YouTube stellen zwar keine staatlichen oder mit behördlicher Zwangsgewalt ausgestattete Einrichtungen dar, die an Verfassung oder völkerrechtliche Konventionen gebunden wären. Ihre faktische Macht auf Grund ihres Marktanteils wirft dennoch die Frage auf, wie willkürlich sie gegenüber ihren Nutzern agieren dürfen – zumal sie selbst Privilegien wie jene nach Kapitel Section 230 des Communications Decency Acts, die neutrale Plattformen für Redefreiheit von bestimmten Haftungsbestimmungen ausnehmen.

Eine 2018 an die konservative US-amerikanische Nachrichtenplattform „Breitbart News“ geleakte interne Präsentation unter dem Titel „Der gute Zensor“ befasst sich selbst mit Fragen wie jener, wie weit die Redefreiheit auf Social-Media-Plattformen gehen sollte.

In dem Briefing wird das Ideal einer uneingeschränkten freien Rede – in den USA immerhin ohne Vorbehalte gegenüber dem Staat geschützt – als „utopischer Narrativ“ bezeichnet, der durch jüngste weltweite Ereignisse und „schlechtes Verhalten“ eines Teils der Nutzer „unterminiert“ worden wäre.

Die Tech-Plattformen, die sich dem Ideal der freien Rede verpflichtet hätten, stünden zwischen zwei miteinander inkompatiblen Positionen, nämlich dem „unmittelbaren Marktplatz von Ideen“ und „gut geordneten Räumen für Sicherheit und Zivilität“.

„Europäische Tradition“ als neuer Standard amerikanischer Unternehmen

Während die amerikanische Tradition freie Rede zum Wohle der Demokratie und nicht „Zivilität“ priorisiere, stelle die europäische Tradition „Würde und Zivilität über die Freiheit“ – wobei alle Technologie-Plattformen sich jetzt in Richtung der europäischen Tradition bewegten. Inwieweit in Europa der Staat und die dominante politische Orthodoxie Begriffe wie Würde und Zivilität in einer nicht uneigennützigen Weise definieren und durch Gesetze Social-Media-Plattform zwingen, ihnen zu folgen, erörtert das Papier nicht in die Tiefe.

Klagen über von Betroffenen als einseitig und willkürlich empfundene Sperren, Sanktionen und Benachteiligungen durch Social-Media-Unternehmen, die vor allem von Betreibern konservativer Seiten ausgingen, haben neben dem Verdacht ausländischer Einflussnahme in den letzten Monaten zu Vorladungen von Vorstandsmitgliedern durch den Kongress geführt.

Dabei betonte im Vormonat der CEO von Google, Sundar Pichai, vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses, sein Unternehmen würde nicht manuell in irgendwelche bestimmten Suchresultate eingreifen. Ein internes Diskussionsdokument, das „Breitbart News“ jüngst zugespielt wurde, legt demgegenüber den Verdacht nahe, dass dies sehr wohl geschehe und dabei klare ideologische Muster erkennen lasse.

Allum Bokhari, der Chefkorrespondent für Technologie bei der konservativen Nachrichtenplattform, hat das Material unter die Lupe genommen und unter anderem aufgedeckt, dass auf der Liste der Top-10-Videos von YouTube zum Suchbegriff „Abtreibung“ innerhalb weniger Tage kritische Beiträge von Lebensschützern durch den Eingriff verharmlosende oder apologetische Beiträge sogenannter „Pro-Choice“-Protagonisten ersetzt wurden. Der Begriff „Abtreibung“ wurde auf eine schwarze Liste sogenannter „kontroverser YouTube-Anfragen“ gesetzt, die Suchbegriffe aufführt, die von Google als heikel eingestuft werden. Weitere Unregelmäßigkeiten betrafen Suchen rund um die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters und den Anti-Waffenrechts-Aktivisten David Hogg.

Die Existenz einer schwarzen Liste geht aus einem Diskussionsthread hervor, die Breitbart News von einem Whistleblower innerhalb des Unternehmens zugespielt wurde, der ungenannt bleiben wollte. Zudem sei ein Auszug einer solchen Blacklist an das Medium weitergeleitet worden. Ein „Vertrauenswürdigkeitsingenieur“ soll die Existenz weiterer schwarzer Listen angedeutet haben.

Pro-Life-Videos nach unten gereiht

Man habe „tonnenweise weiße und schwarze Listen, die Menschen manuell schaffen“, habe der Ingenieur demnach erklärt. Er hoffe, dass „das niemanden überrascht oder jemand dies als anstößig empfindet“. Ein Softwareingenieur, der den entsprechenden Thread gestartet hatte, soll hingegen im Zusammenhang mit den manipulierten Suchresultaten zum Thema Abtreibung von einem „schlagenden Beweis“ gesprochen haben.

Besonders pikant an der Sache sei, dass die Veränderung in der Liste zu den Abtreibungs-Videos nur wenige Tage nach einem Artikel auf dem linken Onlineportal „Slate“ erfolgt sei, der beklagte, dass Anfragen zu dem Begriff vorwiegend Pro-Life-Ergebnisse zutage förderten. An einem Freitag sei, so der Google-Whistleblower, der Slate-Artikel erschienen, am darauffolgenden Montag sei die YouTube-Liste verändert gewesen.

Offenkundig ist also manuell in die Liste eingegriffen worden. Betroffen waren Beiträge von Dr. Antony Levantino, der früher Abtreibungsarzt war, aber jetzt das Lebensrecht Ungeborener verteidigt, ein Video einer Frau, die zu einer Abtreibung gezwungen worden war und eines vom konservativen Journalisten Ben Shapiro. Die „Slate“-Journalistin hatte die Videos als „gefährliche Desinformation“ gebrandmarkt.

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Die eindeutigen Hinweise des Whistleblowers auf manuelle Eingriffe in die Suchergebnisse werfen nun Fragen auf wie jene, ob der CEO des Unternehmens, Sundar Pichai, mit seiner Erklärung, es gäbe keine manuellen Eingriffe, vor dem Kongress gelogen hat. Auch ein kritischer Mitarbeiter merkt im Diskussionsthread an, es „erscheine, als seien wir sehr darauf erpicht, unsere Suchresultate der sozialen und politischen Agenda linker Journalisten anzupassen“.

Dass auf Initiative eines Angestellten hin auch der Suchbegriff „Maxine Waters“ auf die schwarze Liste gesetzt worden sein soll, nachdem dieser sich über die „sehr geringe Qualität“ des entsprechenden YouTube-Suchergebnisses beschwert haben soll, würde diese Annahme ebenfalls stützen.

Demokraten wünschen Zensur – Google handelt

Jener Auszug aus einer schwarzen Liste, den der Whistleblower übermittelt hat, weist zudem darauf hin, dass es den Verantwortlichen bei Google offenbar auch ein Anliegen ist, den progressiven Anti-Waffenrechts-Aktivisten David Hogg vor unvorteilhaften Darstellungen zu bewahren. Außerdem hält man im Einklang mit Politikern und Medien, die nach entsprechenden Zensurmaßnahmen rufen, die eigenen Nutzer geistig nicht für reif genug, Verschwörungstheorien kritisch zu hinterfragen.

Neben „plane crash Russian“, „plane crash”, „florida shooting conspiracy”, „florida false flag shooting“ oder „florida false flag“ enthielt die Liste Suchbegriffe wie „david hogg hoax“, „david hogg fake“, „david hogg crisis actor”, „david hogg forgets lines”, „david hogg conspiracy” oder „david hogg exposed”.

Politiker der Demokraten hatten in der Vergangenheit mehrfach die Social-Media-Giganten dazu aufgefordert, angebliche oder tatsächliche „Verschwörungstheorien“ zum Amoklauf von Parkland einer Zensur zu unterwerfen.

In einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage von Breitbart-Redakteur Bokhari antwortete eine Sprecherin von YouTube, die Plattform wolle „angesehene“ Quellen in ihren Suchergebnissen vorrangig reihen, jedoch ein Portal für freie Rede bleiben, auf der sowohl Pro-Life- als auch Pro-Choice-Inhalte „erlaubt“ seien.

Mithilfe von Algorithmen habe man es bewirkt, dass bei nachrichtenbezogenen Anfragen auch tatsächliche Nachrichtenseiten zuerst gereiht würden. Suchalgorithmen seien verbessert worden, zudem hülfen Informationspanels dem Nutzer, selbst Fakten zu überprüfen oder angesehenere Quellen zu finden, um sich seine Meinung zu bilden.

Die „autoritativen“ Quellen haben jedoch im Fall der Suche zum Begriff „Abtreibung“ offenbar zur Folge gehabt, dass Pro-Life-Videos zugunsten jener mit einer entgegengesetzten Botschaft zurückgestuft wurden.

Auch im geleakten Diskussionsthread räumte Daniel Aaronson vom „Trust & Safety“-Team Googles ein, dass es im Unternehmen „große Teams“ gäbe, die daran arbeiteten, dass Suchresultate für Begriffe „adjustiert“ würden, die dazu geneigt seien, „übertriebene Inhalte, irreführende Information oder anstößige Inhalte“ zutage zu fördern. Erfahrungsgemäß, erklärt Allum Bokhari, seien rechtsgerichtete Informationsportale überdurchschnittlich von solchen „Adjustierungen“ betroffen.

Begriff der Familie als „ausgrenzend“ und „homophob“

Die Interventionen beträfen nicht nur YouTube, sondern auch Suchresultate via Google Assistant, Google Home und – in seltenen Fällen – auch die organische Google-Suche. Aaronson zufolge werde „proaktiv“ eher durch Algorithmen gehandelt, die etwa Inhalte von vornherein der Prüfung zuordnen, etwa wenn es um Pornografie geht. Reaktiv werde man tätig, wenn es Beschwerden gäbe über eine Verletzung der Richtlinien – was auch Spams oder tote Links anbelange.

Man wisse um die heikle Mission, Grenzen zu ziehen, und wolle den Zugang auch zu kontroversen Inhalten aufrechterhalten. Dabei lege man aber etwa bei Anwendungen wie Google Home oder Wissenspanels einen strengeren Maßstab an als bei der organischen Suche.

Insbesondere im konservativen Spektrum bleibt jedoch ungeachtet der Schwüre auf Überparteilichkeit und Neutralität die Skepsis hoch. Ein geleaktes Video aus einer Vorstandskonferenz, das Mitglieder der Google-Geschäftsführung zeigt, die sich über Donald Trumps Wahlsieg echauffieren und betonen, die eigene Macht zur Bekämpfung der „Populisten“ nutzen zu wollen, steuert zu dem Argwohn ebenso bei wie eigene Erfahrungen mit den Plattformen. 

Google war zudem selbst aktiv in Kampagnen involviert, vorwiegend in mutmaßlich den Demokraten zugeneigten Bevölkerungsgruppen die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Zudem wollte man Medien wie Breitbart News aus dem Bereich eigener Werbeplattformen eliminieren.

Dass jüngst dem „Daily Caller“ zufolge Mitarbeiter von Google sogar Anstoß an einer Präsentation genommen haben sollen, die das Unternehmen als „familienfreundlich“ dargestellt hatte – weil das Wort „Familie“ ihrer Meinung nach „homophob“ und „ausgrenzend“ wäre – dürfte das Vertrauen in die Qualität der Plattform und ihres Personals ebenfalls nicht spürbar erhöht haben.