„Hochqualitatives Flüchtlingsboot“: Chinesische Hersteller verkaufen Schlepperboote online

Epoch Times13. August 2017 Aktualisiert: 14. August 2017 6:43
Im chinesischen Internet können Schlepper "Qualitativ hochwertige Flüchtlingsboote" kaufen. Große Schlauchboote werden dort tatsächlich so beworben, was eine neue EU-Regelung verständlich macht.

Chinesische Hersteller verkaufen größere Schlauchboote im Internet ungeniert als „qualitativ hochwertige Flüchtlingsboote“, obwohl die EU China bereits bat, solche Geschäftspraktiken zu unterbinden. Die Website Middleeasteye.net (MEE) berichtete über das Phänomen.

Finden kann man „Flüchtlingsboote“ auf Alibaba, dem chinesischen Ebay- und Amazon-Pendant. Zwischen 800 und 1.100 US-Dollar kostet so ein Gefährt, dass laut Website aus PVC, Sperrholz und Aluminium besteht und 25-30 Passagiere tragen kann.

Schwimmwesten können als „Sonderausstattung“ optional dazugeordert werden – ebenso elektrische Luftpumpe, Überdachung oder ein Anker, wie Telepolis ergänzte. Die normale Lieferzeit beträgt 15 Tage und das Boot des Herstellers Huayu wird von Haustür zu Haustür geliefert.

Die Anzeige „High Quality Refugee Boat“ wurde mittlerweile gelöscht.

Kein Einzelfall

Dies war ist nicht das erste Mal, dass Alibaba dabei erwischt wurde, solche Boote zu verkaufen. Natürlich kann man sie auch als Bei- und Rettungsboote oder zum Fischen und für die Freizeit benutzen. Doch auch ein anderes Angebot, das von dem Onlinehändler mittlerweile entfernt wurde, warb für „aufblasbare Rettungs- und Flüchtlingsboote“, mit „niedriger Sinkwahrscheinlichkeit“.

„Das Boot hat gute Anti-Sink-Eigenschaften“, stand in der Anzeige. „Wenn das Boot maximal belastet ist (auch wenn es voller Wasser ist), kann es weiterhin auf dem Wasser schwimmen.“

Wikileaks berichtete

Ein auf Wikileaks erschienener Bericht der EU-Operation Sophia bestätigte, dass Schmuggler in Libyen in China hergestellte Schlauchboote kauften und über Malta und die Türkei nach Nordafrika verschickten.

In einem Fall ging maltesischen Zollbeamten eine Sendung von 20 verpackten Gummibooten ins Netz, die nach Misrata an die libysche Küste sollten. Weil die Beamten daran nichts beanstanden konnten, mussten sie die Ware freigeben.

EU ergreift Maßnahmen

Im Juli hat die EU Maßnahmen ergriffen, um solche Transporte einzuschränken und das Schleppergeschäft zu behindern. Der Im- und Export solcher Boote nach Libyen wurde beschränkt. Auch forderten EU-Beamte von China mehr Engagement gegen den Menschenschmuggel im Mittelmeer.

„Die Gummiboote, die von den Schmuggler-Netzwerken im Mittelmeer benutzt werden, werden irgendwo in China hergestellt“, sagte Dimitris Avramopoulos, EU-Kommissar für Migration, bei einem Besuch in Peking im Mai. Auch gegenüber der Website MEE bestätigte ein Sprecher von Avramopoulos, dass „eine gewisse Anzahl von Gummibooten, die von den Schmugglern benutzt werden, von Unternehmen produziert werden, die in China tätig sind“.

Nur das Symptom

Annemarie Loof, eine Vertreterin von Ärzte ohne Grenzen meinte:

„Der Verkauf dieser Schlauchboote ist nur das Symptom eines größeren Problems.“ Sie findet es unverantwortlich, dass die Gummiboote als „als qualitativ hochwertige Flüchtlingsboote beworben werden“. Solange es keine sicheren und legalen Wege für Menschen gebe, die auf der Suche nach Sicherheit oder einem besseren Leben seien, „werden Menschen weiterhin diese gefährlichen Routen nehmen und ihr Leben riskieren.“ (rf)

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