Hongkong: Mit Regenschirmen gegen die Polizei – Demonstration gegen chinesische Parallelhändler

Epoch Times13. Juli 2019 Aktualisiert: 14. Juli 2019 16:43
In Hongkong gab es erneut Zusammenstöße zwischen der Polizei und Demonstranten. Der Protest der Demonstranten richtet sich heute vor allem gegen chinesische "Parallelhändler" (auch "Heuschrecken" genannt), die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Bei erneuten Protesten in Hongkong hat es am Samstag Zusammenstöße zwischen der Polizei und Demonstranten gegeben. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein, die sich zu Tausenden an der Grenze zum Festland versammelt hatten.

Der Protest richtete sich vor allem gegen chinesische Händler, die im Hongkonger Vorort Sheng Shui Kosmetik- und Pharmaprodukte günstig einkaufen und auf der chinesischen Seite weiterverkaufen.

Die Demonstration in der Hongkonger Territorialstadt Sheung Shui, unweit der chinesischen Stadt Shenzhen, begann friedlich. Nach Angaben der Polizei hatten später Demonstranten versucht, „Polizisten anzugreifen“, die bei einem Streit zwischen Demonstranten und örtlichen Geschäftsleuten eingreifen wollten. Daraufhin seien sie gegen die Demonstranten vorgegangen.

Die Protestbewegung warf der Polizei hingegen vor, ohne Vorankündigung Gewalt angewandt zu haben.

„Einige Menschen wurden angegriffen und in einer Massenpanik verletzt. Ich versuchte, einige Mädchen zu retten, also wurde ich auch von der Polizei mit Pfefferspray angegriffen. Jetzt fühle ich mich so schlecht. Die Bullen sind Hunde“, sagte ein Mann, der nur den Namen Ragnar nennen wollte.

Einige Demonstranten rissen Werbeplakate ab und stellten Zäune auf, um Straßensperren einzurichten. Ein junger Mann wurde wegen einer blutigen Kopfwunde behandelt. Ein Angriff der Polizei mit Schlagstöcken räumte die Straße Minuten später.

„Wir haben keine Waffen und wir waren friedlich. Als wir sahen, wie sie uns in der Menge fotografierten, mussten wir reagieren“, sagte ein anderer Demonstrant mit dem Nachnamen Chan, der es ablehnte, seinen vollen Namen zu nennen. „Wir haben jetzt alle Angst. Wie können sie uns mit Schlagstöcken schlagen?“ sagte er und starrte auf eine Blutlache, in der einer seiner Kollegen behandelt wurde.

Nicht nur der chinesische Parallelhandel sorgt für Spannungen

Der Protest richtete sich gegen sogenannte chinesische Parallelhändler, die in den unzähligen Drogerien und Apotheken in Sheng Shui einkaufen, weil in Hongkong keine Mehrwertsteuer auf diese Produkte erhoben werden. Später werden die Waren auf der anderen Seite der Grenze teurer verkauft. Dieser „Parallelhandel“ und die durch ihn aus dem Boden schießenden Geschäfte sorgen in Hongkong seit langem für Spannungen.

Seit 1997 sind rund eine Million Festland-Chinesen in die Sonderverwaltungszone gezogen. Einige Demonstranten bezeichneten chinesischen Einwanderer als „Heuschrecken“

„Es ist wirklich lästig. Die Mieten sind gestiegen“, sagte der 74-jährige Demonstrant Siu Hok Yan der AFP. „Andere kleine Geschäfte und Restaurants können nicht überleben. Die Umgebung ist zu einem Marktplatz für Parallelhändler geworden statt für die Bewohner“, bemängelte Siu.

Die meisten der Geschäfte in Sheng Shui blieben während des Protests geschlossen. Von örtlichen Sendern ausgestrahlte Videoaufnahmen zeigten, wie Demonstranten die Schließung von noch geöffneten Geschäfte erzwangen.

Als Großbritannien vor 22 Jahren Hongkong nach China zurückgab, versprachen die chinesischen kommunistischen Führer der Stadt für 50 Jahre ein hohes Maß an Autonomie. Doch viele sagen, dass China nach und nach seinen Einfluss verstärkt hat und die Freiheiten Hongkongs durch eine Reihe von Maßnahmen wie das Auslieferungsgesetz gefährdet hat.

Proteste gegen chinesischen Einfluss und den der KP in Hongkong

In Hongkong gibt es seit Wochen Proteste, die sich zunächst vor allem gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz richteten. Die meisten der Proteste verliefen friedlich. In den vergangenen Wochen gab es aber auch gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten.

Zum 22. Jahrestag der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie an China am 1. Juli hatten überwiegend junge und maskierte Demonstranten in einer beispiellosen Aktion das Parlamentsgebäude gestürmt.

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Antiauslieferungsgegner planen am 14. Juli eine weitere Demonstration in der Stadt Sha Tin, in den sogenannten „Neuen Territorien“ zwischen der Insel Hongkong und der Grenze zu China.

Trotz Lams Zusage, das umstrittene Gesetz sei „tot“, hat die Protestbewegung weitere Massenproteste angekündigt. Lam weigert sich bisher, der Forderung der Demonstranten nachzukommen, das Auslieferungsgesetz endgültig von der Parlamentsagenda zu nehmen. Zudem fordert die Protestbewegung eine Untersuchung von Polizeigewalt bei den Protesten, die Freilassung festgenommener Demonstranten sowie den Rücktritt Lams.

Die chinesischen Händler in Sheng Shui, aber auch Touristen und Einwanderer aus dem chinesischen Festland sorgen in Hongkong mit seinen horrenden Mieten seit langem für Zündstoff. (afp/ks)