Ifo-Studie: Warum wertet China seinen Yuan ab? Die Abwertung bringt bis zu rund 34 Mrd. Euro Verluste

Epoch Times9. Oktober 2019 Aktualisiert: 9. Oktober 2019 17:42
Yuan-Abwertungen bringen der chinesischen Wirtschaft gravierende Nachteile, während der Rest der Welt davon profitiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Ifo-Studie, die die weltwirtschaftlichen Folgen von weiteren Yuan-Abwertungen untersucht hat. Chinas Strategie dahinter lasse sich nur schwer erklären.

Das Ifo-Institut hat kürzlich die Auswirkungen von weiteren Yuan-Abwertungen für die Weltwirtschaft berechnet. Das Ergebnis: „[Es] lässt sich also festhalten, dass eine (…) Abwertung des Yuan (…) zu keinerlei Wohlfahrtssteigerung in der Volksrepublik führt.“

Die Experten haben dabei unterstellt, dass der Handelskrieg eskaliert. Basis der Simulationen sind weitere Yuan-Abwertungen von 10 und 20 Prozent und eine weitere gegenseitige Belegung mit Zöllen. Es ist daher nicht erklärbar, wieso China so etwas Nachteiliges für seine Wirtschaft mache. Dennoch zeigen sie interessante Aspekte über mögliche Intentionen von chinesischer Seite auf.

Abwertung bringt China keinerlei Wohlfahrt – allerdings der Welt

Bei nüchterner Betrachtung könnte eine beabsichtigte Abwertung nicht ausgeschlossen werden. Jedenfalls gingen den letzten beiden Abwertungen Anfang Mai und in der zweiten Augustwoche Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump voraus. Dabei sei der aktuelle Kurs von 7,1 Yuan je Dollar seit Anfang 2018 um 13 Prozent gefallen.

Im Fall eines eskalierenden Handelskriegs würde China 29,2 Mrd. Euro (bei 10 Prozent Abwertung) und 33,7 Mrd. Euro (bei 20 Prozent Abwertung) verlieren. Der Rest der Welt würde aber profitieren. Bei zehnprozentiger/ zwanzigprozentiger Abwertung ergäben sich beim Rest der Welt folgende positive Effekte auf das Realeinkommen:

  • Deutschland: Plus 413 Mio Euro / 499 Mio. Euro
  • Restliche EU: Plus 1,9 Mrd. Euro / 2,8 Mrd. Euro
  • Rest der Welt: Plus 5,7 Mrd. Euro / 6,5 Mrd. Euro
  • USA: Nur noch minus 397 Mio. Euro / plus 476 Mio. Euro.

Alle außer China profitieren von einer Yuan-Abwertung

Die Zahlen zeigen: Alle, außer China, profitieren erheblich von einer Yuan-Abwertung, vor allem die USA. Bei Abwertung von 10 Prozent verlieren die USA im Zollkrieg mit China nur noch 397 Millionen Euro. Eine Abwertung von 20 Prozent beschere der USA sogar ein Realeinkommensgewinn von 476 Millionen Euro.

Das komme daher, so die Experten, weil das chinesische Ausland die chinesischen Produkte nun günstiger ordern könne. Zugleich seien Chinas Erlöse auch geringer, mit denen es seinerseits Waren im Ausland kaufe. Damit verschlechtere „China seine Terms of Trade gegenüber der ganzen Welt“.

Warum also macht China etwas, wodurch es nur verliert?

Hoher Preis, um US-Marktanteil zu halten

China hätte gute Gründe, die Abwertung als Druckmittel einzusetzen, um den US-Marktanteil zu halten, schlussfolgert das Ifo-Institut.

Denn die USA könnten China durch weitere Zölle schaden. Der Grund: Die USA importieren weit mehr chinesische Produkte als sie dorthin exportieren, in Zahlen: 400 Mrd. US-Dollar. So viel könnten die USA noch mit Zöllen belegen. Ohne eine Abwertung wären die chinesischen Produkte auf dem US-Markt nicht mehr konkurrenzfähig, weil sie für US-Verbraucher teurer würden.

Aber nur um den Marktanteil zu behalten, finden die Experten einen Verlust von rund 33 Milliarden Euro schon happig. „Der Preis [nur] für das Halten von Marktanteilen ist allerdings hoch“, schreiben sie. Vor allem, weil die sogenannten „Zollerkrankungen“ nur China, aber nicht die US-Verbraucher treffen.

Es muss also noch etwas anderes geben, lassen die Prognosen vorsichtig vermuten.

Zahlen können Machterhalt zwecks Weltherrschaftsprojekte wie „One Belt one Road“ nicht belegen

Eine politische Steuerung der Leistungsbilanz (…) für den mittelfristigen Zeithorizont [erscheint] durchaus nicht unplausibel“, prognostizieren die Ökonomen vorsichtig.

Die berechneten Zahlen können das aber letztlich nicht belegen. Der Hintergrund: Nur mit einem positiven Bilanzsaldo, also mehr Exporten als Importen, könne China Weltherrschaftsprojekte wie „One Road One Belt“ betreiben und entsprechende Mittel für Kapitalverkehrskontrollen vorhalten.

Und Chinas Exportbilanz sehe alles andere als rosig aus. Während der Überschuss der Exporte im Jahr 2006 noch 10 Prozent betrug, seien Chinas Importe und Exporte zwischenzeitlich ausgeglichen. Der Internationale Währungsfonds rechne künftig sogar mit Leistungsbilanzdefiziten. Und durch Währungsabwertungen ließe sich Chinas Problem beheben.

Ob sich China indes allerdings verrechnet hat oder letztlich eine andere eiskalte Strategie dahinter steht, lässt sich nicht herausfinden. Die Berechnungen jedenfalls ergeben, dass sich Währungsabwertungen auf die Exportbilanz negativ auswirken. (bm)

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