„In einer Reihe mit Soros“: Was steckt hinter dem anfänglichen Einreiseverbot für Hajo Seppelt nach Russland?

Epoch Times18. May 2018 Aktualisiert: 18. Mai 2018 12:56
Russland verweigerte dem Journalisten Hajo Seppelt die Einreise zur Fußballweltmeisterschaft. Der Aufschrei in Deutschland war groß. Mittlerweile wurde das Einreiseverbot aufgehoben. Was steckt hinter der Causa Seppelt?

Nach anfänglicher Weigerung lässt Russland den ARD-Mitarbeiter Hajo Seppelt nun doch zur Fußballweltmeisterschaft einreisen.

Zuvor hatte Russland dem Journalisten tendenziöse und propagandistische Berichterstattung vorgeworfen. Er sei ein „krimineller“ Journalist und „Propagandist“, hieß es seitens Russland. Das vom SWR für Seppelt beantragte Visum wurde für ungültig erklärt, da der Journalist auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“ stehe.

Die Politik zeigte sich wegen der Einreisesperre schockiert: Berlin halte „die Maßnahme der russischen Behörden, Herrn Seppelt das Visum für ungültig zu erklären, für falsch“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) bezeichnete die Visumsverweigerung als „nicht hinnehmbar“.

Die SPD-Bundestagsfraktion forderte den Deutschen Fußballbund (DFB) auf, sich als „Schwergewicht im Weltfußball bei der Fifa für einen freien Journalismus“ einzusetzen. Die Fifa selbst habe mehrfach betont, welch hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie habe. Daher müssen die Fifa-Funktionäre ihren Einfluss auf die russische Regierung geltend machen, damit Seppelt und alle anderen Journalisten ungehindert aus Russland berichten könnten, erklärte der sportpolitische Fraktionssprecher Detlev Pilger.

Russland hat das Verbot inzwischen aufgehoben.

„Kriminelle Journalisten: Wie Hajo Seppelt deutsche Sportler verleumdet“

Was hat es mit den Vorwürfen gegenüber Hajo Seppelt auf sich?

Schon seit Jahren wird Seppelt von Kritikern immer wieder scharf kritisiert. Im Juni 2016 titelte RT Deutsch beispielsweise: „Kriminelle Journalisten: Wie Hajo Seppelt deutsche Sportler verleumdet.“

In der Skripal-Affäre, im Syrien-Konflikt oder anderen Fällen behaupteten russische Politiker und Medien immer wieder, bei Vorwürfen handele es sich um „russophobe Kampagnen“. Dieser Vorwurf wurde auch Seppelt gemacht. So hielt beispielsweise RT dem Journalisten vor, er habe vier Dokumentationen über Doping in Russland gedreht: Das wirke „zumindest nicht uninstrumentalisiert“.

RT kommentierte auch, Seppelt sei ein „politischer Akteur“ und stehe in einer Reihe mit „George Soros und vielen anderen, denen die Einreise nicht wegen ihrer Profession verweigert wird, sondern weil sie aktiv und in absolut unfairer Weise gegen das souveräne Russland mit dem Ziel arbeiten, dort ein anderes politisches System zu etablieren“.

Seppelt sagt dazu im Gespräch mit der ARD: Es liege „in der Natur der Sache, dass Betroffene nicht amüsiert sind, wenn wir kritisch berichten. Aber so eine Reaktion wie in Russland habe ich noch nie erlebt.“ Und: „Es wurden Gerüchte gestreut, ich würde im Auftrag der CIA oder der Bundesregierung arbeiten. Es wurde berichtet, ich hätte in russischen Gerichtssälen falsche Berichterstattung eingeräumt – dabei war ich da nie.“

Deutscher Journalisten-Verband spricht von „Rachefeldzug“

Der Deutsche Journalisten-Verband unterstützt Seppelt. „Das ist natürlich ein enormer Einschnitt in die Pressefreiheit“, sagte DJV-Vorsitzende Frank Überall. „Angesichts der Tatsache, dass Seppelt die Dopingfälle in Russland öffentlich gemacht hat, kann man davon ausgehen, dass es sich um einen Rachefeldzug handelt.“

Seppelts Film „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“ hatte die Aufdeckung des russischen Dopingskandals bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi zur Folge.

Seppelts Ausraster

Über seinen Dokumentarfilm wurde Seppelt auch von einer russischen Journalisten interviewt. Sie fragte Seppelt, ob dieser seine Vorwürfe gegen Russland beweisen könne. Daraufhin rastete Seppelt aus.

Die Reporterin stellte dem ARD-Mann einige unbequeme Frage worauf er zuerst verbal und dann auch körperlich auf sie losging. Die Aktion wurde von dem russischen Kamerateam gefilmt.

(afp/so)

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