Iran rückt den USA näher: Hisbollah baut Präsenzen in Lateinamerika aus

Von 4. Oktober 2018 Aktualisiert: 4. Oktober 2018 14:58
Der Länderbericht des U.S. State Departments über terroristische Aktivitäten im Jahr 2017 bestätigt Vermutungen, der Iran könnte mithilfe von Zellen der Hisbollah seine Präsenz in Lateinamerika ausbauen und so näher an die US-Grenzen rücken. Erst im Sommer hatte der Kommandant der Iranischen Revolutionsgarden, Kassem Soleimani, unverhohlene Drohungen gegen die USA ausgesprochen.

Todd Bensman, Antiterrorspezialist und Senior National Security Fellow des in Texas beheimateten Zentrums für Immigrationsforschung, hat in einem Beitrag für „PJ Media“ dargelegt, wie der Iran und von diesem unterstützte Terrororganisationen ihre Präsenzen auf dem amerikanischen Kontinent auszuweiten versuchen. Sozialistische Staaten und Drogenkartelle sollen dabei als Transmissionsriemen fungieren.

Unmittelbar nachdem es Nicaraguas marxistischer Veteran Daniel Ortega 2007 geschafft hatte, zum zweiten Mal die Macht in dem mittelamerikanischen Land an sich zu bringen, hatte sich der Iran mit der sandinistischen Regierung darauf geeinigt, eine Botschaft in dem Land zu eröffnen. Bereits 2012 berichteten US-amerikanische Medien, dass der Iran und die von ihm unterstützte libanesische Terrororganisation Hisbollah dazu übergegangen seien, militärisches Know-how auszutauschen. Die Hisbollah soll seit dieser Zeit dort sogar über ein Trainingsgelände verfügen.

Dass der Iran, den die US-Regierung als weltweit größten staatlichen Sponsor des Terrorismus betrachtet, auch jenseits des Atlantiks Wühlarbeit leistet, ist keine neue Erscheinung. Bereits 1992 und 1994 war die Hisbollah durch folgenschwere Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Argentinien in Erscheinung getreten.

Geldbeschaffung derzeit oberste Priorität

Sozialistische Regime wie in Venezuela oder Bolivien haben in weiterer Folge ihre eigene Form der Willkommenskultur für Teheran und seine Proxys konzipiert, zudem nutzt die Hisbollah zunehmend auch die Dreiländer-Grenzregion zwischen Paraguay, Argentinien und Brasilien als Rückzugsgebiet. Die Präsenz der Terrorgruppe nähert sich unterdessen immer weiter der Südgrenze zu Mexiko an.

Über Jahre hinweg hatten sich lediglich Think Tanks und eine kleine Handvoll Medien dieses Themas angenommen. Die Regierung selbst und die Geheimdienste hatten sich bedeckt gehalten. Völlig außer Acht gelassen haben sie die Lage aber offenbar nicht. Im August veröffentlichte das U.S. Department of State seinen alljährlichen Länderreport zum Terrorismus, der eine Bilanz über die Entwicklungen im Jahr 2017 zog.

Aus den einzelnen Detailbetrachtungen ergab sich aus Sicht der Experten und Geheimdienste, dass die Hisbollah auch im Vorjahr „ihr Interesse an der Region beibehalten“ hat, wobei der Fokus auf Aktivitäten lag, die mit Geldbeschaffung und Fundraising zu tun hatten. Zu den Ländern, in denen die libanesische Terrororganisation in den vorangegangenen Jahren aktiv war, zählen Brasilien, Paraguay, Peru, Panama, Bolivien und Argentinien.

Immerhin ist es dem Bericht zufolge Mexiko bislang gelungen, die erstmals 2009 enthüllten Bestrebungen Teherans zu vereiteln, dort Basen zu schaffen, mit Drogenkartellen zusammenzuarbeiten und Akteure auf diesem Weg in die USA zu bringen. Erfolgreicher scheinen die Versuche von Hisbollah-Vertretern zu sein, im unwegsamen und in großen Teil nicht permanent kontrollierten Dreiländer-Grenzgebiet Südamerikas Aktivitäten der Geldwäsche und des Schmuggels zu entfalten. Auch 2017 operierten dort dem Bericht zufolge „mutmaßliche Netzwerke zur Terrorfinanzierung“.

Barakat-Verhaftung als wichtiger Schlag gegen Hisbollah-Unterhändler

In Paraguay konnten örtliche Sicherheitskräfte zusammen mit US-amerikanischen Antiterrorermittlern im Vorjahr mehrere libanesische, mit der Hisbollah verbundene Verdächtige in der Region Ciudad del Este festnehmen. Dem Bericht zufolge wären diese in Geldwäsche und Drogenhandel involviert gewesen, einige der Verhafteten hätten Kontaktleute in den USA gehabt. Noch nicht in dem Bericht erwähnt ist die Verhaftung des langjährigen mutmaßlichen Hisbollah-Finanziers Ahmed Assad Barakat am 21. September dieses Jahres in Brasilien. Dieser wurde seit 2004 gesucht. Er und sein Familienclan gelten als Schlüsselfiguren im Bereich der illegalen Aktivitäten im südamerikanischen Dreiländereck. Auch soll er von örtlichen Händlern Schutzgeld zu Gunsten der Hisbollah erpresst haben.

Neben der Hisbollah selbst ist zudem auch deren klandestine ausländische Serviceabteilung, die „Islamische Dschihad Organisation“ (IJO), in Lateinamerika präsent. In den letzten Jahren sind Angehörige dieser Vereinigung in Panama, Bolivien und Peru aufgetaucht. In Panama habe die dortige Polizei dem Bericht des State Departments zufolge mit US-Ermittlern mehrfach Aktivitäten verdächtiger Personen untersucht.

Von jenen mutmaßlichen Hisbollah-Agenten, die das FBI 2017 in Michigan und New York festgenommen hatte, weil diese die Terrororganisation mit Material versorgt haben sollen, ist mittlerweile im Laufe ihrer Prozesse bekannt geworden, dass sie auch in Lateinamerika operiert haben. Der in Michigan inhaftierte Samer El Debek habe mehrfach jeweils einen Monat in Panama verbracht, um dort potenzielle Ziele für Anschläge auszusuchen. Darunter sollen die US-Botschaft, das israelische Konsulat oder Schiffe gewesen sein, die durch den Panamakanal fahren.

Lager mit Sprengstoffkomponenten in mehreren Ländern

El Debek hat bereits eingeräumt, ein bezahlter Akteur der IJO zu sein mit einem Gehalt von 1000 US-Dollar pro Monat. Er habe auch andere Personen im Umgang mit Sprengstoff, Waffen und nachrichtendienstlichen Informationen geschult. Zudem erklärt er, in mehrere andere Länder im Auftrag der Hisbollah Komponenten geschmuggelt zu haben, die für Sprengmittel verwendet werden könnten und welche die Hisbollah jeweils dort lagere. Eines dieser Lager könnte jenes gewesen sei, das 2017 in Bolivien aufgebracht worden war. Dem Bericht zufolge haben bolivianische Sicherheitskräfte ein „Hisbollah-Lager mit explosiven Vorrichtungen“ in der Gegend um La Paz entdeckt und zerstört.

In Peru wird es einen neuerlichen Prozess gegen den libanesischen Staatsbürger Muhammad Ghaleb Hamdar geben. Dieser war im Oktober 2014 verhaftet worden, weil er für die Hisbollah bzw. IJO Lager in dem Land unterhalten haben soll. Die Polizei hatte auch in seiner eigenen Wohnung Sprengmittel gefunden. Ein peruanisches Gericht hat ihn vom Terrorvorwurf freigesprochen und zu sechs Jahren Haft verurteilt wegen der Nutzung falscher Dokumente. Der Oberste Gerichtshof Perus hat das Freispruchsurteil jedoch aufgehoben und es soll noch in diesem Jahr eine neue Verhandlung geben.

Ob die Hisbollah oder andere terroristische Gruppen tatsächlich versuchen würden, über den Südwesten oder Süden in die USA einzureisen, sei fraglich, heißt es in dem Bericht. Die Grenze sei immer noch verwundbar hinsichtlich eines möglichen Übertritts durch Terroristen.

Poröse Grenzen und fehlende tatsächliche Staatsgewalt

Es sei aber denkbar, dass diese im Fall der Hisbollah andere Wege suchen, um in die USA zu gelangen. So heißt es:

„Zahlreiche lateinamerikanische Länder haben poröse Grenzen, beschränkte Möglichkeiten der Exekutive und etablierte Schmuggelrouten. Diese Schwachstellen schaffen Chancen für ausländische Terrorgruppen, aber es sind bislang keine Fälle bekannt, wonach terroristische Gruppen versucht hätten, die Defizite zu nutzen, um sich mit ihren Operationen durch die Region zu bewegen.“

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Die Erkenntnisse, so Bensman, unterstreichen, wie wichtig es war, dass US-Präsident Donald Trump den Atomvertrag mit dem Iran verlassen und Sanktionen gegen das Land vorbereitet habe.

Erst im Sommer hatte Kassem Soleimani, der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, eine unverhohlene Drohung an die USA gerichtet: „Trump, du Spieler! Ich sage dir, wir sind dir nahe, exakt dort, wo du uns nicht vermutet hättest.“