Japan will von „Aegis Ashore“-Raketenabwehr Abstand nehmen – USA wollen den Deal retten

Von 27. Juni 2020 Aktualisiert: 27. Juni 2020 12:32
Im Jahr 2017 unterzeichnete Japan einen Vertrag mit den USA zur Lieferung eines modernen „Aegis Ashore“-Raketenabwehrsystems. Probleme bei der Standortauswertung und Widerstände in der Bevölkerung verteuerten das Unterfangen. Nun hat Tokio den Ausstieg erklärt.

Die Regierung der USA will trotz der Empfehlung des Nationalen Sicherheitsrats Japans, auf die Stationierung zweier US-amerikanischer „Aegis Ashore“-Raketenabwehrsysteme zu verzichten, weiterhin Partner des Landes bei der Entwicklung einer Lösung in dieser Frage bleiben. Wie das „Time“-Magazin berichtet, hat das höchste Sicherheitsgremium Japans am Mittwoch (24.6.) entschieden, von der geplanten Lieferung des Systems, das Japan vor nordkoreanischen Raketenangriffen schützen soll, Abstand zu nehmen.

Bedenken wegen Sicherheit und Kosten

Am Donnerstag verkündete Japans Verteidigungsminister Taro Kono, die Regierung werde der Empfehlung Folge leisten und nicht wie geplant die bereits georderten Abwehrsysteme des Herstellers Lockheed Martin in der nordjapanischen Region um Akita aufstellen.

Aus Tokio heißt es nun, man werde mit den USA verhandeln, wie angesichts noch ausstehender Lieferungen und Bezahlungen aus dem bereits 2017 besiegelten Vertrag weiter verfahren werden soll. In den USA will man die Angelegenheit noch nicht ad acta legen und Japan davon überzeugen, den Ankauf und die Stationierung doch noch programmgemäß stattfinden zu lassen.

Wie das Onlineportal „Sumikai“ unter Berufung auf den stellvertretenden Direktors der Missile Defense Agency, Jon Hill, schreibt, gebe es bereits Gespräche, in deren Rahmen die Amerikaner versuchten, Bedenken auszuräumen. Diese hatten sich auch auf die Sicherheit der Systeme bezogen, vor allem aber auf die Kosten.

USA wollen Raketenabwehr-Deal nachverhandeln

Eigentlich sollten die Batterien die ebenfalls von Lockheed Martin erworbenen Aegis-Zerstörer der japanischen Seestreitkräfte ergänzen. In der Bevölkerung stieg aber zum einen die – nicht zuletzt auch durch eine entsprechende Berichterstattung in Alternativmedien angefachte – Angst vor möglichen Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Wellen, die das Radar ausstoße. Zum anderen befürchtete man, dass die umliegenden Gemeinden im Fall einer militärischen Eskalation zum Angriffsziel werden könnten.

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister David Halvey, der auch für indopazifische Sicherheitspolitik zuständig ist, äußerte „Sumikai“ zufolge Verständnis dafür, dass Japans Regierung „einige technische Aspekte des Programms überprüft, um eine kostengünstigere Alternative zu ermitteln“. Man wolle nun die Kommunikation mit Tokio aufrechterhalten und kooperieren, um „den richtigen Weg zu finden und sicherzustellen, dass wir weiterhin eng mit ihnen bei der Raketenabwehr zusammenarbeiten“.

Japan wäre drittes Land mit Aegis Ashore gewesen

Kono zufolge habe man einen Vertrag über die Lieferung des Aegis Ashore-Systems im Gegenwert von etwa 180 Milliarden Yen (ca. 1,5 Milliarden Euro) unterzeichnet, von denen Japan bereits 12 Milliarden (ca. 100 Mio. Euro) bezahlt habe. Was in Japans Haushalt selbst die Kosten weiter getrieben hatte, war, dass das Verteidigungsministerium Fehler bei den geografischen Standorterhebungen gemacht hatte. Deshalb musste am Ende ein neuer potenzieller Stationierungsort aufgetrieben werden. Die Mehrkosten, die dadurch verursacht wurden, beliefen sich laut „Time“ auf 450 Milliarden Yen (ca. 3,75 Milliarden Euro).

Japan wäre nach Rumänien und Polen das dritte Land, das ein Aegis Ashore-System erhalten würde. Ursprünglich war eine Stationierung für die Dauer von vorerst 30 Jahren geplant. Derzeit nutzt Japans Luftabwehr die in der NATO verbreiteten Patriot-Systeme.

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